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Zell am Harmersbach | 14.07.2017

»Das ist Europa leben«

Französische Pflegeschülerinnen absolvierten im St. Gallus-Heim vierwöchiges Praktikum

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Die Pflegeschülerinnen (von links) im Kreise von Heimbewohnern beim Grillfest: Sabrina Capon, Esther Gutmann, Malaury Adam, Audrey Gutmann. Foto: Inka Kleinke-Bialy
von Inka Kleinke-Bialy

»Ein solcher Austausch ist im badischen Raum bislang einmalig«, freute sich Thomas Dreher über das vierwöchige Praktikum, das vier Pflegeschülerinnen aus dem elsässischen Sélestat am vergangenen Freitag beendet haben: »Das ist Europa leben«, betonte der Interimsleiter des Caritas-Seniorenzentrums St. Gallus.

Foto: Inka Kleinke-Bialy
Die Pflegeschülerinnen (von links) im Kreise von Heimbewohnern beim Grillfest: Sabrina Capon, Esther Gutmann, Malaury Adam, Audrey Gutmann.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Betreuungslehrerin Chabot-Krempl und Thomas Dreher sind sich einig: Der Austausch hat sowohl den Pflegeschülerinnen als auch dem Gallusheim wichtige Erfahrungen beschert.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Die Zeit im St. Gallusheim bedeutete für die vier jungen Französinnen eine vielfach lehrreiche Herausforderung.

17 respektive 18 Jahre alt sind sie und haben viel Mut bewiesen: Malaury Adam, Sabrina Capon, Audrey Gutmann und Esther Gutmann wagten sich das erste Mal in ihrem Leben ohne Familie in die Fremde, und das gleich für vier Wochen.

Im elsässischen Sélestat (Schlettstadt) besuchen sie die Europaklasse der Schweisguth-Schule. 30 Schülerinnen befinden sich in ihrer Jahrgansstufe, von denen vier Deutsch als Unterrichtsfach gewählt haben.

Besagtes Lycée Professionnel ist eine Fachschule, »in der ein Jahr lang Einblicke in alles vermittelt werden, was es in Frankreich an Betreuungsnotwendigkeiten gibt«, erklärt die Lehrerin Chabot-Krempl. Im Anschluss machen die Mädchen das Berufsabitur und können sich dann entscheiden, in welche Richtung sie sich spezialisieren. Ob sie in die Kinder-, Alten- oder Behindertenbetreuung gehen oder beispielsweise eine Arbeit beim Sozialamt ausüben wollen.

Karin Chabot-Krempl, die aus Österreich stammende Deutschlehrerin der vier Mädchen, hat 30 Jahre im Elsass gelebt und wohnt seit zwei Jahren in Zell. Ihre Freude am Singen führte sie in den hiesigen Joy-and-Fun-Chor und auf diese Weise mit Thomas Dreher zusammen. Da an der elsässischen Schweisguth-Schule für alle Schüler ein Praktikum vorgeschrieben ist, lag nichts näher, als dass die täglich zu ihrer Arbeitsstelle pendelnde Pädagogin und der Gallusheim-Leiter einen grenzüberschreitenden Austausch in die Wege leiteten.

Auf die vier Wohnbereiche des Seniorenzentrums aufgeteilt, stand jeweils eine examinierte Pflegekraft den Pflegeschülerinnen als Mentorin/ Mentor zur Seite, um sie den Tag über zu begleiten und in der Grundpflege anzuleiten. Duschen, abtrocknen, anziehen, Zähneputzen, Hilfe beim Toilettengang, Windeln oder Einlagen wechseln sowie Essen geben – das alles stand in Früh- oder Nachmittagsschicht auf dem Arbeitsplan der Mädchen.

Anfangs seien sie sehr aufgeregt gewesen, geben die Vier unisono zu verstehen, doch die Tätigkeiten haben ihnen Spaß gemacht. Wobei sie besonders der Aspekt der menschlichen Nähe angesprochen hat. Unbestreitbar jedoch, dass die vier Wochen für sie eine große Herausforderung bedeutet haben. Des anfänglichen Heimwehs und vor allem der Sprachbarriere wegen.
Lehrreicher Umgang mit der »Sprachbarriere«
»Die ersten Tage waren sehr schwierig für sie, dann wurde es einfacher«, übersetzt Frau Chabot-Krempl für ihre Schülerinnen aus dem Französischen. Und betont, dass diese neben der Verbesserung der Deutschkenntnisse auch viel in Bezug auf andere Sozialkompetenzen gelernt haben: »Kommunikation ist nicht nur die Sprache«, erklärt sie, denn jedes Mädchen für sich hatte tagtäglich immer wieder die Situation zu lösen: »Wie kommuniziere ich, wenn ich die Sprache nicht kann? Was mache ich da?« Also kam auch das Englische zum Einsatz, und natürlich die Zeichensprache, die Verständigung »mit Händen und Füßen.«
»Wegen des Umgangs mit der Sprachbarriere muss man den Hut ziehen, aber nicht nur vor den Mädels, sondern auch vor dem Personal hier im St. Gallus abnehmen«, hebt die Pädagogin gleichzeitig hervor. Was Thomas Dreher nur unterstreichen kann. Denn neben der Betreuung und der Anleitung der vier Mädchen »war ja auch noch unser Arbeitsalltag da, das war natürlich auch für uns eine Herausforderung.«
Begeisterte Senioren
Gemeinsam mit einer Kollegin stand Karin Chabot-Krempl den Pflegeschülerinnen des Abends – nach ihrem normalen Schuldienst im Elsass – als Betreuungslehrerin zur Verfügung. Denn ihre Schützlinge waren jeweils zu zweit in einer Ferienwohnung untergebracht, wo sie sich selber versorgten, Einkaufen und Kochen eingeschlossen. Auch dies eine wertvolle Erfahrung für die jungen Frauen. »Aber gerade am Anfang der vier Wochen war es schon wichtig, dass wir als Lehrer präsent und flexibel waren, als Bindeglied zwischen Zuhause und der fremden Umgebung.«
Abgesehen von ihren grundpflegerischen Leistungen legten die Französinnen in der letzten Woche ihres Aufenthalts zudem eine Prüfung im Bereich Animation ab, die benotet wurde. Zwei von ihnen hatten sich das Thema »Elsass« ausgesucht. Gemeinsam mit den St.-Gallus-Senioren wurden kleine Gugelhupfe gebacken und die für das Elsass typischen »Klapperstörche« ausgemalt. Die andere Zweiergruppe hatte ein Ani­mationsprogramm zum Thema »Musik« vorbereitet: Da wurden Musiknoten ausgemalt sowie französische und deutsche Lieder mit den Heimbewohnern gesungen.
Als abschließendes Highlight schließlich nahmen die Mädchen am vergangenen Donnerstag an dem monatlichen Halbtagesausflug des Heimes teil, der etwa 40 Bewohner und rund 25 Mitarbeiter nach Sélestat sowie zu Kaffe und Kuchen an die dortige Schule der Pflegeschülerinnen führte. Diese konnten bei der Gelegenheit nicht nur ihre Heimat »vorzeigen«, sondern auch viel über die besonderen Erfordernisse bei einem solchen Ausflug mit Senioren lernen, die zum Teil auf den Rollstuhl angewiesen sind.
Neu-Auflage im
nächsten Jahr?
»Trotz der Sprachprobleme waren die Mädchen immer lieb, freundlich und entgegenkommend zu den Bewohnern, wirklich Hut ab«, ist Thomas Dreher voll des Lobes. »Und auch für unsere Senioren war es eine wichtige Erfahrung, die waren begeis­tert«, ergänzt er und erzählt von einer ehemaligen Französischlehrerin. »Die hat fast Jahrzehnte kein Französisch mehr gesprochen, weil sie es nicht mehr musste. Dann kam das französische Mädel und nach ein bis zwei Tagen ist wieder alles losgesprudelt«, freut sich der Heimleiter.
Karin Chabot-Krempl wiederum berichtet von »Leuten, die in Frankreich in Kriegsgefangenschaft waren: Die haben dort einige Brocken Französisch gelernt, das ist im Kontakt mit den Pflegeschülerinnen dann auch wieder gekommen, und sie haben angefangen, von damals zu erzählen.«
Beide – Lehrerin wie Heimleiter – können sich gut vorstellen, einen solchen Austausch im nächsten Jahr zu wiederholen: »Das ist eigentlich Europa leben.« Unter Berücksichtigung der heuer gemachten Erfahrungen dann natürlich.

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