Wenn Können und pannenbedingte Comedy für Unvergessliches sorgen

Standing Ovations für „Die vier Lichter der Weihnacht“: Die Trompeten- und Sangeskunst von „Felix der Glückliche“ im Duett mit der Erzähl- und Improvisationskunst Michaela Neubergers ließen die vollbesetzte Pfarrkirche jubeln.

 

Nicht nur um Musik zu hören, sondern um etwas zu spüren, das tiefer gehe als jeder einzelne Ton – „dafür sind wir heute zusammengekommen“, begrüßte Felix Huber am vergangenen Samstagabend weit über 600 Menschen in der vollbesetzten Pfarrkirche St. Symphorian.

„Weihnachten, das ist die Zeit, in der die Welt für einen Moment stiller stehen sollte“, fuhr „Felix der Glückliche“ fort. Eine Zeit, in der wir uns daran erinnerten, was wir oft zu leicht vergäßen, nämlich dass es Lichter gebe, die heller leuchten als jedes – resümierte der Oberharmersbacher Sänger und Trompeter und leitete damit zum Motto des weihnachtlichen Abends mit Musik und Geschichten über.

Die Geschichtenerzählerin Michaela Neuberger, ebenfalls aus Oberharmersbach, ließ eine Erzählung über vier Kerzen folgen. Diese stehen jeweils für Liebe, Frieden, Freiheit und Menschlichkeit. Die ersten drei Kerzen erlöschen, die Menschlichkeit aber entzündet sie wieder neu, Und so lebt auch die Hoffnung weiter: „Denn in jedem Menschen steckt die Kraft, Liebe zu schenken, Frieden zu schaffen und Freiheit zu bewahren.“

Besondere Klänge, gemeinschaftliches Singen

Diese vier Lichter wollte das Duo am Samstagabend gemeinsam für seine Zuhörer entzünden. Jedes Lied und jede Geschichte sollte ein kleines Feuer sein, das Licht in die Dunkelheit bringt, Trost schenkt, Freude weckt und Hoffnung verbreitet. „Lasst uns gemeinsam diesen Abend feiern – nicht nur mit Musik, sondern mit unserem Herzen“, hieß es zur Einstimmung, „mögen die vier Lichter von Weihnachten heute Abend in uns allen leuchten.“

Und das taten sie, strahlend hell in der heimelig beleuchteten Kirche. Die stimmungsvolle Dekoration im Altarraum – passend zum Motto mit vier großen Kerzen, Lesesessel und Leselampe – tat ihr übriges.
Musikalisch ging es los mit „Winter Wonder World“, zu eingespieltem Playback von Felix Huber ebenso schwungvoll wie einfühlsam auf der Trompete präsentiert. Ein zweiter internationaler Weihnachtssong folgte. Die Art, wie der strahlende Klang des Blechblasinstruments das große Kirchenschiff füllte: Ein akustisches Erlebnis ganz besonderer Art.

„Das ist Liebe“

Daraufhin verlegte sich der Musiker aufs Singen, „Süßer die Glocken nie klingen“ stand auf dem Programm. Seiner vorhergegangenen Bitte, ihn kräftig zu unterstützen, kam das Publikum nur zu gerne nach, eine große Leinwand sorgte für Textsicherheit. So gut funktionierte es, dass Felix Huber meinte: „Ich spiel wieder die Trompete, Ihr singt weiter.“ Und auch das lief bestens, klang ob des gemeinschaftlichen Einsatzes hunderter von Kehlen obendrein sehr berührend. „Perfekter Chorgesang“, freute sich „der Glückliche“. Michaela Neuberger stimmte ihm zu: „So henn mir uns des vorgestellt, gell?“

In diese feierlich getragene Stimmung passte die Geschichte über einen alten Weisen namens Elia, der einer jungen Frau zeigt, dass das wertvollste Geschenk Zeit und Präsenz ist. Daraufhin teilt sie zu Weihnachten Erinnerungen mit ihrer Familie, bereitet so ein Fest des Herzens.

Auf diese Weise wechselten sich berührende Geschichten ab mit internationalen Songs und deutschen Weihnachts- oder thematisch passenden Liedern – mal von Felix Huber auf der Trompete intoniert, mal von ihm oder vom Publikum gesungen. Auch selbst komponierte und getextete Songs trug er vor, darunter „Das ist Liebe.“

Dieses Stück hatte der Familienvater zur Hochzeit seines Sohnes geschaffen, die tiefen Emotionen auch bei den Zuhörern ließen sich nahezu mit den Händen greifen. Michaela Neuberger hielt es nicht mehr auf ihrem „Lesesessel“. Sie erhob sich und küsste den Sänger auf die Wange, freundschaftlich-sachte, doch tief gerührt. Und weil ihr Mann Lothar in der ersten Reihe saß, flitzte sie sie die Stufen des Altarraums hinab und gab auch ihm einen Kuss.

Mistelzweig-Küsse

Damit allerdings sollte mit dem Küssen noch lange nicht Schluss sein – warum auch, angesichts des bevorstehenden Festes der Liebe: Nur wenig später nahm die Geschichtenerzählerin einen langen Stab in die Hand, an dessen Ende ein Mistelzweig festgebunden war. Damit lief sie zu weihnachtlichen Trompetenklängen durch die Kirche, und wann immer sie nach Gutdünken den Zweig über die Köpfe zweier Menschen hielt, hieß es: „Küsst Euch“. Entsprechend heiter war die Stimmung nun.

Dass sie schließlich in helles Vergnügen und schallendes Gelächter umschlug, war einer technischen Panne zu verdanken – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn als zum Start eines Songs plötzlich der Playback-Ton wegblieb, begann Michaela Neuberger zur Überbrückung der Pause spontan zu „tanzen“. Ohne Musik und auf herrlich unkonventionelle, weil gewollt unbeholfene Art. So lange, bis Felix Hubers Sohn Sascha als Technikbeauftragter des Problems Herr geworden war.

Spontaner Running Gag

Glücklicherweise trat das Problem fortan mit beinahe zuverlässiger Regelmäßigkeit zu Beginn eines jeden musikalischen Vortrags auf. Da half Michaela Neuberger alles Jammern nicht. Ihr „Tanzen“ samt flugs improvisierter Verbaleinlagen zur Überbrückung der pannenbedingten Pausen wurde zu einem Running-Gag, den das Publikum feierte und teils gar lautstark einforderte: schräg, doch Altarraum-gemäß feierlich. Kurzum: Urkomisch.

Die humorige Moderation der beiden Entertainer tat ihr Übriges, und bei dem Song-Klassiker „Feliz Navidad“ (deutsch: Fröhliche Weihnachten) sang die gesamte Kirche nicht nur mit, sondern klatschte zudem fröhlich-ausgelassen im Takt.

Doch noch immer gab es Raum für Berührendes, Nachdenkliches. Wie beispielsweise bei der Geschichte „Liebes Christkind“, die darum bittet: „Zeige den Kindern, dass der Himmel in ihnen ist.“ Oder wie bei einer Erzählung, in der ein Kind Frieden durch Versöhnung im Kindergarten erfährt und lernt, dass Hoffnungslichter durch kleine Taten entzündet werden können. Oder wie bei Felix Hubers selbstgeschriebenem „Friedenslied.“

Selbst komponiertes Friedenslied

Dieser emotionale Popsong war in der Fasend 2025 entstanden, als der Musiker krankheitsbedingt das Bett hüten musste. Das Werk will ein Zeichen setzen für Zusammenhalt, Hoffnung und Menschlichkeit. „Es gibt 1000 Friedenslieder“, so der 57-.Jährige, der nach eigenen Angaben seit 40 Jahren Musik macht, „aber man kann nie genug davon singen.“

Zum Ende der rund 100-minütigen Veranstaltung betonte er: „Musik hat die Kraft Mauern einzureißen, die wir manchmal um unsere Herzen bauen.“ Michaela Neubauer ergänzte: „Möge das Licht, das wir heute entzündet haben, nicht mit dem letzten Ton verlöschen. Möge es uns begleiten in den Alltag, in die kommenden Tage und hinein in das neue Jahr.“

Mit dem Weihnachtslied „Frohe Weihnacht“ – ebenfalls selbst geschrieben – und einem gemeinsam mit dem Publikum angestimmten „Stille Nacht, heilige Nacht“ verabschiedete sich das Duo schließlich. Die begeisterten Zuhörer dankten jubelnd mit lang anhaltenden Standing Ovations, was sich nach der Zugabe potenziert wiederholte.