Mal munter, mal berührend: Der Oberharmersbacher Gesangverein „Frohsinn“ unterhielt seine rund 450 Gäste auf abwechslungsreiche
und mit viel Applaus belohnte Weise.
„Holt Eure Superkräfte aus dem Tiefkühlfach der Fantasie – heute gibt´s Superhelden-Power mit Extra-Glitzer!“ Derart vielversprechend stimmte das Moderatorinnen-Duo Stefanie Schabert und Vanessa Lehmann auf den Auftakt des vom Gesangverein „Frohsinn“ gestalteten Neujahrskonzerts“ ein.
Ein Auftakt, der den rund 450 Gästen, die sich am Neujahrsabend in der liebevoll dekorierten Reichstalhalle versammelt hatten, viel Freude bereitete: Dafür sorgte der Kinder- und Jugendchor „Canto Amici“ mit einer musikalischen Reise durch das Motto „Von Helden und Abenteuern“. Die begleitende Gitarre spielte Bettina Lehmann. Die Musikpädagogin hat die musikalische Leitung inne und verstand es hervorragend, mit der Art der Zusammenstellung und Präsentation des rund halbstündigen Programms, die Altersspanne der 17 SängerInnen von fünf bis 13 Jahren unter einen Hut zu bringen.
Frische Energie
„Wir sind super/ Superhelden“ intonierten die jungen Stimmen zu Beginn – und das derart überzeugend, dass der Saal binnen kurzem den Takt mitklatschte. Es folgten Titel wie „Supergirl“ (Reamon), „Major Tom“ (Peter Schilling), “You and me“ (aus dem Film Descendents), “Die perfekte Welle” (Juli) und “Durch den Monsun” (Tokio Hotel). Angesichts des Muts und der energiegeladenen Performance ihrer Schützlinge – auch in Form von Solo-Einlagen – applaudierte Bettina Lehmann ihnen ebenso anhaltend wie das Publikum.
„Dein Kind singt auch gerne?“, wandten sich die Moderatorinnen im anschließenden „Werbeblock“ an alle Eltern, „wir freuen uns über jede Stimme und heißen dein Kind in unserem Chor herzlich willkommen.“
Nach einer kurzen Umbauphase übernahm der aus inzwischen 37 Frauen und Männern bestehende Erwachsenenchor das Bühnengeschehen, und die Moderatorinnen verkündeten: „Jetzt kommt die beste Mischung aus Rhythmus, Freude und einem Hauch „Hurra, wir singen!“.
Dieses „Hurra“ vermittelte der einst von Udo Jürgens geschaffene Klassiker „Und immer wieder geht die Sonne auf“ – ein Song, der Hoffnung und Wiederaufstehen feiert. Es folgten Max Giesingers „Legenden“, die in eine Welt voller Mut und unbeirrtem Vorwärtsgehen entführten. Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“ erzählte eine kraftvolle Geschichte über Liebe und Zugehörigkeit.
Feuchte Augen und Jubelrufe
Für den nächsten Song kam zur Unterstützung der Kinder- und Jugendchor nochmals auf die Bühne, für „Komm, wir ziehen in den Frieden“. Von Udo Lindenberg geschrieben und von Friedel Hary arrangiert, ist das Stück bedeutungsvoller denn je: „Stell dir vor, es ist Frieden, und jeder geht hin.“
Tief berührend auch, wie die junge Julia zwischen Liedpassagen aus Artikel drei des deutschen Grundgesetzes vorlas. Dies garantiert die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz: „Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“
Nach einer weiteren Pause gab es frenetischen Applaus und Jubelrufe für Vanessa Lehmanns Solo-Auftritt. Mit glockenheller Stimme hatte sie zunächst „Voilá“ von Barbara Pravi auf eine derart gefühlvolle Weise interpretiert, dass sie Gänsehaut hervorrief. Wer des Französischen nicht mächtig war, der vermochte dennoch zu spüren, worum es ging: um Selbstermächtigung, Leidenschaft, Identität, Mut – um den Willen zum freien Ausdruck der Gefühle.
Überwältigt zeigte sich auch Chorleiter Viktor Kraus, der die Sängerin auf der Gitarre begleitet hatte. Mit dem Widerstandslied „Stand up“ (aus dem Film „Harriet“) folgte eine nicht weniger umwerfende Solo-Zugabe, die eine andere Stimmfacette Vanessa Lehmanns zeigte, in Form tief-satter, auch kämpferisch-rauer Gospelanmutung.
Anspruchsvoller „Parkplatzregen“
Mit fulminanter Stimmgewalt – doch auch einem Augenzwinkern – präsentierte der gemischte Chor daraufhin „Verdammt ich lieb´ dich“, von Matthias Reim sowie „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader, bevor Stefanie Schabert erstmals als Solo-Sängerin auftrat, mit den Titeln „Sky without Stars“ (Vella) und „Ein Lied kann eine Brücke sein“- Joy Flemings Beitrag für den Eurovision Song Contest anno 1975. Auch hier tauschte der musikalische Leiter Viktor Kraus das Klavier gegen die Gitarre als nicht minder virtuos gespieltes Begleitinstrument.
Als der Chor mit „Parkplatzregen“ (Oliver Gies) wieder einsetzte, wurde es besonders anspruchsvoll, hatte hier doch jede der vier Stimmen ihren eigenen Rhythmus und Text. Es folgte „Ein Traum“ (von Bosse), mit dem Rock-Lied „Westerland“ von „Die Ärzte“ verabschiedete sich der Chor schließlich. Die mit kräftigem Applaus und lauten Rufen geforderten Zugaben erfolgten mit dem kraftvoll-munteren „Bella Ciao“ sowie mit dem italienischen Volkslied „Das Tal in den Bergen“, das ob seiner a cappella vorgetragenen Stimmgewalt das eine oder andere Augenpaar im Publikum feucht werden ließ.
Neue Mitglieder, vier Nationen
Die Dankesworte des Frohsinn-Vorsitzenden Stefan Lehmann galten: Viktor Kraus für dessen Chorleitung und musikalische Begleitung, „wie immer ist er mit Begeisterung dabei“. Der „Canto-Amici“-Leiterin Bettina Lehmann. Der Begleitband mit Michael Gutmann am E-Bass, Andreas Lehmann am Keyboard und Stefan Lehmann am Schlagzeug. Der Zuwälder Fasendgruppe dankte der Vereinsobere für die reibungslose Bewirtung und den Ehrengästen – darunter Ehrenmitglieder, Ehrendirigent Arthur Berger und Ehrenvorstand Hubert Rauber – für deren Erscheinen, der Gemeinde für die Vereinsförderung sowie allen an der Veranstaltung Beteiligten.
Auch freute sich der Vorsitzende über sechs neue Chormitglieder, die er namentlich vorstellte: Daniele Cassali, Marc Herrmann, Jakob Huber, Marius Kornmayer, Claudi Lehmann und Stefan Rombach. „Wenn die Gemeinde mal einen Preis für Migration und Integration ausschreiben sollte, so würden gerne wir ihn erhalten“, freute sich der Vorsitzende über den Umstand, dass mit Italien, den Niederlanden und Syrien inzwischen mehrere Nationen im Chor vertreten sind.
Singbegeisterte Männer und Frauen sind zu einer Schnupperprobe eingeladen, jeden Dienstag ab 20.15 Uhr in der Brandenkopfschule.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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