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Zell am Harmersbach | 14.01.2026

Hoch Informatives zum Tag der Pflege

Foto:
In der „Engelstube“: Sandra beginnt mit der körperlichen und geistigen Aktivierung ihrer Schützlinge. Foto:
von Inka Kleinke-Bialy

Die Sozialstation St. Raphael und das Seniorenzentrum St. Gallus werden sich am kommenden Sonntag, 18. Januar 2026, vorstellen. Wir haben uns im Vorfeld umgeschaut.

Im Ernsbachtal angekommen, zeigt die Uhr acht. Mit einem fürsorglich-munteren „Guten Morgen!“ legt Ulrich Bleier die Hände auf warm umwickelte Schultern. Die gehören zu einer gehandicapten Seniorin, deren Rollstuhl die Tochter – freudig lächelnd – soeben aus dem Haus vor die Scheune geschoben hat.
Alle drei kennen sich seit vielen Jahren. Kein Wunder, denn seit er vor einem Jahrzehnt in Rente gegangen ist, gehört Uli zum Fahrerteam in der Zeller Sozialstation St. Raphael. Mit geübtem Schwung und doch sachte schiebt der 73-Jährige seinen Schützling die Rampe hinauf und in den Bus hinein, geht in die Knie, sichert sorgfältig die Räder des Rollstuhls. Die Fahrgästin ist in diesem gut festgezurrt, den Sicherheitsgurt legt Uli der Schlaganfallpatientin daher nicht um. „Das geht wegen ihrem Arm nicht“, erklärt er, „wir müssen flexibel sein und auf jeden individuell eingehen.“

Zur Verabschiedung warnt er die Tochter des Hauses vor der Glätte an bestimmten Straßenstellen, schwingt sich wieder auf den Fahrersitz und weiter geht´s, nun in den Ortskern Biberachs. Die Seniorin, die ihn hier in Begleitung ihrer Tochter erwartet, ist noch recht gut zu Fuß. Wie üblich hängt sie sich in den ihr gereichten Männerarm, so dass sie sicher zum Bus begleitet werden kann. Wie üblich zupackend und doch respektvoll hilft Uli der Dame beim Einsteigen, beim Anlegen des Gurts. Man spürt, wie sehr er den Umgang mit Menschen schätzt – und wie er ihm liegt.

Insgesamt drei Fahrzeuge sind es, die auf unterschiedlichen Routen die Tagesgäste der Sozialstation aus Biberach, Nordrach, Oberharmersbach, Zell und dem jeweiligen Umland abholen und abends wieder nach Hause bringen. Im Winter ist das nicht immer einfach, denn teils geht es hoch hinauf. Uli zeigt die pinkfarbene Einsatzliste, hinter jedem Namen steht eine Telefonnummer.

„Alle so lieb“

„Bei Glätte und Schnee rufen wir die Angehörigen an, bevor wir abfahren, und fragen nach den Straßenverhältnissen in den Bergen“, erklärt der frühere Mechaniker und LKW-Fahrer. „Wenn wir nicht bis ganz nach oben können, bringen uns die Angehörigen den Gast mit ihren eigenen Fahrzeugen entweder ein Stück entgegen oder wir müssen absagen.“ Denn Sicherheit steht an erster Stelle. Wie zur Mahnung passiert der Bus einen Abschleppwagen – der hat kurz vor Zell einen PKW geborgen, der in eine Wiese hinuntergerutscht ist.

Vor der Sozialstation angekommen, bringt Uli seine beiden Schützlinge ins Gebäude hinein und weiter in den Aufenthaltsraum im Parterre. Dann begibt er sich auf die nächste Tour. „Ach, die Fahrer“, seufzt eine der beiden Seniorinnen und schaut Uli hinterher, „die sind alle so lieb“.

Doch schon ist ihre Aufmerksamkeit anderweitig gefangen: Die nicht weniger fürsorgliche Betreuerin Aline hat die beiden ersten Ankömmlinge des Morgens in ihre Obhut genommen. Bis um 9.30, spätestens 10 Uhr werden insgesamt 20 SeniorInnen eingetroffen sein. Allesamt werden ob ihres Gesundheitszustandes begutachtet, „um zu schauen, ob alles in Ordnung ist.“

„Mit 20 Plätzen benötigt die Tagespflege eine Gästeanzahl von insgesamt 60 Personen, um kostendeckend arbeiten zu können“, erläutert die Leiterin Marijke Heitzmann. „Diese Zahl haben wir erreicht und konnten in den Jahren 2023 und 2024 positive Ergebnisse erzielen“, betont sie, gespannt auf das derzeit noch nicht vorliegende Geschäftsergebnis des vergangenen Jahres. Die steigenden Kosten durch Lohnerhöhungen und Verpflegung seien zu berücksichtigen, dennoch bleibe die Tagespflege finanziell stabil.

Zwei Gruppen

Betreut werden die Gäste auf zwei Etagen. Im Parterre kümmern sich zwei Betreuerinnen um zehn Gäste mit höherem Unterstützungsbedarf, im ersten Stock eine Betreuungsperson um eine zehnköpfige, fittere Gruppe, „diese Gäste können selbstständig essen und auf die Toilette gehen.“ Wobei auf die unterschiedlichen Bedürfnisse sowohl der jeweiligen Gruppe als auch der einzelnen Gäste eingegangen wird.

Los geht es mit einem Frühstück. Wer das bereits zuhause eingenommen hat, kann eine Tasse Kaffee oder Tee zu sich nehmen. In behaglicher Atmosphäre sitzt man an einem großen Tisch zusammen, meditative Musik füllt sanft den Raum. Nicht weniger entspannend sind die Landschafts- und Tieraufnahmen, die über einen großen Bildschirm laufen. Dem Frühstück schließt sich in beiden Gruppen ein Aktivierungsangebot in Form einer kurzen Gymnastikrunde an.
Letzteres funktioniert im Sitzen auch mit der Gruppe im Erdgeschoss. Wer nicht mitmachen kann, schaut einfach zu: Da werden unter Sarahs und Alines Anleitung die Hände gerieben und wird mit den Schultern gekreist und mit den Füßen gestampft, „und jetzt rennen wir, immer schneller.“ Die Füße geben her, was sie können und wollen, und sei es in Zeitlupe. Nun ist allen warm und es heißt: „Jetzt trinken wir einen großen Schluck.“

Nach einem Joghurt als Zwischenmahlzeit geht es nebenan ins „Sonnenstüble“. Hier schließt sich nach der zuvor körperlichen eine nun geistige Aktivierungsrunde an. Eine der Betreuerinnen liest beispielsweise aus der Tageszeitung vor. Gedächtnis- und Erinnerungsarbeit wird betrieben, um Gespräche und Gedächtnistraining zu fördern, es gibt Bastelangebote, auch seniorengerecht gestaltete Gesellschaftsspiele sind beliebt. Ein solches Programm führt Betreuerin Sandra soeben im ersten Stock mit den fitteren Schützlingen durch.

Gerade erst haben sich alle mit einer Kriminalgeschichte beschäftigt, in der es bestimmte Buchstaben anzustreichen galt. Nun macht es sich ein Trio bei Kartenspiel und lebhaftem Schwatz gemütlich. „Das ist für die drei ein festes Ritual“, lächelt Sandra. Die übrigen Gruppenteilnehmer hingegen versammeln sich in der lichtdurchfluteten „Engelstube“, lassen Gumminoppenbälle in Händen kreisen, über Gliedmaßen wandern.

„Alles, was Euch und Eurem Körper gut tut, ist erlaubt“, erklärt Sandra, erklärt auch die Bedeutung von Achtsamkeitsübungen. „Denkt zum Beispiel abends an drei Momente, in denen Ihr Euch am Tag über gut gefühlt habt.“ Dann recken sich alle nach oben, soweit es jedem einzelnen möglich ist. „Ja, wonach greifen wir denn eigentlich?“, will Sandra wissen, „Kirschen?“ Nach und nach kommen die Antworten, von Birnen über Pflaumen hin zu Sternen. Beim Strecken lenkt die Betreuerin das Bewusstsein auf die Atmung. Dann wird ein Würfel hin- und hergeworfen, Fragen und Antworten wandern hin und her.

Mittagessen vom St. Gallus

Wer kann, darf nun aufstehen, mit den Hüften kreisen, „woran erinnert Euch das? An Hoola-Hoop-Reifen?“ Auch als Sandra aus dem Lokalgeschehen der Tageszeitung vorliest – „uns interessieren nur dir positiven Dinge“ – entstehen lebhafte Gespräche, die Atmosphäre ist locker, fröhlich.

„Früher hatten wir für die Aktivierung einen festen Plan“, erklärt Sandra auf Nachfrage, das aber habe sich nicht bewährt. Stattdessen habe man nun eine Sicherheit gebende Grundstruktur, wie beispielsweise die Essenszeiten. Was die Betreuerinnen jedoch an Aktivitäten anbieten, entscheiden sie je nach der – sich täglich ändernden – Zusammensetzung der Gäste sowie deren aktuellem Befinden und Interessen.

So schnell vergeht an dem heutigen Vormittag die Zeit, dass es scheinbar ruckzuck Zeit für´s Mittagessen ist. Das wird vom Seniorenzentrum St. Gallus angeliefert. Ein Besuch bei dessen Hauswirtschaftsleiterin Anna Schmid ergibt: Rund 300 Mahlzeiten werden hier täglich frisch zubereitet, aus weitgehend regionalen Zutaten. Empfänger sind neben der Sozialstation unter anderem das Betreute Wohnen und umliegende Dörfer.

Ein neues Tablettsystem sorgt für eine bessere Wärmehaltung der Speisen und damit für eine bessere Qualität. In der Sozialstation kommt jedoch ein Schöpfsystem zum Einsatz: Hier werden die Teller nach individuellem Gusto gefüllt – morgens stets können die Gäste zwischen zwei Gerichten wählen. Auch Sonderbelange wie Lactose-Intoleranz oder Schonkost berücksichtigt die St. Gallus-Küche. „Das funktioniert wirklich sehr, sehr gut“, freut sich Sozialstationleiterin Marijke Heitzmann.

Wer hier nach dem Mittagessen ruhen will, der kann das tun – in den bequemen Sesseln oder auch in einem Bett. Nach Kaffee und Kuchen und weiteren Aktivierungsangeboten geht es dann ab 16.30 Uhr zurück nach Hause, „der letzte Tagesgast verlässt uns gegen 17 Uhr.“

Schon vor dem Akutbedarf informieren!

Ausdrücklich betont sie die enge und wichtige Zusammenarbeit mit dem in der Sozialstation angesiedelten ambulanten Dienst, der SeniorInnen respektive Bedürftige zuhause unterstützt. Er steht unter der Leitung von Marika Eismann und bietet zudem ein- bis zweimal wöchentlich eine Vorbetreuungsgruppe in der Sozialstation an.

Marijke Heitzmann: „Der ambulante Pflegedienst – ob jetzt von der Sozialstation St. Raphael oder vom St. Gallus – und die Tagespflege in der Sozialstation: Wir versuchen die Leute so zu versorgen, dass sie so lange wie möglich zuhause beziehungsweise im betreuten Wohnen bleiben können. Und wenn es gar nicht mehr geht, sind wir dann sehr glücklich, dass es das St. Gallus mit seiner stationären Einrichtung und auch Kurzzeitpflege gibt.“

Allerdings wüssten viele Menschen nicht, dass es die Tagespflege gebe, weiß sie aus Erfahrung. Dies zu ändern sei ihr über den „Tag der Pflege“ wichtig: „Damit die Menschen schon vorher Bescheid wissen und nicht erst Hilfe suchen müssen, wenn die Eltern dement oder krank geworden sind. Unsere Unterstützung ist nicht nur für die direkt Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen eine große Entlastung.“

Im Laufe des Jahres werden das Seniorenzentrum St. Gallus und die Sozialstation St. Raphael in eine Hand übergehen. Beide Einrichtungen stellen sich am Sonntag, 18. Januar, am Tag der Pflege von 14 bis 17 Uhr vor. Im der Sozialstation gegenüberliegenden Tellerbau/ Kulturzentrum „Obere Fabrik“ wird dazu bewirtet und musiziert.

Hilda Hermann – Altwirtin des ehemaligen Gasthofs Kreuz – freut sich, wenn sie von einem Fahrer der Sozialstation (hier von Ulrich Bleier) „befördert“ wird.
Bestimmte Dinge in einem Text - diesmal einer Kriminalgeschichte - anzustreichen: Das macht Spaß und fordert den Kopf!
Im Zuge der geistigen Aktivierung hat sich diese Kartenrunde gesucht und gefunden.
Der ambulante Dienst unter der Leitung von Marika Eismann arbeitet gut mit der Tagespflege zusammen.
Frisch in der Küche des Seniorenzentrums gekocht: Das Mittagessen wird im Schöpfsystem und damit individuell ausgegeben.
Im Seniorenzentrum St. Gallus wird das Abendessen vorbereitet. Die stationäre Einrichtung ergänzt die Tagespflege und den ambulanten Dienst, wenn eine Versorgung zu Hause nicht mehr ausreicht.
Christina Roth sorgt in der Nachtwache im Seniorenzentrum St. Gallus für Sicherheit und Betreuung.

 

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