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Nordrach | 25.09.2020

Wanderung mit vielen Details aus der Ortsgeschichte:

Mit dem Historischen Verein Nordrach zu Höhenhöfen und Altglashütten

Foto:
Die Wanderer haben den »Steinernen Wegweiser« erreicht. Als fünften von rechts sieht man Wanderführer Thomas Laifer. Foto: Herbert Vollmer
von Herbert Vollmer

Vierzehn Wanderer trafen sich unter Beachtung der Corona-Vorschriften am Sonntagmittag zur geführten Wanderung des Historischen Vereins Nordrach. Thomas Laifer hat in jahrelanger, mühevoller Kleinarbeit die Geschichte der Höhenhöfe erforscht. Der Historische Verein Nordrach hat im Jahr 2012 ein Wegenetz von 22 km ausgeschildert und an den Standorten der Höhenhöfe und Glashütten Informationstafeln aufgestellt.

Die Viehtränke des Schäferfeldhofs ist noch gut erhalten und trocknet nie aus.

Wanderführer Thomas Laifer informierte die Wanderer zunächst darüber, dass der hintere Teil des Nordrachtals bis 1803 Eigentum des Klosters Gengenbach war. Dieses hat dafür gesorgt, dass ab dem 14. Jahrhundert auch auf den Höhen Hofstellen angelegt wurden, um den Holzreichtum nutzen und die ge­rodeten Flächen beweiden zu können.

Thomas Laifer führte die Wanderer auf einem acht Kilometer langen Rundweg zu ehemaligen Höhenhöfen und ins Dörrenbachtal, wo die erste Glashütte in Nordrach stand. Die Wanderer kamen überwiegend aus dem Kinzigtal, aus Gengenbach, Berghaupten bis Offenburg, auch ein Kurgast aus Hamburg nahm teil.

Zunächst mussten die Wanderer den recht steilen Aufstieg entlang des Nagelbachs bewältigen, an dem zwei Informationstafeln auf die Reste von Hofstellen hinwiesen. Bald war der »Steinerne Wegweiser« erreicht, ein Sandstein in Form eines Obelisken, der am früher wichtigen Verbindungsweg vom Nordrachtal nach Bad Peterstal und Oppenau steht. Von hier aus ging es zum Schäfersfeldhof, einem einst stattlichen Hofgebäude mit einer Länge von 28 Metern von dem noch Mauerreste und die hintere Scheunenauffahrt vorhanden sind, außerdem eine Viehtränke und eine Zisterne. Dieser Hof wird erstmals 1706 als Sennerei erwähnt. Im Jahr 1803 ging der klösterliche Besitz an das Großherzogtum Baden über. Dieses entschädigte im Jahr 1822 den Bewirtschafter des Schäfersfeldhofs Jakob Braun und forstete das Gebiet danach auf.

Die Wanderer zogen weiter bis zu den »Altglashütten« im oberen Dörrenbachtal. Thomas Laifer berichtete hier, dass der böhmische Glasmacher Christoph Schneider im Jahr 1695 vom Kloster Gengenbach die Erlaubnis erhalten hatte, eine Glashütte zu errichten. Nach kurzer Zeit wurde der Pachtvertrag wegen schlechter Qualität der Glaswaren aufgelöst und Johannes Sigwarth aus Solothurn eingestellt. Nach dem Tod von Johannes Sigwarth konnte seine Witwe Anna Maria die Glasbläserei weiterführen. Im Jahr 1725 ließ sie in der Nähe der Glashütte das »Glaserkirchlein« errichten, das mit »Glöckchen, Messbuch und Kelch« ausgestattet wurde. Es sind an diesem Standort noch Mauerreste zu besichtigen. Im Jahr 1736 wurde die Glasherstellung auf die andere Talseite verlegt, weil der Holzvorrat nicht mehr ausgereicht hatte. In den Hochzeiten der Glasherstellung konnten sich damit bis zu einhundert Personen ihren Lebensunterhalt sichern. Für die Kinder der beschäftigten Arbeiter sei sogar ein eigener Lehrer beschäftigt worden, verriet Laifer.

Nach rund vier Stunden Wanderzeit trafen die Wanderer wieder an der Kapelle Kolonie ein, wo sie mit großem Beifall Thomas Laifer für die außerordentlich interessante Führung dankten.

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