Borkenkäfer auf dem Vormarsch

Wald leidet unter Hitzestress – Schädlinge haben leichtes Spiel

Hangauf, hangab sind in den Oberharmersbacher Waldungen die Motor­kettensägen zu hören; bei dieser Hitze und für den Monat August eher un­gewöhnlich. Doch Handeln ist dringend angesagt. Was vor kurzem noch wie ein hier und da auftretender vereinzelter Borkenkäfer-Befall aussah, explodierte binnen weniger Tage und fordert die Waldbesitzer. Der Schädling hat sich in den Wäldern deutlich ausgebreitet.

 

Es ist fast windstill entlang des »Gans-Weg« im Gemeindewald. Man hört es leise rieseln. Es sind jedoch nicht die ersehnten Regentropfen, sondern grüne Nadeln, die zu Boden fallen. Unter der Fichte hat sich ein weicher Teppich gebildet. Auch hier hat sich der Schädling eingenistet.

Vor allem zwei Arten von Borkenkäfern machen dem Wald momentan zu schaffen. Während der »Kupferstecher« sich eher im Kronenbereich in dünneren Ästen ausbreitet, setzt sich der »Buchdrucker« am stärkeren Stamm unterhalb der Krone fest. Die Hitze begünstigt die Vermehrung, die gestressten Bäume sind anfälliger. Auf flachgründigen Böden in Südhanglage geht den Bäumen am schnells­ten das Wasser aus.

Kontrolle muss sein

Hans Lehmann beobachtet seit Tagen den Wald sehr genau, dem der Trockenstress jeden Tag mehr zusetzt. Immer wieder macht er mit dem Fernglas neue Schadstellen aus, eine Drohne könnte ihm hier nützliche Dienste leisten. »Man muss aber trotzdem vor Ort prüfen, ob das Krankheitsbild mehr Trockenstress ist oder ob es sich zusätzlich um den gefährlichen Schädlingsbefall handelt«, weiß er aus langjähriger Erfahrung. »Wir hatten 2003 nicht wenige durch Trockenheit geschädigte Bäume und wussten lange nicht, ob sie überleben«, blickt Hans Lehmann auf den »Jahrhundertsommer« zurück. Aber nach vier, fünf Jahren hätten sich viele Gehölze tatsächlich erholt.

Es scheint für Revierförster Hans Lehmann ein schier hoffnungsloses Unterfangen, bei einer Fläche von über 2.000 Hektar »seinen« Wald genau im Auge zu behalten. Jetzt ist vor allem wichtig, dass jeder Waldbesitzer selbst regelmäßig in kurzen Abständen seine eigenen Stücke kontrolliert, denn ein übersehenes Borkenkäfernest kann rasch einen hohen Schadholzanfall verursachen. Was nun verstärkt auftaucht, sind nicht mehr nur einzelne kranke Bäume. Mehrere Nester macht Hans Lehmann aus, als er den gegen­über liegenden Hang der so genannten Sommerseite prüft. »Was hier mit der Käferkalamität uns noch bevorsteht, und vor allem wo sie noch auftritt, weiß niemand abzuschätzen«, verweist er auf sein wachsendes mulmiges Gefühl.

Holz verwerten

Im blocküberlagerten Gelände hat der Förster eine weitere kranke Gruppe ausgemacht. Mehrere Bäume mitten im Bestand zeigen bereits dieselben Symptome: lichte Krone, verstärkte Harztätigkeit am Stamm. Beides klare Hinweise für Käferbefall. Hans Lehmann schlägt mehrfach mit der Axt in die Rinde, um den Fortgang der Schädigung zu prüfen. »Fünf, sechs Fichten sind zu fällen«, stellt er nüchtern fest. Sein Kontrollgang führt ihn weiter zu einem der zahlreichen Holzpolder. »Anfangsbefall«, meint er nach einem prüfenden Schlag mit der Axt. Man werde sehen, welchen Preis man für das Holz, das bereits geschlagene und das jetzt anfallende, erziele. Ein Befall durch den Kupferstecher im Kronenbereich bedeute nicht, dass der ganze Stamm wesentlich entwertet sei.

Hier tut sich das nächste Problem auf. Das Holz muss baldmöglichst aus dem Wald geschafft werden. Viele Sägewerke haben aber Sommerpause. Ein Anruf bei einem Hackschnitzelproduzenten, um das Kronen- und Astmaterial mit den Käfern unschädlich zu beseitigen, setzt den nächsten Dämpfer. Zum einen ist dieser mit Terminen ausgebucht, zum anderen weiß er nicht, wohin mit dem Material. »Und das Verbrennen des Reisigs bei dieser Trockenheit ist absolut tabu«, schildert er die wachsende Problematik. Ob das nächste Gewitter allein eine größere Katastrophe verhindern könne, sei dahingestellt. Regen müsse da schon lange und in größeren Mengen fallen.

Seinen Kontrollgang verbindet er mit Anweisungen an die Forstwirte der Gemeinde, die von einem Käfernest zum anderen ziehen, oder mit Ratschlägen für die Privatwaldbesitzer, wie das Holz am besten für den Verkauf aufzubereiten sei. Doch momentan sieht es fast so aus, als kämpften die Waldbesitzer wie Don Quichote gegen Windmühlen. »Wir sitzen alle in einem Boot, da ist auch Solidarität gefragt. Und momentan hilft nur: sägen und beten«, redet er sich Mut zu.

 

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