Erneute Kostensteigerungen bei der geplanten Aufweitung der Brucher-Dol-Eisenbahnunterführung zwingen die Gemeinde zum Handeln. Das „Jahrhundertprojekt“ wird abgespeckt.
Die Gemeinde steht bei der geplanten Aufweitung der Eisenbahnüberführung „Brucher Dol“ vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. Vor dem Hintergrund erneut stark gestiegener Kosten und einer angespannten Haushaltslage hat sich der Gemeinderat nun einstimmig für eine abgespeckte Kompromisslösung ausgesprochen.
„Jahrhundertchance“ für die Gemeinde
Die Beseitigung des Nadelöhrs in der Brucher Straße ist schon lange ein sehnlicher Wunsch. Dynamik kam in die Angelegenheit, als die Deutsche Bahn damit begann, bundesweit ihre Eisenbahnbrücken zu untersuchen und schrittweise zu erneuern. Auch die mittlerweile 110 Jahre alte Brucher-Dol-Eisenbahnbrücke steht zur Sanierung an. In diesem Zuge ergab sich für die Gemeinde die einmalige Chance die darunter liegende schmale Unterführung an künftige Bedürfnisse anzupassen.
Deshalb hatte der Gemeinderat bereits im November 2021 eine umfassende Erneuerung und Aufweitung der Unterführung beschlossen und eine entsprechende Kreuzungsvereinbarung mit der Deutschen Bahn abgeschlossen. Geplant waren eine Durchfahrtshöhe von über 4,50 Metern sowie eine Gesamtbreite von mehr als 9,50 Metern, einschließlich Fahrbahnabsenkung, Grundwasserwanne, Gehweg und einer zweiten Fahrspur zur Ermöglichung von Begegnungsverkehr. Die inzwischen aktualisierte Kostenprognose vom Juni 2025 beziffert die Gesamtkosten dieser „großen Lösung“ auf rund 8,56 Millionen Euro brutto. Der gemeindliche Anteil hätte sich dabei auf knapp 6,82 Millionen Euro belaufen – eine Steigerung von rund 1,27 Millionen Euro gegenüber der früheren Kostenschätzung nach Berücksichtigung des Vorteilsausgleichs.
Reduzierung auf eine Fahrbahn – aber mit Gehweg
Angesichts dieser Entwicklung sieht die Gemeinde die bisherige Planung finanziell nicht mehr als darstellbar an. Ein vollständiger Ausstieg aus dem Projekt hätte jedoch zur Folge gehabt, dass die Deutsche Bahn InfraGO lediglich die Eisenbahnbrücke saniert und die Unterführung in ihren bestehenden Abmessungen belassen hätte – ohne Verbesserung für Fußgänger und Radfahrer. Eine Verbreiterung der Unterführung wäre für Jahrzehnte nicht mehr möglich gewesen. Stattdessen suchte die Gemeindeverwaltung in etlichen Gesprächen mit der Deutschen Bahn AG nach Alternativen. Der nun beschlossene Kompromiss sieht vor, die Eisenbahnunterführung auf eine Breite von 6,10 Metern und eine Höhe von 3,60 Metern aufzuweiten. Geplant ist auf der Südseite ein 2,30 Meter breiter Gehweg, auf der Nordseite ein 30 Zentimeter breites Schrammbord. Die Fahrbahnbreite bleibt einspurig bei 3,50 Metern Breite.
Diese Lösung bringt deutliche Sicherheitsgewinne mit sich. Der neue Gehweg verbessert insbesondere die Situation für Fußgänger und Schulkinder im Rahmen des Schulwegeplans. Das Schrammbord erhöht die Sicherheit für Radfahrer bei der Querung der Unterführung. Zudem können künftig Feuerwehrfahrzeuge die Eisenbahnüberführung im Einsatzfall nutzen.
Förderung möglich
Die Deutsche Bahn InfraGO schätzt die Gesamtkosten dieser Variante auf rund 3,69 Millionen Euro brutto. Der gemeindliche Kostenanteil reduziert sich dabei auf etwa 2,28 Millionen Euro. Nach Abzug des vorgesehenen Vorteilsausgleichs verbleibt für die Gemeinde ein Betrag von rund 1,25 Millionen Euro. Darüber hinaus besteht die Aussicht auf Fördermittel nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG). Für den neu herzustellenden Gehweg könnte eine Förderung von bis zu 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten möglich sein. Entsprechende Gespräche mit dem Regierungspräsidium Freiburg laufen bereits. Zusätzlich prüft die Verwaltung weitere Fördermöglichkeiten, unter anderem aus Bundesmitteln sowie aus dem Ausgleichsstock des Ortenaukreises.
Großes Lob an die Verwaltung
Bau-Fachbereichsleiter Matthias Becker erläuterte, dass die maßgeblichen Kostensteigerungen auf die Absenkung der Fahrbahn entfallen. Deswegen müsste eine Wanne in den Boden eingebracht werden, welche das Grundwasser zurückhalten und so eine Überschwemmung der Unterführung verhindern würde. Durch die nun vorgesehene Reduzierung der Durchfahrtshöhe entfällt diese Maßnahme. Allerdings müssten die Planungen komplett neu angestoßen werden, lediglich die Gutachten aus der bisherigen Planung könnten weiter verwendet werden.
In der anschließenden Diskussion kam der vorgeschlagene Verwaltungskompromiss sehr gut an. Gemeinderat Frank Becherer (FW) brachte es auf den Punkt: „Wir bekommen nun, was wir schon immer wollten. Eine breitere Unterführung und einen sicheren Schulweg“. „Richtig froh“ war auch Hubert Scharffenberg (SPD). In Anbetracht des erwarteten Bevölkerungszuwachses in den nächsten 10 bis 20 Jahren sei der Gehweg durch die Unterführung dringend notwendig. Als direkter Anlieger konnte auch Markus Heizmann (CDU) dem gefundenen Kompromiss zustimmen. Eine zweispurige „Autobahn“ hätte nur neue Gefahren gebracht. „Mit der jetzigen Haushaltslage geht nur hop oder top“ stellte Sigrid Armbruster (CDU) klar. Der Verwaltung zollte sie ein hohes Lob dafür, den Kompromiss mit der Bahn vorbereitet zu haben. „Dieses Bauwerk ist finanzierbar und realisierbar“ signalisierte auch Philipp Smithson (FW) seine Zustimmung.
Einstimmiges Votum
Der Gemeinderat sprach sich einstimmig für die abgespeckte Kompromisslösung aus. Der Beschluss steht unter dem Vorbehalt, dass eine Förderung nach dem LGVFG in Aussicht gestellt werden kann. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Kreuzungsvereinbarung mit der Bahn entsprechend anzupassen. Die endgültige Beratung und Beschlussfassung hierzu ist für die Gemeinderatssitzung am 19. Januar 2026 vorgesehen.





