Beim Silvesterempfang der Stadt Zell durfte sich der Zeller Künstler in das Goldene Buch der Stadt Zell eintragen. Diese besondere Ehrung ist Anlass dafür, sein großes Lebenswerk in Erinnerung zu rufen.
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Foto: Hanspeter SchwendemannBürgermeister Günter Pfundstein würdigte das Lebenswerk des Zeller Künstlers Walter Haaf, der mit seinen Werken das Stadtbild in besonderer Weise geprägt hat. 18 seiner Kunstwerke sind im öffentlichen Raum anzutreffen.
Schenkungen an die Stadt Zell
Bürgermeister Pfundstein nannte in seiner Laudatio den Zeller Narrenbrunnen, das Außenwand-Gemälde „Zeller Rossgass“, den Historiker-Brunnen beim Hirschturm, den Goldesel bei der Sparkasse, den Dörflebrunnen, den Brunnen „St. Gallus mit dem Bären“ in Unterharmersbach vor der Ortsverwaltung.
Schließlich stehen in der Stadt zwei Skulpturen mit der Bezeichnung „Das Paar“ und „Die Dame mit langen Haaren“. Diese beiden zuletzt genannten Bronzefiguren wurden der Stadt Zell im Jahr 2024 als Schenkung übergeben.
Ausbildung und Studium
Walter Haff beschreibt sich selbst so: „Ich bin 1935 als Zeller geboren, in einem Haus in Zell, in dem ich seit meiner Geburt gerne und gut lebe und dabei die Menschen in meine Welt der Künste mitnehme.“ Auch mit seinen 90 Jahren versorgt sich Walter Haaf noch selbst und ist regelmäßig im Städtle anzutreffen. Von den Folgen eines Unfalls, als er von einem Radfahrer auf dem Kanzleiplatz angefahren wurde, hat er sich wieder gut erholt.
„Auf das Umfeld kommt es an, wie sich ein Kind entwickelt“, sagen Psychologen und Pädagogen. Dies trifft in besonderer Weise auf Walter Haaf zu. Er war zu seinem Bedauern ein Einzelkind und hätte gerne einen Bruder gehabt. Sein Vater Hans war Lehrer in Unterentersbach, ein strenger Lehrer, der seinem Sohn vieles beibrachte. Die Mutter Johanna war eine Nachfahrin von Franz Joseph Buß, dem Vater des Ritters von Buß, sie kümmerte sich sehr um ihn.
Nach seiner kriegsbedingten sechsjährigen Schulzeit trat Walter Haaf bei dem weithin bekannten Biberacher Holzbildhauer Josef Glück seine Lehre als Holzbildhauer an. Nebenbei belegte er Malkurse bei Ernst Peter Huber, einem der großen Kunstlehrer dieser Zeit. Mit Erfolg schloss er auch seine zweite Lehre als Steinbildhauer ab. Danach studierte er noch ein Jahr an der Kunstakademie in Düsseldorf, des Weiteren an der Kunstakademie in München.
Dort wurde ihm eine hohe Ehrung zuteil ein. Professor Sepp Mages, einer der bekanntesten Bildhauer jener Zeit fragte Walter Haaf, was er nun im Anschluss an das Studiums machen wollte. Er antwortete: “Das Abitur!“ Da erklärte der Professor: „Das brauchen Sie nicht mehr. Sie sind nun fortan mein Meisterschüler.“
Voller Energie und mit Willenskraft ging Walter Haaf ans Werk. Durch landesweite Ausstellungen machte er sich auch als begabter Maler einen Namen. Dabei übertrug er Motive aus Zell und Umgebung sehr ausdrucksstark auf Papier.
Mit seinen ausdrucksstarken Aquarellen zeigte er seine Heimat im schönsten Licht. Der Storchenturm, der Hirschturm, Gemälde vom Mummelsee, vom Schwarzwald und Gardasee und von den Schweizer Alpen entstanden ebenso wie zahlreiche Bilder von Persönlichkeiten und Würdenträgern seiner Heimatstadt.
Erste Steinbildhauerarbeit hergestellt
1958 veröffentlichte Walter Haaf seine erste Steinbildhauerarbeit, eine nur mit Hammer und Meißel in Lebensgröße ausgeführte Granitplastik einer trauernden Frau. Die Statue steht noch heute viel besucht auf dem eigens geschaffenen Platz an der Nikolauskirche in Unterentersbach, zum Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege. Diese erste Steinbildhauerarbeit bescherte ihm viele Folgeaufträge, auch weil es bisher diese Lebens-größen noch nicht gab. Über zehn Gemeinden im Umkreis (Ortenaukreis) wandten sich damals an Walter Haaf mit der Bitte, auch für ihren Ort eine Figur aus Granit zu fertigen, die an die Kriegstoten erinnert.
Beflügelt von Erfolgen ging es für den begabten Künstler in Riesenschritten bergauf. Sein hervorragender Ruf verbreitete sich durch ganz Baden. Plastische Figuren in Lebensgröße gab es bisher noch nicht, und umso größer wurde der Zulauf für den Künstler, so dass Walter Haaf der Kunstakademie Düsseldorf schweren Herzens den Rücken kehren musste, um erst mal alle Fans in der Heimat zufriedenzustellen.
Plastiken, Brunnen, Kirchenportale
Walter Haaf und seine Werke waren überall begehrt. Einflussreiche Freiburger und Karlsruher kämpften um Werke von Walter Haaf, der sich darüber aber in seiner Arbeit nicht stören ließ. Er arbeitete aber in aller Ruhe weiter wie immer. In seiner über 70 -jährigen Tätigkeit entstanden viele Plastiken und Brunnen aus Stein, Bronze und Holz.
Auch Kirchenportale entstanden, so beispielsweise, das Portal der Biberacher Sankt Blasius-Kirche. Ein weiteres Kleinod waren auch die von Walter Haaf geschaffenen Türen der Peter und Paul Kirche in Freiburg, die nach wie vor viele Besucher anziehen.
Von jetzt an erhielt der Steinbildhauer Walter Haaf durch Fans, Kunstkenner und Begegnungen mit einflussreichen Gönnern und Kunstmäzenen aus Freiburg und Umgebung viele öffentliche Aufträge überlebensgroßer Granitplastiken. Die Auftragsgeber kamen im weiteren Umkreis aus Baden-Baden, Mannheim und Bensheim.
Hervorzuheben ist ganz besonders die riesige Granitplastik „Integration“ (Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich als einstige Kriegsparteien), die auf dem Kasernen-Areal der Deutsch- Französischen Brigade in Müllheim als starkes Zeichen für die tiefe Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich.
Kunst in seiner Heimatstadt Zell
Dass Zell im Schaffen des Künstlers eine herausragende Rolle spielte, zeigt sich bei dieser Aufzählung der Arbeiten, die Walter Haaf für Unterentersbach gefertigt hat: Die trauernde Frau, der Nikolausbrunnen, der pflügende Bauer.
Auf der Gemarkung der Stadt Zell beginnt die Aufzählung der Exponate mit dem Narrenbrunnen, dem „Holzrelief“ im Storchenturmmuseum, das Wandbild „Alte Stadt“, dem Außenwand-Gemälde „Zeller Roßgass“ und dem „Historikerbrunnen“ beim Hirschturm mit den Figuren der Zeller Historiker. Weiter geht’s mit dem vielbeachteten Relief „Goldesel“, mit der Begegnung bei der Sparkasse, sowie dem berühmten Paar „Hahn und Henne“ beim Rundofen und endet beim „Dörflebrunnen“.
Zu den viel besuchten Zeller Kunstwegen gehören die beiden Bronzeplastiken „Das Paar von 1963“ und die „Donna con Abito Lungo“. Für den aufmerksamen Betrachter zeigt sich zwischen beiden Arbeiten, wie innerhalb von 70 Jahren eine phänomenale bildnerische Entwicklung des Künstlers zu erkennen ist, die zum Betrachten und Staunen anregt.
Auch in Unterharmersbach zeigt Walter Haaf sein Können und sein Werk. Im Klostergarten steht die Granitplastik „Franziskus spricht mit den Vögeln“ und vor dem Rathaus plätschert der Brunnen aus Bronze „Sankt Gallus mit dem Bären“.
Zusammenfassend kann man sagen, dass die 18 künstlerischen Arbeiten des Bildhauers Walter Haaf prägend für das Zeller Stadtbild sind.
Im Lauf der Jahrzehnte entstanden auch viele Illustrationen. Besonders hervorzuheben sind die Geschichten von Hans-Peter Wagner im Kalender 850 Jahre Zell, sowie die ausdruckstarken Aquarelle im Heimatbuch von Unterentersbach von Thomas Kopp. Beide Bücher sind leider ausverkauft. Auch die Mundartbücher, die im Verlag Schwarzwälder Post erschienen sind, wurden von Walter Haaf illustriert. Das Mundartbuch II ist noch erhältlich.





