Der Verein „Hilfe von Haus zu Haus“ sucht dringend weitere HelferInnen, vor allem im hauswirtschaftlichen Bereich. Ab 16 Jahren kann man sich engagieren.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy„Man muss sich das mal vorstellen“, staunte Bürgermeister Jonas Breig, nachdem er mal schnell per Handy gegoogelt hatte: „Die über 16.000 Kilometer, die ihr im letzten Jahr für Arztbegleitung und Fahrten zur Einsatzstelle gefahren seid, entsprechen einer Flugstrecke von Frankfurt nach Sydney.“
Die 32 Menschen, die sich am vergangenen Mittwochabend zur Mitgliederversammlung des Vereins „Hilfe von Haus zu Haus“ im Bürgersaal eingefunden hatten, raunten nicht minder erstaunt. Doch damit nicht genug: Die 52 HelferInnen des Vereins hatten 2025 insgesamt 5.845 Stunden geleistet – hauptsächlich in Biberach und Prinzbach, zu über 30 Prozent aber auch in Zell, zudem in Steinach.
„Ich habe es kurz runtergerechnet“, verkündete der Bürgermeister seine auch diesbezügliche Verblüffung: „Das sind 750 Arbeitstage à acht Stunden, das sind 150 Wochen.“ Was wiederum drei Jahren entspreche, die eine Person in Vollzeit arbeitet. „Das leistet ihr hier im Ehrenamt in einem Jahr, das ist unglaublich.“
In den eigenen vier Wänden bleiben
Die Vereinsvorsitzende Andrea Mäntele beeindruckte mit weiteren Zahlen. Diese belegen eine Einsatzsteigerung seit 2019, mit Ausschlägen nach oben und unten während der Corona-Pandemie. 66 Prozent der Einsätze entfallen auf hauswirtschaftliche Unterstützung in den eigenen vier Wänden, ab und zu auch Einkaufen mit Personen. „Denn unser Ziel ist ja, dass man möglichst lange in seiner eigenen Wohnung bleiben kann“, erläuterte die Vorsitzende. Gleichzeitig betonte sie: „Wir sind keine Putzfrauen.“ Vielmehr werden die Menschen in ihrem Lebensbereich unterstützt, „und manchmal können sie vielleicht sogar auch noch ein bisschen was mitmachen.“
Einsatz mit Herz
17 Prozent der Einsatzstunden nimmt die Betreuung und Begleitung zum Arzt inklusive entsprechender Fahrten ein. „Unsere Fahrer kommen auch bis zur Anmeldung mit – das ist schön, weil die älteren Leute dann auch aufgeregt sind“, erklärte Andrea Mäntele und betonte ihre Dankbarkeit, „dass die Fahrer da wirklich ein gutes Gespür haben.“
Zu den weiteren zentralen Hauptaufgaben gehört mit sieben Prozent die persönliche Betreuung im häuslichen Bereich. „Das ist so gedacht, dass man mit den Leuten beispielsweise etwas spielt oder sich auf sonstige Weise um sie kümmert, damit der pflegende Angehörige in dieser Zeit einfach mal auch frei hat.“
Acht Prozent der Hilfe-von-Haus-zu-Haus-Einsätze entfallen auf die Essensausgabe in der Schule, „das macht viel Spaß“. Das Kochen wurde inzwischen an einen Caterer abgegeben. Und dann gibt es noch den Mittwochskaffee mit Mobilisierung im Haus Kapellenblick.
55 Prozent der Einsätze entfallen auf Biberach, 45 Prozent auf das Umland. Tatsächlich aber zählen für die im Verein tätigen Ehrenamtler weniger die Zahlen als vielmehr das Herz.
Wichtiges Thema:
„Einsamkeit“
„Unsere Helfer spüren das, wenn die älteren Leute einsam sind, dann setzen sie sich auch mal zu ihnen“, machte die Vorsitzende deutlich. In diesem Zusammenhang las sie aus einem Buch: „Einsamkeit sieht man nicht sofort. Einsamkeit ist leise, sie schreit nicht, sie liegt oft zwischen den Momenten. (…) Ein Gespräch, ein Zuhören, ein echtes Dasein – manchmal ist das alles, was bleibt, und manchmal ist das alles, was zählt.“
Andrea Mäntele betonte, wie wichtig es sei, früh genug anzufangen, gegen die Einsamkeit zu arbeiten. „Es liegt auch an einem selbst, ob man offen ist und einfach auch mal auf die Leute zugeht“, unterstrich sie, „das ist genauso wichtig, wie sich auf die Rente vorzubereiten.“
Bürgermeister Jonas Breig merkte dazu an, dass das Thema Einsamkeit und demografischer Wandel in der Zukunft eine noch stärkere Bedeutung erhalten werden: „Das ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, das uns begleiten wird.“ Insgesamt aber sei Biberach durch die Nachbarschaftshilfe, den ambulanten Pflegedienst und verschiedenste Betreuungseinrichtungen gut aufgestellt.
Spendenbereitschaft ist gesunken
„Im Moment haben wir 52 Helferinnen und Helfer, das ist beachtlich, wirklich toll“, berichtete die Vorsitzende und hob deren Empathie hervor, deren soziales Engagement: „Wenn jemand nur wegen Geld zu uns kommt, dann ist er falsch am Platz.“ 13 Euro beträgt der Stundenlohn derzeit. Der muss des Ehrenamtes wegen unter dem Mindestlohn bleiben.
Der Kunde zahlt 17 Euro pro Stunde. „Diese vier Euro Differenz brauchen wir, damit wir den Verein finanzieren können“, verdeutlichte die Vorsitzende, nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund einer zurückgegangenen Spendenbereitschaft: „Man merkt, dass die Situation jetzt überall eher angespannt ist.“
Nachwuchssorgen drücken
Trotz der beachtlichen Zahl an HelferInnen – sie wohnen überwiegend in Biberach, teils aber auch in Zell – sind es dennoch zu wenige. „Manchen Anfragen müssen wir inzwischen absagen, weil alle ausgelastet sind“, beklagte die Vorsitzende und mahnt: „Wir können nur Hilfe leisten, wenn wir genügend Helfer mit sozialem Engagement haben.“ Vor allem im hauswirtschaftlichen Bereich fehlen Kräfte.
Eine weitere Sorge bereitet die Altersstruktur der HelferInnen. Lediglich eine einzige Person ist 21 Jahre jung, die „nächstjüngsten“ zählen 50 Jahre. Das Gros der HelferInnen – mit 37 Personen – ist zwischen 60 und 75 Jahre alt, zwei von ihnen zählen 75, vier gar bewundernswerte 80 Lenze.
Ab einem Alter von 16 Jahren kann man bei „Hilfe von Haus zu Haus“ arbeiten, doch „jüngere Menschen finden wir derzeit leider nicht“, bedauerte Andrea Mäntele. Wenn Ältere aufhören würden, hinterlasse dies sofort eine große Lücke, „uns fehlt der Nachwuchs.“ Erschreckend denn auch die Zahl der Todesfälle, die es im vergangenen Jahr in dem 230-Mitglieder-Verein zu beklagen galt, mit vier Gründungs- und Vorstandsmitgliedern sowie acht weiteren Mitgliedern. „So schlimm war es noch nie“, hieß es anlässlich der Totenehrung.
Erleichterung hingegen herrscht in Bezug auf die Schulungs- und Weiterbildungsstunden. Früher seien es 30 Stunden gewesen, die von den HelferInnen abgeleistet werden mussten, so die Vorsitzende. „Das wurde von der Politik Gott sei Dank reduziert, das heißt, wir haben keinen so großen Druck mehr, was die Weiterbildung betrifft.“
Andrea Mäntele betonte, dass der Verein weiterhin Schulungen – wie beispielsweise DRK-Kurse – anbietet und für Sicherheit im Umgang mit dem ihm anvertrauten Menschen sorgen wird. Die Teilnahme an Fortbildungsangeboten wie unter anderem dem „Klinikkompass“ ist freiwillig und wird von den HelferInnen gerne angenommen.
Neubürgerrundgang am 18. April, 13 Uhr
Mit großem Erfolg hatte der Verein, der nächstes Jahr sein 15-jähriges Jubiläum feiern wird, im vergangenen Jahr einen Dorfrundgang für Neubürger initiiert. „Wir hatten uns gedacht, wir lernen dann die neuen Leute kennen, die in unser Dorf kommen, und sie lernen uns kennen“, denn für neu Hinzugezogene könne es schwierig sein, in gegebene Strukturen hineinzukommen.
Rund 20 Interessenten hatten teilgenommen, „die Leute waren echt so begeistert!“ Zentrale Orte, Institutionen und Einrichtungen wurden gezeigt, im Anschluss gab es im Bürgersaal Kaffee und Kuchen. „Wir sind so toll mit den Leuten ins Gespräch gekommen“, freute sich die Vorsitzende ebenso wie Bürgermeister Jonas Breig. Der hatte sich dem Rundgang angeschlossen und im Bürgersaal Folien zu Prinzbach und den Vereinen gezeigt. „Die Resonanz war wirklich toll“, meinte auch er, mit einem großen Dank an die Nachbarschaftshilfe – auch für ihren sonstigen Einsatz und für die gute Zusammenarbeit.
Der nächste Neubürgerrundgang findet am 18. April um 13 Uhr statt und wird auch diesmal bei Kaffee und Kuchen ausklingen. Treffpunkt: am Rathaus, Dauer circa zwei Stunden.
Eigens hierzu wurde eine Broschüre aufgelegt, mit Grußworten des Bürgermeisters und des Vereinssprechers Richard Kammerer sowie einem Hinweis auf „Hilfe von Haus zu Haus“. Erhältlich ist sie im Rathaus im Bürgerservice.
Dieser Rundgang gibt Neubürgern die Gelegenheit, ihre neue Heimat besser kennenzulernen, wichtige Ansprechpartner zu treffen und mehr über die Gemeinde zu erfahren. Gleichzeitig bietet er Raum für Austausch, Begegnung und Fragen.
Bildungsakademie
In ihrem Jahresrückblick hob die Vorsitzende das zweite Standbein des Vereins hervor, die Bildungsakademie. Eine Kräuterexpertin bietet Kräuterkurse an, ebenso liebevoll vorbereitet wie durchgeführt. Aber auch Themen für Eltern wie „KI im Kinderzimmer“ können auf das Tablett kommen.
Ansonsten findet im Spätjahr stets ein Helferfrühstück statt, mit Bewirtung durch den Vorstand und Weihnachtsgeschenken. Zudem trifft sich der Vorstand einmal im Jahr rein privat und ganz unverbindlich, meist im Sommer. Andrea Mäntele: „Es ist einfach schön, wenn man auch mal in einer anderen Art und Weise zusammenkommt.“
Tadellose Kasse
Der Bericht der Kassiererin Claudia Moser zeugte von einem umfangreichen Zahlenwerk, „ohne Steuerberater ginge das gar nicht mehr“, stellte die Vorsitzende heraus. Entsprechend viele Belege und Auszüge zu prüfen hatten die Kassenprüfer Eugen Giesler und Bernd Klein, die mit dem Ergebnis ausnehmend zufrieden waren. Die Entlastung des Gesamtvorstands erfolgte selbstredend einstimmig. Ein Sonderapplaus galt Marita Echle und deren Beitrag zur Portosenkung, „sie fährt uns die ganze Post immer rum.“
Nachfolge für Andrea Mäntele
Die Vorsitzende kündigte an, ihr Amt bei den im kommenden Jahr anstehenden Neuwahlen zur Verfügung zu stellen: „Nach dann 15 Jahren Aufbau und Leitung des Vereins möchte ich diese Verantwortung abgeben.“ Eventuell habe sie bereits jemanden für ihre Nachfolge gefunden, meinte die noch 66-Jährige mit Blick auf Einarbeitung und Übergabe. Als Einsatzleitung werde sie jedoch gerne weitermachen, sofern es ihre Gesundheit zulasse. So könne sie ihrer Nachfolgerin noch bei Fragen zur Seite stehen, was eine gute Stabilität des Vereins gewährleiste.
Ihr abschließender Dank galt allen ehrenamtlichen HelferInnen dafür, dass sie sich für andere Menschen einsetzen, ebenso wie – per Frühlingsblumen – dem gesamten Vorstandsteam für die gemeinsamen Sitzungen und Entscheidungen. Angesichts eines langen krankheitsbedingten Ausfalls ihrer Einsatzleitungskollegin war 2025 für Andrea Mäntele ob der für sie erhöhten Arbeitsbelastung ein sehr schwieriges Jahr. Ganz besonders bedankte sie sich daher bei der Kassiererin für deren Unterstützung. Ein herzlicher Dank galt auch dem Bürgermeister und der Gemeindeverwaltung für die finanzielle Unterstützung.





