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Trockenmauern sind historisch wie ökologisch von Bedeutung

Jahrhundertealte Holzladestellen: Revierförster will sie erhalten

Es regnet in Strömen in dem bewaldeten Hanggelände, doch die Augen von Revierförster Josef Nolle leuchten. Zum einen, weil das durchscheinend-zarte Maiengrün gerade austreibender Buchen ein faszinierendes Farbspiel zwischen dem dunklen Grün von Fichten erzeugt. Zum anderen, weil er ein Projekt zum Erhalt uralter Trockenmauern umsetzen wird, »die möchten wir gerne schützen.«

Mit Hilfe dieser Mauern entstanden vor Jahrhunderten Rampen, die als Holzladestellen dienten. Die im Wald gefällten, entasteten und meist auch schon entrindeten Baumstämme wurden entweder per Pferd oder Kuh hierhergezogen, oder aber – in sehr steilen Hanglagen – von Hand abgeseilt. Von der Rampe aus rollte man meist drei oder vier Stämme auf das Fuhrwerk, das dann von tierischer Muskelkraft zu einem der Sägewerke im Tal gezogen wurde.

»Etwa 25 bis 30 Trockenmauern« gibt es laut Josef Nolle alleine in Nordrachs Gemeindewald. Einige der bejahrten Mauern stützen den Hang an alten Wegen, die meisten jedoch wurden als besagte Ladestellen genutzt.
»Abgesehen von der historischen Bedeutung stellen sie einen Sonderstandort für Eidechsen und Insekten dar«, unterstreicht der 53-Jährige. Daher kann sich die Waldgemeinde über Ökopunkte auf ihrem Ökokonto freuen, in das derzeit »15 bis 16« wieder herzurichtender und zu erhaltender Trockenmauern aufgenommen worden sind.

Die behauenen Sandsteinquader, aus denen sie bestehen, wurden in den vergangenen Jahrhunderten allerdings teils geräubert. »Un­erlaubte Entnahme versuchen wir heutzutage zu unterbinden«, betont Josef Nolle. Weitere Lücken in den Bauwerken entstanden durch an den Mauern oder gar in deren Ritzen wachsende Bäume. Deren Wurzeln sprengen die aufgeschichteten Steine im Laufe der Zeit auseinander. »Oder diese Bäume wurzeln im Sturm aus, fallen um, und reißen dabei ein Loch in die Mauer«, weiß der von der Schwäbischen Alb stammende Wahl-Nordracher.

Ausbessern und reinigen

Und natürlich entstanden Schäden beim Verladen der Stämme, aber auch bei späteren Hiebsmaßnahmen sowie beispielsweise bei der Aufarbeitung der Sturmschäden nach »Lothar«. So gilt es zunächst, die Mauern dort, wo erforderlich, auszubessern. Wo aber die dazu benötigten Sandsteine hernehmen? Josef Nolle weiß Rat: »Die holen wir von einer Mauer, von der nur noch ein rudimentärer Rest vorhanden ist und die wir deshalb auflösen werden.« Unter Umständen wird zudem eine zweite Mauer aufgelöst, »das werde ich noch mit dem für uns zuständigen Naturschutzbeauftragten im Offenburger Landratsamt besprechen.«

Überdies müssen die Mauern teils von übermäßigem Moos- oder sonstigem Bewuchs befreit werden. Einfach und kostengünstig wird dies durch den Einsatz einer »Baggerbürste« erfolgen. Teils muss auch der Boden der Rampen abgeschält werden: dort, »wo er die Mauer von oben zu sehr zugeschoben hat«, oder wo dicht überhängendes Brombeergestrüpp ein undurchdringliches Regiment führt.

Ist all dies einmal erledigt, wird es heißen, die Trockenmauern mit ihren Rampen offenzuhalten, »den Pflanzenbewuchs also alle paar Jahre wieder herunter zu schneiden.«

Vorher-/Nachher-Fotos werden die Maßnahmen dokumentieren sowie GPS-Daten samt Erklärung der Bedeutung der Mauern abrufbar sein.

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