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Nordrach | 10.10.2016

6. Nordracher Geschichtstag:

»Riesen«-Brief fand Riesen-Interesse

An der Front geschrieben: Historischer Ortsverein stellte die 30er-Jahre-Erinnerungen eines Nordracher Waldarbeiters als Buch vor

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Viel zu tun hatte Rolf Oswald beim Signieren des neuen Buches. Foto: Inka Kleinke-Bialy
von Inka Kleinke-Bialy

Unter den 120 Interessenten am 6. Nordracher Geschichtstag besonders begrüßt sah sich die große Schar von Nachkommen und Verwandten des einstigen Nordracher  Waldarbeiters Andreas Doll. Dessen Enkel Lothar hat das Original eines einst an der Front geschriebenen Briefs aufbewahrt und nun dem Historischen Verein zwecks Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

»Der Nordracher Waldarbeiter Andreas Doll wird im Jahre 1942 zum Kriegsdienst eingezogen, kommt in russische Gefangenschaft und stirbt dort 1947 … ein Schicksal, wie es Millionen Soldaten erlitten haben.«

Mit dieser faktischen Zusammenfassung eines menschlichen Schicksals stimmte Vereinsvorsitzender Herbert Vollmer im vollbesetzten Pfarrheim St. Marien das Publikum ein. Um dann das Besondere an diesem Andreas Doll zu erklären: Anlässlich seines 16. Hochzeitstages beschreibt der damals 37-jährige Soldat in einem114 Seiten langen Brief im A5-Format das karge Leben, das er als Waldarbeiter gemeinsam mit seiner Frau Theresia in Nordrach geführt hatte. Doch er schickt den Brief nicht ab. Erst Jahre später, als er schon tot ist, erhält seine Frau die sorgsamst geschriebenen Seiten.

Nur ihr galten Dolls Gedanken in diesem ganz privaten Brief. »Nur mit ihr wollte er kommunizieren, nur ihr zeigte er seine Gefühle«, betonte Rolf Oswald, der im Namen des Historischen Vereins den »Riesen«-Brief in einem Buch veröffentlicht hat und dieses im Zuge des Nordracher Geschichtstages am vergangenen Samstag vorstellte. »Dürfen wir das? Ist das gerechtfertigt?«, wiederholte er die im Vorfeld von Familie und Verein gestellten und mit einem eindeutigen »Ja« beantworteten Fragen. Mit der Begründung, dass es sich bei besagtem Brief nicht nur um die Chronik einer Waldarbeiterfamilie handelt, sondern zugleich um »ein Zeitzeugnis aus den Zeiten des 2. Weltkriegs.« Eines, welches das Leben in den Jahren der Weimarer Republik schildert.

Wobei der »detailgetreue und begabte Chronist«, wie Rolf Oswald den Briefschreiber nennt, das Soldatenleben bis auf zwei kurze Erwähnungen völlig ausblendet. »Er benötigte in diesem grauenvollen Kriegsgeschehen in Russland den Glauben an sein bisherigeres Leben«, ist sich der Hobby-Historiker sicher, für den Dolls Aufschrieb »auch einen Anti-Kriegs-Brief« darstellt.

Zwei Jahre Recherche

Doch das Buch mit dem zitierenden Titel »Meine Gedanken kreisen nur um daheim« »ist mehr geworden als die Wiedergabe eines bemerkenswerten Briefes, dessen Inhalt allein schon außergewöhnlich ist«, verdeutlichte Vereinsvorsitzender Herbert Vollmer. Denn Herausgeber Rolf Oswald habe dem in jeder Hinsicht möglichst original belassenen Brief in intensiver, zweijähriger Arbeit »weitere Kapitel über Themen hinzugefügt, die Andreas Doll wichtig waren und die er in seinem Brief erwähnt hat.«

Diese Themen betreffen die Familie Doll, die offenbar regelrecht familiär gelebte Solidarität mit den Nachbarn, die harte und gefahrvolle Arbeit im Wald, den damaligen Nordracher Radfahrverein.

Dazu gesellt sich die ebenso abenteuerliche wie rätselhafte Geschichte um die Reise des Briefes und seinen Überbringer. Schließlich hatte Briefschreiber Andreas Doll, 1946 in einem russischen Gefangenenlager im Gebiet Brjansk gestorben, das Schriftstück fast drei Jahre bei sich getragen, anstatt es der Feldpost anzuvertrauen. Und hatte es dann der Obhut des mit ihm die Gefangenschaft teilenden Helmut Gollwitzer überlassen.
Der wiederum – in den Nachkriegsjahren als streitbarer Theologe und Professor bekannt geworden – hatte den Brief des tief respektierten »Bruders im Glauben« fast fünf Jahre in russischen Gefangenenlagern bei sich. Verbotenerweise, und somit unter Lebensgefahr. »Von den Russen wurde er ständig gefilzt«, weiß Rolf Oswald aufgrund der Beschreibungen in Gollwitzers 1951 erschienenen Buch »und führen wohin du nicht willst.«

Zeitzeugin Sophie Huber erzählte

Erst im Sommer 1950 konnte Gollwitzer (1993 in Berlin gestorben) die mit einer Kordel zusammengebundenen Seiten nach Nordrach bringen und der Witwe Doll überreichen. Deren heutzutage einziges noch lebendes Kind, Sophie Huber, war als 10-jähriges Mädchen dabei. Am Mikrofon berichtete die heute 77-Jährige auf ebenso lebhafte wie anrührende Weise von diesem Ereignis. Und ließ es sich nicht nehmen, mit den Zuhörern ihre wenigen Erinnerungen an einen Vater zu teilen, den sie ob der Umstände kaum kannte.

Nicht weniger bewegend der Bericht ihrer Tochter Susanne Köhninger (55). Sie erzählte, wie an Theresia Dolls 90stem Geburtstag der von der Witwe stets als Heiligtum gehütete Brief vervielfältigt und an die Kinder und Enkelkinder verteilt wurde.
Zu Theresias großem Bedauern hatten ihre fünf Kinder die in altem Sütterlin verfassten Seiten nicht zu lesen vermocht. Und zum Vorlesen hatte ihr wohl die Zeit gefehlt. 1997 aber, zum Zwecke der Vervielfältigung, wurden die irgendwo an der russischen Front verfassten Zeilen in die heute gebräuchliche Schrift übertragen und somit der gesamten Familie zugänglich gemacht. »Dadurch wurde mein Großvater, den ich ja nicht kannte, für mich plötzlich lebendig«, beschrieb Susanne Köhninger dem Publikum das ihr eindringliche Erlebnis.

In Buchhandel und Tourist-Info

Das berührende Buch »Meine Gedanken kreisen nur um daheim« ist für acht Euro im Buchhandel und in der Nordracher Tourist-Info, sowie bei Christine Herbrik erhältlich.
Neben Stephanie Muser, die das Buch gestaltet hat und für den Historischen Verein herstellen ließ, dankte Vorsitzender Herbert Vollmer allen, die zum Gelingen des Nordracher Geschichtstages beigetragen hatten. Der wurde durch eine Ausstellung mit sehenswerten Fotos ergänzt, die auch am Sonntag noch besichtigt werden konnte.
Das »erneut große und außergewöhnliche Engagement« des von seiner Frau
Renate unterstützten Rolf Oswald würdigte der Vereins­erste mit einem Gutschein zu einem Besuch einer Kriegs-Ausstellung im Museum Würth in Erstein.

 

Foto: Inka Kleinke-Bialy
Rolf Oswald (links) und Herbert Vollmer (rechts) bedankten sich bei Sophie Huber und deren Tochter Susanne Köhninger für ihr Mitwirken.
Von Susanne Köhninger erfuhr das Publikum, wie der von Theresia Doll gehütete Original-Brief im Jahre 1997 für die Familie vervielfältigt wurde.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Mit spürbarer Freude erzählte Sophie Huber am Mikrofon von damals, als der Front-Brief des Vaters nach Jahren endlich die Mutter erreichte.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Viel zu tun hatte Rolf Oswald beim Signieren des neuen Buches.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Bis auf den letzten Stuhl besetzt war das Pfarrheim St. Marien.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Bei seinen Recherchen war es Rolf Oswald gelungen, eine vom ehemaligen Nordracher Radfahrverein errungene Medaille aufzutreiben, die er – auf Hochglanz poliert – im Publikum herumgehen ließ.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Halfen wie gewohnt gemeinsam mit Stefanie Vollmer, das Pfarr­heim St. Marien herzurichten, als auch beim Ablauf der Veranstaltung (von rechts): Peter und Ursula Krumm.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Eine der Ausstellungswände zeigte den Nordracher Waldarbeiter und Soldaten Andreas Doll sowie das aufgeschlagene Original seines in Sütterlin geschriebenen Briefes.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy

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