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Zell am Harmersbach | 28.09.2018

Lothar in Raten

Trockenheit und Käferbefall sorgen für massive Schäden im Wald – Rund 3.000 Festmeter Schadholz im Forstbezirk Zell

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Über die angespannte Lage auf dem Holzmarkt informierten Förster Klaus Pfundstein (links), Vorstand Kurt Weber (rechts) von der Waldservice Ortenau und Vorsitzender Franz Müller (Mitte) bei der Herbstversammlung der Forstbetriebsgemeinschaft Zell am Harmersbach. Foto: Hanspeter Schwendemann
von Hanspeter Schwendemann

Trockenheit und Borkenkäferbefall machen dem Wald zu schaffen. Entsprechend angespannt war die Stimmung bei der Herbsttagung der Forstbetriebsgemeinschaft Zell am Harmersbach im Gasthaus »Rebstock« in Stöcken. Nicht nur Fichten sondern auch Tannen werden geschädigt und müssen sofort aus dem Wald entfernt werden. Im Forstbezirk Zell sind schon rund 3.000 Festmeter Schadholz angefallen.

»Die Lage ist dramatisch. Es ist ein Lothar auf Raten«, zog Vorstand Kurt Weber von der Waldservice Ortenau einen Vergleich mit dem Jahrhundertsturm des Jahres 2009. Mitte Juni habe noch keiner mit dieser Entwicklung gerechnet. Anfang August sei es losgegangen mit dem Käferholz. Besonders schlimm sei die Situation im Renchtal, wo seither schon 20.000 Festmeter Schadholz angefallen sind. In den Bezirken Zell, Oberharmersbach und im mittleren Kinzigtal sei die Lage etwas weniger kritisch.

Es wurde ein Einschlagstopp für mittelstarkes Fichten- und Tannenholz ausgesprochen, da in diesem Sor­timent der Markt überschwemmt ist. Es wurden bereits zusätzliche Lagerkapazitäten geschaffen und mit Sägewerken teilweise Sondervereinbarungen ausgehandelt, informierte Kurt Weber weiter.

Da sich die Waldbesitzer auf den Einschlag von Käferholz konzentrieren müssen, komme es bei anderen Sortimenten dazu, dass der Markt unterversorgt ist. So bezahlt das Sägewerk Echtle aktuell einen Bonus für Erdstämme. Gesucht werden auch starke Tanne, Douglasienholz, Buchenholz und Industrieholz. Für Käferholz müssten Abschläge von 5 bis 6 Euro hingenommen werden.

Es sei schwierig abzuschätzen, ob es sich in diesem Jahr mit dem Käferbefall um ein biologisches Problem handelt oder ob die Trockenheit Auslöser ist, stellte Kurt Weber fest. Klar sei, dass die hohen Temperaturen und die hohe Verdunstung dem Wald zusetzen. »Das ist wie ein Blumenstrauß ohne Wasser«, zog Weber einen Vergleich. Im Vorderen Kinzigtal gebe es schon dürre Tannen und Fichten. In der Rheinebene seien Ahorn, Eiche und Erle betroffen. »Keine guten Nachrichten«, fasste Kurt Weber die Situation zusammen, auch wenn man die Lage im Raum Zell noch einigermaßen im Griff habe. Ob die Fichte unterhalb von 700 Höhenmetern überhaupt eine Zukunft habe, müsse sich in den nächsten Jahren zeigen.

Viertes Trockenjahr in Folge

Ähnlich bedenklich äußerte sich Förster Klaus Pfundstein bei der Herbstversammlung. Inzwischen ist es für den Wald schon das vierte Trockenjahr in Folge, machte er die Wetterentwicklung deutlich. »Steht ein Baum erst trocken, dann gibt ihm der Kupferstecher den Rest«, schilderte Pfundstein die verhängnisvolle Kette. Durch die hohen Temperaturen habe der Borkenkäfer bereits in der zweiten Aprilwoche ausschwärmen können. Stellenweise habe es in diesem Sommer vier Käfergenerationen gegeben. Ein Weibchen zeugt bis zu 150 Junge. In der dritten Generation sind das schon 750.000 Käfer erklärte Klaus Pfundstein die explosionsartige Vermehrung der Schädlinge. Während der Buchdrucker bei heißen Temperaturen träge werde, gelte für den Kupferstecker je heißer je besser. Dieser befällt vor allem die Gipfel von geschwächten Bäumen.

»Die Käferbäume einschlagen«, gab Klaus Pfundstein den Waldbesitzern als Handlungsempfehlung mit auf den Weg. Die Bäume entrinden, damit die Larven der Käfer absterben, oder die Holzpolder mit Insektiziden abspritzen seien weitere Maßnahmen. Ab April den Wald kontrollieren, um so ganz frühzeitig Käferbefall zu erkennen, sei besonders wichtig.

Langfristig riet Förster Pfundstein den Waldbesitzern, ihre Fichtenbestände nicht zu alt werden zu lassen. Die Bestände sollten stärker durchforstet werden. Pfundstein riet weiter, junge Tannen und Douglasien zu pflanzen, damit sich der Wald entwickeln könne.

Vorsitzender Franz Müller von der Forstbetriebsgemeinschaft sprach die Hoffnung auf mehr Regen im Winter und im nächsten Jahr aus, damit der Spuk dann wieder vorbei ist. Vorerst sind die Waldbesitzer aber noch mit dem Problem Käferholz und Trockenheit konfrontiert. Franz Müller dankte den beiden Referenten des Abends für ihre aktuellen Informationen und ihre laufende Arbeit an der Seite der Land- und Forstwirte.

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