Pannenfrei dank überlegener Technik

Luftgekühlte VW-Oldtimer folgen historischer Route der VW-Teststrecke aus den 1930er Jahren durch den Schwarzwald

Ein erhöhtes Aufkommen von knatternden Käfern war am Mittwoch in der Region zu bemerken. Der niederländische Autoclub LVWCN absolvierte die letzte Teilstrecke seiner Rallye, die die Fahrer in den letzten zwölf Tagen durch Frankreich und Deutschland geführt hatte.

Für die Schlussetappe hatte sich Organisator Tiddo Bresters etwas besonderes einfallen lassen: Auf historischen Wegen sollte es nach Stuttgart gehen. Die Teststrecke, auf der die ersten VW-Fahrzeuge im Jahr 1936 fuhren, führte auch durchs Harmersbachtal – und so kam es, dass am Mittwochvormittag mehr als zwei Dutzend historischer, luftgekühlter VW-Fahrzeuge das Etappenziel Hotel Bären in Oberharmersbach im Visier hatten. Dort angekommen, stärkten sich die Fahrer und Beifahrer bei Kaffee und Schwarzwälder Kirschtorte, während die Autos auf dem Hof hinter dem Hotel bestaunt werden konnten. Überraschend die Vielfalt im Detail, wenn man bedenkt, dass im Prinzip »nur« VW Käfer, Busse, Karmann Ghia, Typ 3 und VW 181 an dieser Ausfahrt teilnahmen.

Doch allein der VW Käfer ist ein Stück Automobilgeschichte für sich. Mehr als 21,5 Millionen Fahrzeuge wurden weltweit vom Start der regulären Produktion im Januar 1946 (»Brezelkäfer«) bis zum Produktionsende im Jahr 2003 (»Mexikokäfer«) hergestellt. Er begleitete die Nation durch die Wirtschaftswunderzeit, war ein echter, weltweiter Exportschlager deutscher Automobilkonstruktion und bekam im Laufe der Jahrzehnte – obwohl die Optik immer eindeutig »Käfer« blieb – eine enorme Modellvielfalt. Käfer gibt es als Geländewagen, als Cabriolet, als Krankenwagen, Polizeiauto, mit minimaler oder verbesserter Innenausstattung, mit Winker und Blinker, mit viel Chrom oder fast ohne und in einer einzigartigen Farbpalette, die von »texasbeige« im Jahr 1955 bis hin zu »coloradometallic« im Jahr 1972 reicht. Die Wolfsburger Autobauer hatten sich immer wieder etwas einfallen lassen und limitierte Editionen aufgelegt, was bis heute die Begeisterung bei den Käfer-Fans erklärt. Das Sondermodell »Jeans« war zum Beispiel auch in Oberharmersbach gleich mehrfach mit dabei.

Neidisch konnten Oldtimer-Freunde auch auf die Besitzer der »Bullis« werden, die bei der LVWCN-Ausfahrt mit dabei waren. Die knuffigen Kleintransporter genießen Kultstatus und werden hoch gehandelt. Eleganz pur verkörpert der Karmann-Ghia, dessen Motor und Fahrwerk sich im Wesentlichen aus Käferkomponenten ableiten lassen. Typ-3-Fahrzeuge sind für viele Fans einfach der »bessere Käfer« und der »181« – besser bekannt als Kübelwagen – ist der Inbegriff des unkaputtbaren Nutzfahrzeugs.

»Luft kocht nicht«

Mehr als 55.000 Kilometer legten die Fahrzeuge im Rahmen dieser Ausfahrt auf eigener Achse zurück. Von Verdun durch den Burgund, über die französischen Alpen und das Jura bis Bad Bellingen und dann eben über Oberharmersbach nach Stuttgart. Ganz im Sinne des alten Werbeslogans »Er läuft und läuft und läuft« gab es trotz der Hitze der letzten Wochen keinen einzigen technischen Ausfall. Dank überlegener Technik, die VW immer wieder zu einzigartigen Verkaufs­argumenten verhalf, die man heute noch kennt. »Luft kocht nicht, Luft gefriert nicht«, ist vielen Menschen bestimmt noch im Ohr. Wo es keinen Kühler und keine spezielle Kühlmittel gibt, kann nichts kaputt gehen. Selten war es so wahr wie in einem Sommer wie dem diesjährigen.

Zum Abschluss ins Porsche-Museum

Zum Abschluss der Rallye des »Luftgekühlten VW Club Niederlande« stand für die Teilnehmer ein Besuch im Porsche-Museum in Stuttgart und ein Besuch des Mercedes-Benz-Werks an. VW und Porsche sind bekanntermaßen auch heute noch unternehmerisch verzahnt. Was vielleicht nicht jeder weiß: Die ersten Käfer-Prototypen wurden in den 1930er Jahren in der Porsche-Villa am Feuerbacher Weg in Stuttgart zusammengebaut.

Nach den Besichtigungen heißt es dann Abschied nehmen, und für die VW-Freunde geht es mit ihren Fahrzeugen wieder zurück nach Holland, Belgien und England.

 

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