Gemeinsam stark: VdK Offenburg ehrt Engagement und Haltung

Neujahrsempfang des Kreisverbandes im Zeller Kulturzentrum würdigt das Ehrenamt und beleuchtet die Sozialpolitik.

Am Samstagnachmittag hat der VdK-Kreisverband Offenburg zum Neujahrsempfang in das Zeller Kulturzentrum eingeladen. Die Abkürzung VdK steht ursprünglich für `Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands`, der 1950 gegründet wurde. Inzwischen hat sich der Verband zu einem modernen Sozialverband entwickelt, der sich für Themen wie Rente, Gesundheit, Pflege, körperliche und seelische Beeinträchtigungen sowie Fragen im Sozialrecht einsetzt. Die Mitgliederzahlen steigen und auch die Aufgaben nehmen stetig zu. Mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern ist der VdK der größte Sozialverband Deutschlands.

Heinrich Stöhr begrüßte die Gäste. Eingeladen waren die Vorstandsmitglieder der umliegenden Ortsverbände. Stöhr nannte beeindruckende Zahlen: Der Kreisverband Offenburg hat 20 Ortsverbände und 4.826 Mitglieder. „Unser Verband ist groß, stark und lebendig“, stellte er zufrieden fest. Aufgaben sind die Unterstützung der Mitglieder im Sozialrecht („unsere Sprechtage werden rege genutzt“) und die Stärkung der Ortsverbände und der Vorstände (Konferenzen, Erfahrungsaustausch, Veranstaltungen wie heute). Der Landkreis bietet fachliche Schulungen an, die für die Mitglieder kostenlos sind. Der Neujahrsempfang ist eine gute Gelegenheit, Danke zu sagen, erklärte Stöhr am Ende seiner Rede: „Der VdK lebt von Menschen, die für diese Werte stehen: stark, zuverlässig, menschlich. Viele Dank, dass Sie diese Werte im Ehrenamt ausüben.“

Rede Sozialdezernent Heiko Faller

Das Engagement der Mitglieder bildet die Grundlage der Arbeit des VdK, erklärte Faller zu Beginn seiner Rede: „Dafür spreche ich Ihnen meinen Dank und Anerkennung aus.“ Der Einsatz der langjährigen Vorstandsmitglieder verdient Respekt für die starke Verbundenheit mit dem Verband, betonte er. Der VdK ist ein moderner Verband, der bundesweit Sozialrechtsberatung leistet und auch praktische Hilfe anbietet (Widersprüche werden begleitet). „Dies ist der Kern unseres Rechtsstaats: Entscheidungen dürfen hinterfragt und manchmal auch korrigiert werden“, machte er deutlich. Der Sozialstaat ist immer unübersichtlicher und schwieriger in seiner Umsetzung geworden, kritisierte er. Eine Kommission zur Sozialrechtsreform hat eine Zusammenlegung von Leistungen, eine Modernisierung und Digitalisierung vorgeschlagen. Dies sei der richtige Weg. Der VdK ist auch eine sozialpolitische Interessenvertretung und wird sich dafür stark machen, erklärte Faller. Abschließend erklärte er: „Wir brauchen Sie für die Zukunft unserer Gesellschaft. Ich wünsche Ihnen ein Jahr 2026 gefüllt mit Zuversicht.“

Rede Bürgermeister Günter Pfundstein

Bürgermeister Günter Pfundstein sprach seinen Dank aus für die vielen Engagierten im VdK, die mit großem persönlichem Einsatz für andere da sind. „Sie geben Menschen eine Stimme, die im Alltag oft überhört werden und schaffen Räume für Zusammensein und Gespräche“, erklärte Pfundstein. Der VdK sei ein verlässlicher Ansprechpartner und ein Anker in schwierigen Lebenslagen, betonte er. Gesetze und Verfahren würden immer komplizierter. Die aktuellen Herausforderungen wolle er offen benennen: Die Ausgaben für die sozialen Sicherungssysteme steigen in einem rasanten Tempo. Der Transferaufwand in der Eingliederungshilfe ist im Ortenaukreis von 93,5 Mio. auf 146 Mio. Euro gestiegen – eine Steigerung von über 50 %. Die Eingliederungshilfe soll behinderten Menschen im Arbeitsmarkt helfen. „Für Zell bedeutet das, dass die Kreisumlage von 3,8 Mio. in 2025 auf 4,8 Mio. in 2026 steigt. Eine Steigerung von 1 Mio. Euro !“ übte Pfundstein deutliche Kritik. Das Sozialrecht ist sehr bürokratisch geworden: Jede Lebenslage soll durch Einzelfallgesetze abgebildet werden – Anträge, Prüfungen, Kontrollen, Abrechnungen binden Personal und Geld. Er kritisierte auch das Bundesteilhabegesetz (kompliziert, kleingliedrig, teuer). Das System steuere auf einen Kollaps zu. Er richtete einen Appell an den VdK: „Unterstützen Sie die notwendige Kehrtwende, bringen Sie sich konstruktiv ein, gestalten Sie die Reform mit.“ Es brauche Menschen mit Mut, Zuversicht und einen gesunden Menschenverstand, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, machte er abschließend deutlich.

Rede des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden Rainer Neumeister

Nach einer humorvollen Einleitung nannte er eine beeindruckende Zahl: 18 Mio. Euro hat der VdK in 2025 im Sozialrechtsschutz in Baden-Württemberg erstritten. „18 Millionen Euro die jetzt da sind, wo sie aufgrund der Rechtsansprüche hingehören“, erklärte Neumeister. Er zitierte Bundeskanzler Merz, der gesagt hat: Wir können uns diesen Sozialstaat nicht mehr leisten. „Dem stimme ich zu“, sagte er. Ausführlich widmete er sich dem Thema Schieflage von Sozialleistungen und nannte mehrere Beispiele. Zur Landtagswahl am 8. März machte er klar, dass der VdK parteipolitisch unabhängig ist aber deutlich sagt, wo politische Dinge korrigiert gehören. „Geht wählen und gebt die Stimme einer demokratischen Partei“, forderte er die Mitglieder auf. Mit 280.000 Mitgliedern im Verband Südbaden werde der VdK auch in Zukunft unbequem sein. Abschließend sprach er allen Anwesenden Worte des Lobs und Dankes aus und endete mit einem humorvollen Zitat von Wilhelm Busch.

Ehrungen

Heinrich Stöhr vom Ortsverband Offenburg erklärte zu den Ehrungen: „Ehrenamt ist der Herzschlag unserer Gemeinschaft. Wir wollen heute Menschen in den Mittelpunkt stellen, dir über viele Jahre Verantwortung übernommen haben.“

Für 15 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit erhielten eine Urkunde, Ehrennadel und ein Präsent: Josef Huber (Bad Peterstal); Manuela Ringwald, Elisabeth Hoog und Frau Fehrenbach-Wörner (Biberach); Hannelore Luchner, Wolfgang Umland (Diersburg); Gabriele Meier, Raimund Suhm, Alfons Wild (Gengenbach); Bernhard Schäfer (Niederschopfheim); Marie-Anne und Wolfgang Lacherbauer, Claudia Umland (Oberkirch); Brigitte Schäfer (Offenburg); Karola Körner, Ulrich Sieferle (Ortenberg).

Für 20 Jahre Ehrenamt erhielten die Goldene Ehrennadel, Urkunde und ein Präsent: Alfons Göppert (Hofweier); Lothar Meffle (Schutterwald); Peter Fix (Steinach).

Spendenübergabe

Heinrich Stöhr vom Kreisverband Offenburg übergab eine Spende von 500 Euro an den Verein `Frauen helfen Frauen`. Dieser Verein bietet von Gewalt betroffenen Frauen Schutzräume und Beratung an. Katja Weiten vom Verein stellte die Arbeit des Vereins vor und nahm sehr dankbar den Spendenscheck entgegen.

Der Gitarrenverein Nordrach sorgte für eine gelungene musikalische Umrahmung der Feier. Gitarren und Gesang (auch Solo) mit einem modernen Sound gefielen dem Publikum sehr gut und die Musiker erhielten viel Applaus für ihren Auftritt.

Nach dem offiziellen Programm konnten die Mitglieder bei Essen und Geselligkeit den weiteren Abend verbringen.

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