Im Mai durfte die Kirchengemeinde St. Blasius Biberach besonderen Besuch begrüßen: Zwölf Gäste aus der Partnergemeinde Rositz in Thüringen reisten an Christi Himmelfahrt an, um das Wochenende in Biberach zu verbringen.
Die Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden, aus der längst Freundschaften entstanden sind, besteht inzwischen seit 35 Jahren.
Nach der Wiedervereinigung entstanden Anfang der 1990er-Jahre die ersten Kontakte über die Kirchengemeinde. Der damalige Pfarrer Schöne aus Rositz wollte zunächst allerdings keine Partnergemeinde, da er Rositz selbst nicht als „ordentliche Gemeinde“ ansah.
Frau Heissen nimmt es in die Hand
Im Oktober 1991 war die Biberacher Apothekerin Heissen eine Woche lang in Rositz zu Besuch. Sie unterstützte eine Apotheke im benachbarten Lucka. Kurzerhand nahm sie an einer Pfarrgemeinderatssitzung teil und überzeugte Pfarrer Schöne davon, eine Partnerschaft mit Biberach einzugehen. Herr Rilk, damals Pfarrgemeinderatsvorsitzender, nahm daraufhin Kontakt auf.
Im Mai 1992 reisten Frau Heissen und zwei weitere Biberacher erstmals nach Rositz. Der Gegenbesuch in Biberach folgte im Mai 1993. Noch im selben Jahr kamen im Oktober 15 Gäste aus Rositz nach Biberach und wurden herzlich aufgenommen.
Ausflug an den Titisee
Die Freundschaft wird bis heute gepflegt. So wurden die Gäste aus Rositz am Abend von Christi Himmelfahrt im Chorsaal vom Gemeindeteam empfangen und bewirtet.
Am Freitag machten sich insgesamt 35 Biberacher und Rositzer gemeinsam auf den Weg nach St. Blasien. Dort erhielt die Gruppe eine interessante Führung durch den Dom. Besonders beeindruckten die Erzählungen über Abt Martin Gerbert. Er wurde 1736 Mönch im Kloster St. Blasien und 1764 Fürstabt. Nach einer verheerenden Brandkatastrophe ließ er ab 1768 die große Rundkirche errichten. Seine Vision war eine helle Kirche im dunklen Schwarzwald, weil Jesus das Licht der Welt sei. Außerdem gründete Martin Gerbert 1791 die Rothaus-Brauerei.
Anschließend ging es weiter an den Titisee. Dort ließen sich einige Gäste aus Rositz eine Schwarzwälder Kirschtorte schmecken. Den Abschluss des Tages bildeten ein Abendessen, eine Führung und eine Whiskeyprobe in der Kinzigbrennerei Martin Brosamer.
Fahrt ins Elsass
Am Samstag führte die Busfahrt durch die elsässischen Weindörfer hinauf auf den Odilienberg. Dort übernahm Pfarrer Bonaventura Gerner persönlich die Führung. Das Kloster wurde im 7. Jahrhundert von Odilia gegründet, die sich gegen den Willen ihres Vaters, Herzog Adalrich, für ein klösterliches Leben entschied. Der Überlieferung nach wirkte Odilia Wunder und machte Blinde sehend. Ihre Reliquien ruhen bis heute auf dem Odilienberg. Während der Blütezeit lebten dort bis zu 100 Schwestern, heute sind es nur noch drei.
Entlang der Weinstraße führte die Fahrt über Ribeauvillé und Riquewihr weiter nach Colmar. Dort erkundete die Gruppe mit dem „Petit Train“ die historische Altstadt. Nach Kaffee, französischen Törtchen und Baguette ging es zurück nach Biberach.
Ein weiterer Höhepunkt war am Abend das Orgelkonzert von Sonja Große. Mit ihrer Auswahl aus kirchlichen, klassischen und modernen Stücken begeisterte sie die Zuhörer.
Abschied mit Reimen
Den Abschluss der gemeinsamen Tage bildete der Gottesdienst am Sonntag in der Pfarrkirche St. Blasius. Mitgestaltet wurde er vom Kinderchor Kikibi unter der Leitung von Sonja Große. In Reimform bedankten sich die Freunde aus Rositz, bevor sie sich wieder auf den Heimweg machten: „Und wieder ist die Zeit gekommen, wir haben die Einladung von euch gern angenommen. 35 Jahre – eine lange Zeit seid ihr und wir zum Austausch bereit! Daraus sind Freundschaften und Freunde entstanden, wir erobern Städte, wir entdecken die Lande. Drei gefüllte Tage voller Erlebnisse und Segen, nun gehen und fahren alle wieder ihre Wege. Habt Dank für alles, bleibt behütet in Gott, wo werden wir uns wiedersehen – in Rositz – dort im Ort!“





