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Nordrach | 5.06.2020

Nordrach war seine erste große Liebe:

Zum 100. Geburtstag von Pfarrer und Ehrenbürger Filip Leinz

Foto:
Das Grab von Pfarrer Filip Leinz befindet sich an der Friedhofsmauer rechts neben dem Haupteingang. Foto: Herbert Vollmer
von Herbert Vollmer

Heute vor 100 Jahren erblickte Filip Leinz an der Schwarzmeerküste das Licht der Welt. Als spätberufener Priester war er von 1973 bis 1982 Pfarrer in der Pfarrei Nordrach und wurde für seine Verdienste mit der Ehrenbürgerwürde ausgezeichnet.

Foto: Archivfoto: Schwarzwälder Post
Am 5. Juni 1920 erblickte Filip Leinz das Licht der Welt.

Filip Leinz kam am 5. Juni 1920 an der Schwarzmeerküste zur Welt. Er war das zehnte von dreizehn Kindern einer Bauernfamilie. Nach seinem Studium unterrichtete er an einem Gymnasium in Bukarest seine Schüler, unter anderem im Fach Deutsch. Weil er bei den religiösen Schulbrüdern aktiv mitwirkte, wurde er im damals kommunistischen Rumänien verfolgt und im Jahre 1958 wegen »staatsfeindlicher Erziehung und religiöser Propaganda unter Jugendlichen« zu 15 Jahren Haft verurteilt. Sechs Jahre lang musste er Gefängnis, Zwangsarbeit und Folterungen erdulden, bis er begnadigt wurde. Im Jahr 1965 durfte er im Zuge der Familienzusammenführung nach Deutschland umsiedeln. Er nahm ein Theologiestudium auf und wurde am 10. Mai 1970 zum Priester geweiht.

Offenes Pfarrhaus

Nach einigen Jahren als Kaplan tätig, unter anderem in Durbach, erhielt er 1963 das Pfarramt in Nordrach. Bei seinem Begrüßungsabend sagte er: »Mit dem heutigen Tage wird Ihr Schicksal mein Schicksal, werden Ihre Freude und Hoffnung meine Freude und Hoffnung, Ihre Sorge, Ihre Angst und Trauer meine Sorge, Angst und Trauer«. Dies waren keine leeren Worthülsen. Im Umgang mit seinen Gläubigen und Mitbürgern wehte ein frischer Wind. Das Pfarrhaus, in dem er zusammen mit seiner Schwester Sophie wohnte, stand jeden Tag für jeden offen. Er war überaus kontaktfreudig, strahlte eine menschliche Wärme aus und gewann sehr schnell das Vertrauen und die Herzen der Nordracher, mit denen er Freud und Leid, wie versprochen, teilte.

Ideengeber und Initiator

Er bewährte sich auch als Bauherr, Sanierer und setzte viele Ideen um. Er renovierte zunächst die Pfarrkirche St. Ulrich, anschließend die Kolonie-Kapelle St. Nepomuk und das Pfarrhaus. Es gelang ihm, ein Pfarrheim zu bauen, nur mit Spenden finanziert. Er regte an, mehrere kirch­liche Vereine zu gründen, die Frauengemeinschaft, das Kath. Bildungswerk, das Altenwerk, den Familienkreis und einen Kinder- und Jugendchor, aus dem sich später der Gitarrenverein entwickelte. Auch für die Gründung der Sozialstation in Zell a. H. setzte er sich erfolgreich ein.

Nordrach – seine erste Liebe

Nach neun Jahren versetzte Erzbischof Dr. Saier den beliebten Pfarrer im Jahre 1982 nach Buchenbach. Die Nordracher, Pfarrgemeinderat und politische Gemeinde, hatten vergeblich versucht, dies zu verhindern. Bei der Abschiedsfeier verlieh die Gemeinde Nordrach Filip Leinz die Ehrenbürgerwürde. Bürgermeister Bernhard Apfel lobte in seiner Laudatio seine menschliche Wärme ebenso wie sein großes Engagement als Bauherr sowie als Gründer und Förderer von Vereinen und Einrichtungen. Filip Leinz verabschiedete sich von seinen Nordrachern mit dem Bekenntnis, »Nordrach war meine erste Pfarrei und so-mit meine erste Liebe, und die vergisst man nicht«.

Nach wenigen Jahren in Buchenbach übernahm Filip Leinz noch die Pfarrei Schluchsee. Dann zog er sich im Ruhestand nach Mittenwald zurück, wo er, umsorgt von seiner Schwester Sophie und nach deren Tod von Liesel Leinz, der Frau seines Neffen Josef Leinz, noch rund zehn Jahre in einem kleinen Häuschen seinen Lebensabend verbrachte. Er unterstützte den dortigen Pfarrer, soweit ihm dies noch möglich war. Die Nordracher vergaßen ihren Pfarrer auch nicht. Mittenwald wurde für viele Nordracher ein »Wallfahrtsort«, um ihren beliebten Pfarrer wiedersehen und seine außergewöhnliche Gastfreundschaft (mit Durbacher Wein) genießen zu können.

Im Alter von 84 Jahren schloss Filip Leinz am 26. November 2004 in Mittenwald für immer seine Augen. Seinem Wunsch entsprechend fand er auf dem Nordracher Friedhof seine letzte Ruhestätte.

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Schlagworte:
Gemeinde Nordrach, Seelsorgeeinheit Zell am Harmersbach

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