»Wenn man nicht allein sein will, ist man es auch nicht«

Interview mit Martin Brucker über seinen rekordverdächtigen Roadtrip um die Welt

Herbert Vollmer: Herr Brucker, Sie sind von Beruf Schreinermeister und staatlich geprüfter Fachwirt. Was hat Sie dazu angeregt, mit einem Motorrad sechseinhalb Jahre lang durch siebzig Länder zu fahren?

Martin Brucker: Ich bin schon als Jugendlicher viel gereist und habe mit dem Motorrad fast alle Inseln im Mittelmeer kennen gelernt. Nach einem Arbeitsunfall habe ich ein Weiterbildungsangebot der Berufsgenossenschaft angenommen und ließ mich in Freiburg zum Schreinermeister und Fachwirt ausbilden. In dieser Zeit habe ich einen Entwicklungshelfer getroffen, der in Tansania tätig war. Ich habe spontan den Entschluss gefasst, dies auch zu tun. Ich war dann ab Januar 2000 als Ausbilder im Holzhandwerk in Äthiopien tätig. Aus den zunächst geplanten zwei Jahren sind neun geworden. Ich lernte in dieser Zeit zahlreiche Kollegen kennen, die dann in anderen Ländern arbeiteten. So kam mir die Idee zu einer Motorradtour.

Eine Motorradtour, sechs­einhalb Jahre lang, ist außergewöhnlich, sogar rekordverdächtig. Sie hätten diese Fahrt um die Welt
sicherlich auch in kürzerer Zeit durchführen können.

Ich hatte ursprünglich geplant, mir nur eine Auszeit von zwölf bis vierzehn Monaten zu nehmen, nach Südostasien zu fahren und dort eine Arbeit zu suchen. Ich bekam dort auch ein Angebot, habe mich aber dann anders entschieden und bin weitergefahren. In Australien lebt eine Cousine, die ich auch besuchen wollte.

Wie haben Sie sich
unterwegs verständigen können?

Ich habe englische und spanische Sprachkenntnisse und in Äthiopien auch die amharische Sprache gelernt.

Gab es unterwegs auch heikle Situationen zu bestehen?

Ich hatte, abseits der üblichen Touristenrouten, stets viele Kontakte zu Einheimischen. Wenn man nicht allein sein will, ist man es auch nicht. Ich habe stets große Hilfsbereitschaft erfahren. Beispielsweise bin ich bei meiner Fahrt durch den Dschungel in Kambodscha an Dengue-
Fieber erkrankt. Ein Franzose, den ich in Vietnam kennen gelernt habe, hat mich ins Krankenhaus gebracht, seine Frau hat mich in dieser Zeit verpflegt. Es gab diverse Stürze, eine ausgekugelte Schulter, eine Operation an den Zehen, aber alles verlief relativ gut.

Wie haben Sie eine so lange Fahrt finanziert?

Während meiner Tätigkeit als Entwicklungshelfer habe ich mir ein gewisses finanzielles Polster zulegen können. Unterwegs habe ich billig gelebt, gelegentlich auch kurz gearbeitet.

Sie leben seit Oktober 2016 wieder in Ihrer Heimatgemeinde Welschen­steinach. War es für Sie schwierig, sich wieder an die deutschen Verhältnisse zu gewöhnen?

Nach meiner Rückkehr bin ich zunächst in ein Loch gefallen. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um mich wieder einzugewöhnen. Jetzt hilft mir auch, dass ich seit Ok­tober 2016 nun schon in zahlreichen Vorträgen über meine Reise berichten konnte.

Wo finden die nächsten Vorträge statt?

Im April habe ich bisher drei Vortragstermine, in Wuppertal, Bad Peterstal und Karls­ruhe. Näheres ist auf meiner Homepage zu erfahren (Anm. d. Red. www.auf-dem-weg.jimdo.com).

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