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Zell am Harmersbach | 29.07.2020

Spannende Darstellungen des heimatlichen Erlebens

Drei Schülerinnen des Bildungszentrums erhalten Bildstein-Preis – 1. Preis geht an Anna Lehmann von Unterharmersbach-Grün

Foto:
Bürgermeister Pfundstein mit den prämierten Schülerinnen Anna Lehmann (von links), Kim Lehmann und Yosra Al Waheibi, Rektorin Anne-Catrin Medel und Klassenlehrerin Laura Appenzeller. Foto: Dieter Petri
von Dieter Petri

Bürgermeister Günter Pfundstein verlieh den diesjährigen Bildsteinpreis an drei Schülerinnen der Werkrealschule des Ritter von Buß Bildungszentrums. Er folgte damit dem Vorschlag einer siebenköpfigen Jury, welche die vorgelegten Arbeiten bewertet hatte. Der Preis für heimatgeschichtliche Arbeiten wurde von Josef Bildstein gestiftet und wurde bereits zum 34. Mal vergeben. Die Verleihung fand traditionsgemäß im Hotel-Restaurant »Zur Sonne« statt.

Mit dem 1. Preis wurde Anna Lehmann bedacht. Sie hat die Geschichte des »Erbsebure-Hofs« aufgezeichnet, auf dem sie zuhause ist. Der Hof liegt am Südhang von Unterharmersbach-Grün, etwa 100 Meter über der Talsohle. Die erste Erwähnung geht in das Jahr 1650, also in die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg zurück. Vermutlich wurde die damalige Behausung von einem Tagelöhner errichtet. 1853 hat ein Urahne von Anna den Hof mit Äckern und Wiesen für 1.000 Gulden erworben. Ursprünglich führte nur ein schmaler Weg entlang des Erbsebächle zum Gehöft. Seit 1975 dient eine Fahrstraße der Erschließung.

Anna schilderte dank der Erzählungen ihrer Oma und ihres Vaters das frühere bäuerliche Leben, das der Selbstversorgung diente. Angebaut wurden Kartoffeln, Bohnen und eben auch jene »Erbsen«, die vermutlich zur Bezeichnung »Erbsebure-Hof« geführt haben. Die Erntearbeit in Hanglage verlangte großen körperlichen Einsatz. Statt eines Traktors mussten Kühe vorgespannt werden. Mittlerweile wird der Bauernhof im Nebenerwerb betrieben. Die Mutter eröffnete 1986 eine Vesperstube, in der den Wanderern Wurst und Speck aus eigener Schlachtung neben Most und Schnaps vom Obst geboten wird. Jury-Mitglied Heinz Scherzinger würdigte die Arbeit als eine bemerkenswerte Hofgeschichte, die allen Anforderungen an Inhalt und Sprache gerecht werde.

Aus Nordrach nicht wegzudenken

Den 2. Preis erhielt Kim Lehmann von Nordrach. Sie beschreibt die Geschichte ihres elterlichen Geschäftes, das im Volksmund bis heute nur »Gnosseschaft« genannt wird. Hervorgegangen ist die Handlung in der Tat aus einer Raiffeisengenossenschaft, die den gemeinsamen Einkauf und Verkauf landwirtschaftlicher Produkte organisierte. 1922 besaß der örtliche Bauernverein 68 Mitglieder. Kims Vorfahren übernahmen den Einkauf von Saatgut und Dünger, die zunächst in einem Nebengebäude des Gasthauses »Kreuz« gelagert wurden. Sonntags holten die Bauern nach dem Kirchgang das Geld für die vermarktete Milch ab.

Mit der Zeit wurde das Sortiment um einen Getränkehandel erweitert. Zu diesem Zweck wurde 1981 eine neue Lagerhalle errichtet, der ein Verkaufsraum angegliedert wurde. 1998 pachtete die Familie Lehmann das Geschäft von der Genossenschaft, um es in eigener Regie zu führen. Das Interesse an der Genossenschaft wurde immer geringer. Zuletzt gehörten ihr nur noch 24 Mitglieder an. 2011 löste sie sich schließlich auf und verkaufte das Geschäft an Kims Mutter. Bei seinem Lob für Kims vorbildliche Arbeit erwähnte Jury-Mitglied Herbert Vollmer, dass Nordacher Vereine bei ihren Festen gerne auf den örtlichen Getränkehandel zurückgreifen.

Eine Flucht aus Syrien

An dritter Stelle wurde der Aufsatz von Yosra Al Waheibi ausgezeichnet. Die Schülerin hat ihre Kindheit in der syrischen Stadt Homs zunächst friedlich verbracht. 2011 aber übernahmen die Kämpfer des Islamischen Staats das Kommando. Fortan mussten die Frauen und Mädchen lange schwarze Kleider tragen. Yosras 13-jähriger Bruder wurde für eine Nacht ins Gefängnis gesteckt, weil er nicht pünktlich zum Gebet in der Moschee erschienen war. Als dann noch das Assad-Regime Bomben auf die Stadt warf, beschloss die Familie, das Land zu verlassen.

Nach einer längeren Odyssee, zu Fuß über Land und mit dem Boot übers Meer, gelangte die Familie schließlich in das Erstaufnahme-Lager Karlsruhe. Von dort wurde sie an den Ortenaukreis weiterverwiesen. Schließlich bekam Yosras Familie eine Wohnung in Nordrach. Zwei Frauen nahmen sich ehrenamtlich der Familie an, um ihr die Integration zu erleichtern. Dass diese bei Yosra schulisch gelungen ist, zeigt nach Jury-Mitglied Dieter Petri die sprachlich beachtliche Darstellung ihrer gefahrvollen Erlebnisse.

Bürgermeister Günter Pfundstein zeigte sich erfreut über die schulischen Leistungen der Schülerinnen in der Klasse 9 von Lehrerin Laura Appenzeller. Er überreichte jeder Preisträgerin eine Armbanduhr, welche sich die Schülerinnen im Vorfeld hatten aussuchen dürfen. Er erwähnte, dass dieses Geschenk in der Satzung des Bildsteinpreises so vorgesehen sei. Die Präsente sollen an die reiche Sammlung von Wand-Uhren erinnern, die Josef Bildstein der Stadt übergeben hat und zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Storchenturm-Museums gehört. Die Stadt bedankte sich bei allen Beteiligten mit einem gemeinsamen Essen.

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