Waldbewirtschaftung früher und heute:

Exkursion führt Studenten in die Oberharmersbacher Wälder

Studentinnen und Studenten der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg/Neckar erkundeten während einer forsthistorischen Exkursion am Mittwoch verschiedene Waldbilder und die dazu gehörenden waldbaulichen Grundlagen. Dabei standen die Beispiele Plenterwald und Niederwald im Mittelpunkt.

Revierförster Hans Lehmann leitete die ganztägige Exkursion, für die sich Stefan Ruge, Professor für Botanik und Waldbau-Grundlagen, mit 32 Studierenden angemeldet hatte. »Die angehenden Forstleute sollen möglichst viele Regionen mit unterschiedlichen klimatischen und geologischen Bedingungen kennen lernen«, begründete der Rottenburger Professor das aktuelle Exkursionsziel. Vor allem die Veränderungen in den Oberharmersbacher Waldungen während der letzten Jahrzehnte hielten dafür anschauliche Beispiele parat.
Schon beim ersten Halt am Moosweg Richtung Nordracher Gemarkung stand das Wissen der Studierenden auf dem Prüfstand. Die vorgefundene Vegetation wurde richtig der montanen Stufe zugeordnet, die geologischen Bedingungen erläuterte Exkursionsleiter Hans Lehmann anhand der thematischen Karte.

Der kurze Halt bei der Fridolinshütte diente der Stärkung, denn dann folgten rund drei Kilometer quer durch den Wald mit extrem blocküberlagertem Gelände. »Hier brauche ich beim Holzeinschlag erfahrene Arbeiter«, verwies der Revierleiter auf die Knochenarbeit in dem steilen und schwer zugänglichen Gelände. Verschiedene Haltepunkte veranschaulichten, wie sich Waldflächen, bedingt durch Reparationshiebe der französischen Besatzungsmacht, von der traditionellen Bewirtschaftung unterscheiden.

Ausführlich verharrte man beim Plenterwald, einem sich stetig verjüngenden Dauerwald. Diese Bewirtschaftungsform zeigt einen breit gefächerten Bestand auf der ganzen Fläche. Hier sei eine ständige Nutzung möglich. Tanne, Fichte und Buche stünden nebeneinander. Mit der Ästung erziele man auch hochwertiges Holz. »Es stellt sich immer die Frage, wie viel Zeit man für die Pflege bringen kann«, erinnert Hans Lehmann an die Wirtschaftlichkeit bei steigenden Lohnkosten und sich kaum verändernden Holzpreisen. Unabdingbar seien eine gute Erschließung und ein angepasster Wildbestand.

Die Mittagspause wurde mit einem Film zum längst abgegangenen »Rütti-Brennen« überbrückt und auf das kommende Thema eingestimmt. Während 1949 auf Oberharmersbacher Gemarkung noch 650 Hektar Niederwald zu verzeichnen waren, verringerte sich dieser Bestand im Jahre 2000 auf unter 150 Hektar. Ständig würden diese Flächen, so zeigte Hans Lehmann an verschiedenen Standorten, aus wirtschaftlichen Gründen in Hochwald umgewandelt. Jeder Waldeigentümer bringe unterschiedliche Baumarten ein.

Der Anschauungsunterricht und die Erklärung komplexer Zusammenhänge der heu­tigen Waldbewirtschaftung schienen die Gäste aus Rottenburg überzeugt zu haben. »Wir kommen wieder«, kündigte sich Prof. Stefan Ruge mit den kommenden Zweitsemestern im nächsten Jahr an.