Ein Ort der Ruhe und Einkehr

Geschichte der »Maria-Hilf-Kapelle« ist stark verwoben mit dem Namen von Juliane Wußler

Seit 1883 steht am Eingang des Zuwälder Tales die »Maria-Hilf-Kapelle«. Der Bau der Kapelle war nicht unumstritten, denn ihre Geschichte ist eng mit einer der schillerndsten Oberharmersbacher Persönlichkeiten verbunden: Juliane Wußler.

Stefan Lehmann, Alt-Bläsibauer und Enkel des Initiators, weiß um das Interesse der Leute, die die Kapelle besuchen und immer wieder Fragen stellen. Um die tatsächlichen Hintergründe kurz und prägnant zusammenzufassen, ließ er eine Tafel anfertigen, die in Text und Bild die Baugeschichte dieser Kapelle erläutert und neben dem Haupteingang angebracht ist.

Von Anfang an gab es damals üble Gerüchte und Anfeindungen gegen dieses Vorhaben. Tatsächlich hatte in den 1830er Jahren Bläsibauer Georg Lehmann, durch Seuchen im Stall arg geschädigt, das Gelübde abgelegt, eine Kapelle zu errichten, falls er künftig davon verschont bliebe. Neue wirtschaftliche Schwierigkeiten hinderten ihn, zu Lebzeiten sein Versprechen einzulösen. Auf dem Totenbett nahm er seinen Kindern das Gelöbnis ab, sein Vermächtnis zu erfüllen. Der neue Hofbesitzer Fridolin Lehmann begann 1882 mit der Planung. Die ursprüngliche Absicht, eine kleine Kapelle zu Ehren des Hl. Wendelins zu errichten, wurde allerdings zugunsten einer größeren Lösung verworfen.

Maßgeblichen Anteil an diesem Umdenken hatte Juliane Wußler, deren Schwester Johanna mit Fridolin Lehmann verheiratet war. Juliane war bereits in jungen Jahren sehr kränklich. Das mag der Grund dafür gewesen sein, dass sie von einem kindlich geprägten religiösen Eifer getrieben wurde und die Religion ihren künftigen Lebenslauf entscheidend bestimmte. Personen aus ihrer Umgebung bestätigten mit Zeugenaussagen die eine oder andere Vision, die Juliane zu bestimmten Zeiten gehabt haben soll. Es sind tatsächlich mehrere Vorfälle bekannt, für die es keine Erklärung gibt. Deswegen war die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Juliane im Dorf sehr schnell angefeindet, weil sie wegen ihrer religiösen Einstellung auch großen Einfluss in verschiedenen Familien gehabt haben soll. Aufgrund einer solchen Vision bestimmte sie auch den Platz der künftigen »Marienkapelle«.

Die Anfeindungen verdichteten sich und Gerüchte behaupteten, die »Julianer« – so bezeichnete man die Befürworter des Kapellenbaus – wollten eine Sekte gründen. Das Dorf war gespalten. Gegner und Befürworter verfass­ten Eingaben an die Gemeindeverwaltung und den Erzbischof in Freiburg. Der schien mehr auf die Befürworter zu hören und gab seine Zustimmung für den Bau. Die Zelebration von Messen jedoch war – vorerst – absolut untersagt.

Im April 1883 wurde der Plan endlich genehmigt. Steine wurden herangeschafft, Kapellen in der Umgebung besichtigt. Am 2. Juli 1883 war Grundsteinlegung. Die Arbeiten gingen sehr zügig voran. Im November 1883 trafen die erste Glocke und der Altar ein, der Turm war bis dahin fertiggestellt. Mit der Ausmalung der Kapelle, der Lieferung des Harmoniums und der Aufstellung der Kommunionbank waren die Arbeiten im Februar 1885 abgeschlossen.

Der Chor der Kapelle misst in der Länge 4 Meter, das Schiff 9,60 Meter, die Höhe erreicht 6,40 Meter, die Breite 7,70 Meter. Der Turm ist 26,80 Meter hoch.

Die Kapelle hatte anfangs nur eine »benedictio novae domus«, eine einfache Hauseinweihung, erhalten. Die Weihe »benedictio orationis«, um hier auch Gottesdienste abzuhalten, folgte erst am 6 Mai 1895.

Vom ursprünglichen Bild der Kapelle ist im Innenraum nicht mehr viel zu erkennen. Im Jahre 1968 wurde die Kapelle im Stil und dem Trend der damaligen Zeit grundlegend renoviert.

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