Der Sprecher der Landesarmutskonferenz BW Roland Saurer referiert im Rahmen der Vorstandssitzung über das virulente Thema.
In der ersten Vorstandssitzung 2026 des Kreisseniorenrates war Roland Saurer zu Gast, um das Thema Altersarmut auch im Ortenaukreis zu beleuchten.
Roland Saurer wies darauf hin, dass rund 20 % der Gesamtbevölkerung davon betroffen sind. Personen, die derzeit weniger als 60 % des mittleren Einkommens, was derzeit ca. 1250,- € beträgt, haben, gelten als armutsgefährdet. Es wird dabei weltweit unterschieden zwischen extremer Armut (fehlende Nahrung, Kleidung und obdachlos) und relativer Armut sogenannte Sozialhilfearmut und soziokultureller Armut von Bürgergeldempfängern. Harte Armut kommt meist in Süd- und Osteuropa vor.
Steigende Zahlen bei der Grundsicherung
Laut Nachrichtenagentur AFP von Anfang Januar dieses Jahres sind ca. 3,7 Millionen Rentner armutsbedroht, also rund 21 % aller Rentner. Die überwiegende Mehrheit davon sind Frauen. Mit 48 % des Bruttolohnes liegt Deutschland 10 % unterhalb des EU-Durchschnittes. 2021 betrug die Rentenhöhe 1327,- Euro bei Männern und 861,- Euro bei Frauen. Reicht die Rente nicht aus, kann Grundsicherung beantragt werden (Sozialgesetzbuch XII). Das könnte 560,- Euro für den Haushaltsvorstand betragen. Gleiches gilt für erwerbsunfähige Personen. Nach Saurer unterlassen es 30 % der Rentner einen Antrag zu stellen und schlagen sich so durch. Neben vielen anderen Ursachen gelten die Mietenexplosion, gestiegene Energiekosten und hohe Lebenshaltungskosten als eine der Ursachen der derzeit steigenden Zahlen.
Prognosen der kommenden Jahre stehen ganz im Zeichen internationaler Krisen. Globale Verunsicherungen, Sondervermögenspolitik und Ungleichverteilung führen zu immer mehr Spaltung in Arm und Reich in unserer Gesellschaft. Eine Zunahme der alleinerziehenden Haushalte und höhere Scheidungsquoten tragen noch mehr dazu bei.
Situation in der Ortenau
Das Land Baden-Württemberg versucht durch die Quartiersentwicklung dem Thema in den Kommunen mehr Bedeutung zu verleihen. So gab es an einem Runden Tisch in Offenburg acht geförderte Projekte in Höhe von 25.000 Euro, die im Rahmen von praktischen Ansätzen Betroffene zu Beteiligten machen. Tafelläden im Ortenaukreis verzeichnen eine Zunahme von Bedürftigen und machen kreisweit gute Arbeit, um die Armut zu lindern. Der Ortenaukreis versucht als „Optionskommune“ seit vielen Jahrzehnten, das Thema in unserem Landkreis zu verbessern. Damit ist der Landkreis einer von einhundert Jobcentern in Deutschland, die dezentrale Lösungen praktizieren. Sowohl arbeitssuchende Menschen, als auch Arbeitgeber gewährleisten dadurch „vor Ort-Lösungen“. Auf die Frage des Vorsitzenden Gerd Baumer, bezeichnete Roland Saurer dieses Modell als erfolgreich, weil der kurze Dienstweg vom Amt für Soziales und Versorgung und der Kommunalen Arbeitsförderung zügigere Lösungen ermöglicht. Im Jobcenter finden Sie eine App (integraete.app), in der Sie in vielen Sprachen Erstinformationen erhalten und Anträge im Ortenaukreis eingesehen können.
Der Kreisseniorenrat wird das Thema im Rahmen seiner Möglichkeiten weiter aktiv begleiten, um mitzuhelfen, dass sich die Situation der Altersarmut in der Ortenau nicht weiter ausbreitet.





