Nach der Absage des Frühjahrskonzerts im Vorjahr hat sich das Blasorchester Biberach am Samstagabend mit einem fulminanten „Klangfarbenspiel“ zurückgemeldet.
Pünktlich zum kalendarischen Frühlingsbeginn verwandelte sich die Sport- und Festhalle in eine Galerie der Töne. Das visuelle Konzept war Programm: Die Musiker verzichteten auf ihre gewohnte Uniform und traten in elegantem Schwarz auf, farbig gestaltete Notenständer und ein dynamisches Lichtdesign tauchten die Bühne in ein wechselndes Farbenmeer. Mal tauchte ein sattes Blau die Bühne in die Kühle der Donau, mal loderten feurige Rottöne passend zu den rasanten Solopassagen auf.
Das Moderations-Duo Mareike Serrer und Alexander Herde gab die Richtung vor: „Wir malen aus Bildern Musik.“ Dabei bewies das Ensemble unter der Leitung von Axel Berger stilistische Bandbreite – von der klassischen Transkription, bei der das Blasorchester den Klang eines großen Streichorchesters imitiert, bis hin zu modernen, bildgewaltigen Kompositionen.
Gefühlvolle Pinselstriche
Den ersten Pinselstrich setzte Gesangssolistin Amelie Nassal mit Thiemo Kraas’ Pop-Ballade „Welt in Farbe“. Kraas, ein zeitgenössischer Komponist, schuf mit diesem Werk ein Plädoyer für Toleranz. Nassal mahnte musikalisch an, die Welt nicht nur in Schwarz-Weiß zu sehen – ein Appell, der beim Publikum und Sponsorin Erika Braun verfing.
Walzer im Wiener Maß
Dass das Orchester die Zwangspause für intensive Probenarbeit genutzt hatte, wurde beim Klassiker „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauß (Sohn) im Arrangement vom Walter Tuschla deutlich. Was für das Publikum so leichtfüßig klingt, entpuppt sich für die Musiker als eine rhythmische Herausforderung.
Der Walzer – manche sagen, er sei die inoffizielle Nationalhymne Österreichs – lebt nämlich vom ungeschriebenen Gesetz des „Wiener Maß“: Die Musiker dürfen den Takt nicht stur 1-2-3 herunterspielen, sondern müssen das zweite Viertel ganz leicht vorziehen, während das dritte minimal verzögert wird. Dieser „Nachschlag“ muss im Ensemble zeitgleich passieren, sonst gerät alles ins Stolpern. Hinzu kommen die Tempowechsel, die dem Orchester viel Disziplin abverlangten. In den rhythmisch heiklen Passagen war zu spüren, wie anspruchsvoll das Zusammenspiel ist.
Axel Berger entlockte seinem Ensemble diese „Düpp-Düpps“ mit großer Sicherheit und das Holzregister übernahm die schnellen Melodieläufe der Geigen sicher. Sponsor Wilhelm Schmider, der nicht anwesend sein konnte, verfolgte die Aufführung per Video-Übertragung.
Teuflisches Tempo am tiefen Blech
Dass die tiefen Register weit mehr als nur das rhythmische Fundament einer Kapelle sind, bewiesen die Brüder Malte und Nils Kürner. In Andrea Catozzis „Beelzebub“ wirbelten sie als Solisten an Tuba und Euphonium durch das technisch anspruchsvolle „Air Varié“.
Dieses Werk, das ursprünglich im späten 19. Jahrhundert als Bravourstück für Tuba-Wettbewerbe komponiert wurde, gilt als Prüfstein für jeden Solisten. Der Name „Beelzebub“ spielt dabei auf die „teuflischen“ Schwierigkeiten an: In rasanten Variationen müssen die Musiker beweisen, dass ihr wuchtiges Instrument auch zu schnellen Tonsprüngen und filigranen Sechzehntel-Läufen fähig ist.
Im Arrangement von Thorsten Reinau meisterten die Kürner-Brüder diesen Kraftakt für Finger und Ansatz sehr gut. Das Publikum fühlte sich zu Szenenapplaus hingerissen. Am Ende hinterließ das Werk einen stolzen Dirigenten Axel Berger und zwei sichtlich erleichterte Solisten. Ein besonderer Dank für die Unterstützung dieses Programmpunkts galt Sponsor Jürgen Kürner.
Wenn Instrumente flüstern und stampfen
Der dramatische Höhepunkt des ersten Teils war Bert Appermonts vierteilige Komposition „Arche Noah“. (Sponsoren: Gemeinde Biberach und Bürgermeister Jonas Breig). Das Orchester musste hier sein gesamtes Arsenal an Klangfarben nutzen, um die biblische Geschichte lebendig werden zu lassen.
Unter der Stabführung von Axel Berger, der die verschiedenen Stimmungen förmlich „lebte“, verwandelte sich die Bühne in ein zoologisches Panorama. Das schwere Blech ließ das gewichtige Stampfen der Elefanten durch die Halle beben, während die Holzbläser mit hektischen, flirrenden Läufen das Flattern bunter Vogelschwärme imitierten. Sogar das majestätische Schreiten der Löwen und das flinke Wuseln kleinerer Erdenbewohner waren in den wechselnden Rhythmen und Harmonien auszumachen.
Packend gelang die Darstellung der heraufziehenden Katastrophe: Was mit einem zarten „Plitsch, Plitsch“ begann, steigerte sich zu einem orchestralen Unwetter. Hier entfesselte das Blasorchester Wucht und ließ die Zuschauer die Sintflut spüren, bevor die Musik in ein friedliches Finale verebbte.
Den kompletten Bericht und weitere Bilder finden Sie in der Print-Ausgabe der Schwarzwälder-Post.




