Martin Kersting wurde auf der Generalversammlung der Freiwilligen Bürgerwehr Zell am Harmersbach e.V. zum zweiten Vorsitzenden und stellvertretenden Kommandanten gewählt.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
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„Mir kommt da jedes Mal Gänsehaut“, gestand Bürgermeister Günter Pfundstein im „Partyhaus Damm“, als er auf der Generalversammlung der Freiwilligen Bürgerwehr Zell am Harmersbach deren jährlichen Silvesteraufmarsch Revue passieren ließ.
„Das ist inzwischen eine riesengroße Veranstaltung, mit geschätzt bis zu 2000 Zuschauern, und es ist unglaublich, wenn man vor dem Rathaus steht und die Bürgerwehr marschiert, oft mit der Stadtkapelle. Das ist toll und beeindruckend“, fuhr das Stadtoberhaupt fort.
Besagter Aufmarsch ist ein Beispiel von vielen der von der Zeller Bürgerwehr absolvierten Termine, die Andreas Lehmann – erster Vorsitzender und Kommandant – in seinem Jahresrückblick am vergangenen Samstagabend als „ganz unterschiedlich“ bezeichnete.
Als Highlights nannte er die Teilnahme am Ortenauer Trachtentag in Gutach, mit einem Festzug durch das Museum „Vogtsbauernhof“. Die Teilnahme beim Schützenfest des Schützenvereins Werne gab Einblick in Brauchtum und Tradition der Schützenfeste. „Hervorragend angenommen“ worden war das Sommerfest der Zeller Bürgerwehr, das – überdies 50. – Biwak, bei „Jubiläumswetter“ und seit längerer Zeit wieder mit Live Band.
Am folgenden Sonntag, dem Tag der Heimat, marschierte die Bürgerwehr auf, um ihre langjährigen KameradInnen zu ehren, samt „hervorragendem Salutschuss“. Im Anschluss traten erstmals die Lucky Kids auf, sie sorgten für zusätzliche Stimmung. „Wenn der Zuspruch so bleibt, kann das einzige größere Fest auf dem Kanzleiplatz weiterhin stattfinden“, so der Kommandant, „als ein Fest von der Bürgerwehr mit den Bürgern der Stadt Zell.“
Lob und Tadel
Ein ganz besonderes Ereignis war die Einweihung der neuen Standarte der Ulanen anlässlich des 100-jährigen Bestehens der alten Fahne, mit Gottesdienst und Segnung durch Pfarrer Bonaventura Gerner, Fahnenabordnungen der umliegenden Bürgerwehren, sowie einem anschließenden Festakt im Tellerbau.
„Von den Teilnehmern haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten“, betonte Andreas Lehmann und dankte der Stadt für die Überlassung des Tellerbaus und den Zuschuss für die neue Standarte.
Desgleichen galt sein Dank und Lob samt kräftigem Applaus aller Versammelten sämtlichen Helfern, auch beim Sommerfest, sowie allen Sponsoren und Gönnern – unter anderem dem passiven Mitglied Walter Beck, der dem Verein bei der Anfertigung neuer Polo-Shirts mit einem sehr großzügigen Rabatt entgegen kam.
Einen Wermutstropfen sah der Vorsitzende in der Teilnahme an Auftritten oder Terminen: Ob beim Exerzieren oder bei den Proben des Spielmannszugs: „Es ist schlecht, wenn nur ein kleiner Teil der Mannschaft da ist“, der Umgang mit der Waffe oder dem Instrument wolle schließlich geübt sein.
Überdies sei bei Auftritten, für die ein Bus eingeplant werde, das aktive An- oder Abmelden eine Frage des Respekts. Bei Auftritten vor Ort regte Andreas Lehmann die Erstellung einer Whats-App-Umfrage an, über die sich jedes Mitglied eintragen könne. Bei den Vorstandsmitgliedern und dem Verwaltungsrat bedankte er sich für die gute und hilfreiche Zusammenarbeit.
Lothar Schober vertrat Sebastian Schwarz
Lothar Schober, im letzten Jahr zum Ehrenhauptmann ernannt, führte in seinem Tätigkeitsbericht sämtliche weiteren Aktivitäten der Bürgerwehr auf. Die KameradInnen beteiligten sich an Fronleichnam, am Zeller Fest und am Volkstrauertag. Bei der 950-Jahr-Feier Unterentersbachs wirkten sie beim Sternenmarsch mit Feierstunde und anschließendem Festzug mit.
Zudem fanden zwei Exerzierproben statt – im Juni bei guter, im August jedoch mit „leider wieder ganz geringer“ Beteiligung. Im Anschluss gab es einen gemütlichen Hock, bei freien Getränken und Essen. Vorstandsmitglieder nahmen an der Frühjahrs- und Herbsttagung des Bundes „Heimat- und Volksleben“ (BHV) teil, Richard Antritter wurde mit der Ehrennadel des BHV geehrt. Außerdem fand in Bensheim eine Kommandantentagung statt. Überdies galt es die goldene Hochzeit Lothar Schobers sowie acht runde Geburtstage von KameradInnen im Seniorenalter zu würdigen und zu feiern.
Die Totenehrung wiederum fiel diesmal besonders schmerzhaft aus, da die Bürgerwehr ihren zweiten Vorstand und stellvertretenden Kommandanten Sebastian Schwarz im Alter von nur 48 Jahren verloren hat. Aufgrund der Erkrankung des Kameraden hatte Lothar Schober das Amt des zweiten Vorsitzenden und stellvertretenden Kommandanten in Vertretung geführt. Dafür dankte ihm Kommandant Andreas Lehmann sehr herzlich.
Die von Sabine Zimmermann beanstandungsfrei geführte Kasse schloss im vergangenen Jahr mit einem Minus ab, trotz eines durch das Biwak erwirtschafteten Gewinns. Ein großer Ausgabenposten bestand in der Beschaffung von Ausstattung und Kleidung für die Bürgerwehr. Der Minusbetrag konnte jedoch dank des Vereinsguthabens ausgeglichen werden, die Entlastung der Kassiererin erfolgte einstimmig. Das Amt der Kassenprüfer für das nun laufende Jahr legten Irene Huber und Lothar Schober in die Hände von Reinhard Harter und Michael Mietzner.
Das Thema „Neue, junge Mitglieder“
Die ebenfalls einstimmig erfolgende Entlastung des Gesamtvorstands nahm Bürgermeister Günter Pfundstein als bekennender Bürgerwehrfan vor. Mit Blick auf das im vergangenen Jahr absolvierte Programm meinte er: „Das ist unglaublich viel.“ Umso mehr, als die Bürgerwehr sich auch außerhalb Zells engagiere, die Stadt damit repräsentiere. „Ich bin wirklich stolz auf unsere beiden Bürgerwehren“, betonte er, „unterjährig lassen sie jedes Fest, jede Veranstaltung zu etwas Besonderem werden.“
Vor diesem Hintergrund widmete er sich dem Thema Bürgerwehr-Nachwuchs. Für junge Neumitglieder möge eine Generalversammlung, in der Formalien abgearbeitet werden müssen, nicht sonderlich spannend sein. Auch wiederholten sich in Bezug auf die Auftritte bestimmte Anlässe. Das aber sei eigentlich gut. Denn wie der Tod des jungen Kameraden Sebastian Schwarz gezeigt habe, sei nicht selbstverständlich, was als solches erscheine. Auch nicht, dass man viele Jahrzehnte in der Bürgerwehr dabei sei, „wie es vielleicht einige dürfen – das sollten wir uns immer wieder vor Augen führen.“
Von daher bedankte sich der Rathaus-Chef, der im Übrigen Mitglied im „Freundeskreis Bürgerwehr“ ist, bei dem Verein für die Unterstützung bei „unseren Fixpunkten im Jahreskalender.“ Seinem Versprechen, jedem neuen Bürgerwehrmitglied eine Flasche Wein im Namen der Stadt zu spendieren – sowohl in Zell als auch in Unterharmersbach – konnte er heuer zweimal nachkommen: Mit Veronika Schwendenmann haben die Ulanen Zuwachs bekommen, Florian Hiss verstärkt den Spielmannszug als Flötist.
Nachwahl: Martin Kersting
Im Zuge einer Nachwahl mit einstimmigem Ergebnis trat der bisherige Leutnant Martin Kersting die Nachfolge von Sebastian Schwarz an. Als zweiter Vorsitzender hatte er bereits das Protokoll der letztjährigen Generalversammlung verlesen, als stellvertretender Kommandant hatte er das erste Mal an Fronleichnam 2025 agiert. Da er in dieser Funktion seine Schützenuniform ablegen muss, ist es ihm umso wichtiger Neumitglieder zu werben, „damit wir nach wie vor eine prächtige Schützentruppe bleiben.“
Die Position des Leutnants bleibt derzeit unbesetzt. Den bislang vakanten Posten der stellvertretenden Trachtenfrau übernimmt Irene Huber.
Ehrungen
Bernhard Gutmann nahm die Ehrungen jener Mitglieder vor, die im Jahr 2025 höchstens zweimal beim Antreten der Bürgerwehr gefehlt haben. Bei den Offizieren und Gewehrträgern waren das Andreas Lehmann, Jürgen Duffner, Peter Fritsch, Reinhard Harter, Michael Mietzner, Siegfried Münchbach. Bei den Bürgerinnen in Tracht: Rita Gutmann und Rita Lehmann. Bei den Ulanen: Johannes Pfundstein, Hubert Hansmann, Fridolin Schwendemann, Franz Willmann.
Tambourmajor Rafael Antritter ehrte die fleißigsten Probenbesucher des Spielmannszugs: Richard, Rafael und Simon Antritter, Melani Brosamer, Florian Olschewski, Ingo Lorenz. Alle Geehrten erhielten ein Präsent. Dagmar und Willi Schwarz wiederum freuten sich über eine Flasche Sekt als „Spritgeld“ für die weiteste Anreise.
Neues wagen mit Oktoberfest
Schließlich informierte Vorsitzender Andreas Lehmann zu besonderen Terminen im laufenden Jahr. Bei der Zeller After-Work-Party wird die Bürgerwehr bewirten, im Juli nimmt sie beim Peter-und-Paul-Heimatfest in Bretten teil, im September an den Heimattagen in Oberkirch.
Neues wagen will der Verein mit der Ausrichtung eines Oktoberfests am Freitag, den 02. Oktober. Dazu hat ein vierköpfiges Organisationsteam bereits das Kultur- und Vereinszentrum sowie die musikalische Unterhaltung gebucht. Das Fest soll eine Non-Profit-Veranstaltung werden. „Das heißt, wir haben bei der Party selbst keine Arbeitsdienste, sondern die Aufgabe, das Ganze zu organisieren sowie auf- und abzubauen.“
Es werden Sponsoren gesucht, die sich im Gegenzug auf der Veranstaltung präsentieren können. Sollte ein Überschuss erwirtschaftet werden, wird dieser für einen guten Zweck weitergegeben. Sinn dieses Oktoberfests ist es, mit der Bevölkerung zu feiern. „Wir wollen es schaffen, Menschen anzusprechen und zu zeigen, dass die Bürgerwehr kein verstaubter Verein ist, sondern dass wir eine richtig gute Truppe sind, mit der man auch Spaß haben kann“, unterstrich der Kommandant. Dazu führte er aus: „Wir müssen einfach am Ball bleiben bei unserer Suche nach neuen, jüngeren Mitgliedern, um die Zukunft des Vereins zu sichern.“





