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Zell am Harmersbach | 19.08.2019

Die leisen Töne ließen aufhorchen

Barockmusik mit dem »Duo in RE« in der evangelischen Kirche

von Hansjörg Wörner

Der gut besuchte Sommermusik-Abend in der evangelischen Kirche zeigte die Vielfalt barocker Kompositionen. Jedes Stück glänzte als musikalisches Juwel. Vom Anfang bis zum Schluss des Konzerts spürte man die Leidenschaft der beiden Musiker für die Epoche des Barock: Anja Engelberg (Viola da Gamba) und Premek Hajek (Theorbe) setzten gänzlich auf die leisen Töne, zauberten filigrane Klanggewebe, die in einer Zeit entstanden, in der häufig Kanonendonner und Marschtrommeln die Menschen in Angst und Schrecken versetzten, in der Musik dagegen das Streben nach Stille und Wohlklang vorherrschte.

Mit Basslaute und Viola da Gamba erweckten Premek Hajek (links) und Anja Engelberg (rechts) die Musik des Barock zum Leben.

Die musikalische Reise des »Duo in RE« begann in Delmenhorst, wo der zu Lebzeiten hochgeschätzte Gambist und Komponist August Kühnel 1645 geboren wurde. Sein musikalisches Schaffen war stark von französischen Einflüssen geprägt. Vielleicht bevorzugt Premek Hajek deshalb die französische Version der Theorbe – eine fast 1.80 Meter großen Basslaute – die mehr frei schwingende Bass-Saiten hat als ihre italienische Schwester, die Chitarrone.

Kühnels »Suite XIII« unterlegte Hajek mit einer subtilen Basslinie, auf der Anja Engelberg mit der Viola da Gamba – meist mit feinem Bogenstrich, mal mit ausgefeilter Zupftechnik – ein vielschichtiges, farbiges Klangbild schuf.
Ein Meister im Spiel auf der Theorbe war der um 1580 in Venedig geborene deutsche Komponist Johann Kapsberger, der als Musiker zeitweise in päpstlichem Dienst stand. Die »Toccata Arpeggiata« belebte Hajek mit makellosen Arpeggi auf den hohen Saiten seines Instruments, während die Viola da Gamba für die tiefen Töne sorgte.

Die Chaconne – eine musikalische Variationsform im Dreiertakt – hatte ihre Blüte im 16. Jahrhundert. Ihr Kennzeichen ist ein Ostinato-Bass mit einem sich ständig wiederholenden Harmonieschema, das kunstvoll variiert wird. Die Chaconne aus »Scherzi musicali« des deutsch-niederländischen Komponisten Johannes Baptist Schenk bot einen Klangreichtum, den man von zwei (relativ leisen) Instrumenten kaum erwarten würde. Punktgenau meisterten beide Musiker die Tempiwechsel und beeindruckten mit prononciert dynamischem Spiel. Ein Füllhorn an Tönen tat sich da auf, mit einem feinen Gespür für die Nuancen vorgetragen. Staunen, Erbauung und reicher Beifall des Publikums in der evangelischen Kirche.

Mit Feingespür und Beweglichkeit

Weiter führte die musikalische Reise des »Duo in RE« über Olmütz, München, London, Innsbruck bis nach Mannheim: alles Orte, in denen der Komponist und Konzertmeister Gottfried Finger seine musikalischen Spuren hinterlassen hatte. Wie der gut zwanzig Jahre jüngere, aber heute weitaus bekanntere Telemann, galt Finger als sehr produktiver Tonschöpfer, aber ohne großen »Tiefgang«. Sehr zu Unrecht, wie man von Anja Engelberg erfuhr, die im Wechsel mit ihrem Partner interessant und kurzweilig über Werke, Komponisten und die »alten« Instrumente informierte.

Aus Fingers anspruchsvollem kompositorischen Nachlass interpretierten die Künstler die »Sonata Quarta«, eindringlich und wunderbar melodiös. Das perfekte Zusammenspiel brachte jeden Wechsel im Tonfall zur Geltung und glänzte mit Feingespür und Beweglichkeit. Reicher Beifall erfüllte den Kirchensaal.

Das schien die Gambistin geradewegs anzuspornen, ihren Solobeitrag, die »Brünner Suite«, atmosphärisch dicht und dynamisch zu gestalten. Die sechs Sätze erklangen facettenreich und Engelbergs Spiel auf der Gambe erhielt durch die unüberhörbare Leichtigkeit eine besondere Note.

Das Liedhafte und scheinbar mühelos Sangliche kennzeichnete auch die Interpretation der »Sonata e-Moll« aus der Feder von Georg Philipp Telemann. Dass der große Barockmeister mit seinen Sonaten anspruchsvolle Werke geschaffen und nicht nur Stücke für Flötenschüler komponiert hat, unterstrichen die Protagonisten des Konzertabends eindrucksvoll mit ihren Instrumenten.

Vom musikalischen »Zauber« des Barock konnten die Zuhörer in der Kirche offenbar auch nach über einer Stunde des Musizierens nicht genug kriegen und forderten laut klatschend eine Zugabe. Das »Duo in RE« gewährte sie gerne, bevor ihnen Kirchengemeinderat Michael Horst die weiße »Sommermusik«-Rose überreichte.

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Schlagworte:
Evangelische Kirchengemeinde Zell am Harmersbach, Zeller Sommermusiken

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