Kurzfristig umsetzbare Testlösung machbar? Jugend- und Kulturverein diskutierte mit Bürgermeister Günter Pfundstein auf der Mitgliederversammlung. Generell sucht der Vorstand nach neuen Wegen und jungen Aktiven.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Foto: Inka Kleinke-Bialy
„Wir würden gerne den Mitgliedsbeitrag von aktuell zehn Euro pro Jahr vorerst aussetzen – um uns als Vorstand und Verein die Chance zu geben, uns neu zu orientieren.“ Das schlug Sebastian Mayer, Vorsitzender im „Jugend-Kultur Verein Zell e.V.“ (JUKU), bei der jüngsten Mitgliederversammlung vor. Mit der Begründung: „Derzeit passiert nicht viel mit dem Geld.“
Sein Vorschlag wurde angenommen. Gerade einmal acht Menschen hatten sich am vergangenen Freitagabend in einem Seminarraum der Klosterbräustuben versammelt, allesamt obendrein längst erwachsen. Auch dieser Umstand verdeutlichte: Der Verein steckt in einer Sinnkrise. Und aus der möchte er wieder herauskommen.
Ursprünglich sei der Mitgliedsbeitrag initiiert worden, um kulturelle Veranstaltungen für Jugendliche auf die Beine zu stellen, so der Vorsitzende, „aber die meisten unserer Aktivitäten sind nicht unbedingt mit diesem Siegel zu bewerten.“ Sein Tätigkeitsbericht für das Jahr 2024 beinhaltete Folgendes: Im Februar hatte JUKU den „Fasendbunker“ ins Leben gerufen, geöffnet für junge Menschen ab zehn Jahren. Bewirtung und Aufsicht übernahmen Eckwaldbuben und Dörfle-Jugend.
„Ein reiner Jugendclub, wie eigentlich beabsichtigt, war es dann aber doch nicht“, räumte Sebastian Mayer ein. Da es mittlerweile nicht mehr so viele Bars in Zell gebe, „rennen halt auch die Älteren in den Bunker“ – insgesamt gesehen sei es jedoch eine gute Mischung gewesen.
„… sehr erschüttert“
Das FIFA-Playstation-Turnier, das im März hätte stattfinden sollen, musste aufgrund von lediglich vier Anmeldungen abgesagt werden. „Das hat uns sehr erschüttert, denn im Jahr davor hatten wir 32 Anmeldungen, also 64 Spieler.“
Die Ursache sah der Vorsitzende darin, dass der Vorstand diesmal keine persönliche Werbung betrieben, sondern auf die Kommunikation rein über WhatsApp-Gruppen vertraut hatte. In der Hoffnung, dass junge Interessenten von sich aus das Event pushen, „das hat leider nicht so gut funktioniert.“ Diese Erfahrung verdeutliche, dass trotz ursprünglich positiver Resonanz immer wieder Probleme mit der Ansprache der Jugendlichen auftauchen. Es sei wichtig, Angebote direkt und zielgruppengerecht zu gestalten und die Jugendlichen stärker in die Initiative einzubinden.
Die Kino-Kino-Reihe zeigte von April an sechs Filme (jeweils ein Kinderfilm um 17 Uhr sowie ein Hauptfilm um 19.30 Uhr). Im Juni fand das „Bock-auf-Rock-Festival“ statt: Unter den 300 Teilnehmern befanden sich allerdings größtenteils Fans, die von den jungen Bands „sozusagen mitgebracht worden waren“. Im Dezember ´24 sorgte der donnerstägliche „Weihnachtshirsch“ mit jeweils rund 100 Besuchern für einen vollen Platz beim Hirschturm. In diesem Jahr wird nicht JUKU die Veranstaltung organisieren, sondern der neu gegründete Förderverein „Groß für Klein“. Dessen Homepage benennt als Ziel: „Gemeinsam Großes für unsere Kleinen bewegen.“
Wohin mit dem Geld?
Der Inhalt der auch aufgrund einer sehr großzügigen Spende prall gefüllten und ebenso gut geführten JUKU-Kasse soll für künftige Projekte verwendet werden. Hierzu präsentierte Sebastian Mayer einige Vorschläge: Halloweentour im Storchenturm, Völkerballturnier, Outdoortreff in Form eines Bikeparks (im Bürgerpark), Kulturladen.
Nach der einstimmigen Entlastung des Vorstands stellte Sebastian Mayer das derzeitige Konzept von Jugendcommunities vor. Diese sollen das eher steife, streng organisierte Konzept eines klassisch gewählten Jugendgemeinderats ablösen und dennoch ihre Themen beim Gemeinderat einbringen können. Darüber hinaus war ein Jugendausschuss angedacht – als ein zwischengeschaltetes Gremium, das die Themen zunächst einmal filtert, einstuft und überlegt, ob und wie man sie im Gemeinderat präsentieren kann.
Jugend: Ausschuss, Forum, Treff
Das erste Mal tagte der Jugendausschuss im vergangenen Dezember – zwei Jugendliche hatten die Initiative ergriffen, hinzukam ein JUKU-Vertreter. „Es wurde beschlossen, dass Zell eine Jugendsozialarbeiterin braucht sowie einen Jugendtreff. Und vorangestellt sollte es ein Jugendforum geben, in dem Jugendliche ihre Belange einbringen können“, resümierte der JUKU-Vorsitzende.
Vier Monate später fand das erste Jugendforum mit 70 bis 80 auch jüngeren Jugendlichen vor allem von der Zeller Schule statt, freute er sich, „das war ein großer Erfolg.“ Da man mit Lisa Dold nun tatsächlich „auf die Schnelle eine tolle Jugendsozialarbeiterin“ gefunden habe und es damit auch mit dem Jugendtreff vorangehen könne, laufe es für die bis 15-Jährigen aus dem Zeller Raum gerade gut.
Räumlichkeiten für Ü16-Jährige fehlen
Doch Sebastian Mayer mahnte: Nicht so rosig sehe es für ab 16-Jährige und junge Erwachsene aus, was Treffpunkte und Veranstaltungen angehe – auch vor dem Hintergrund rückläufiger Gastronomie. „Den älteren unter den Jungen werden wir nicht gerecht“, bedauerte der Vorsitzende, „da gibt es in Zell ein großes Loch“. Auch habe der Jugendausschuss seither nicht mehr getagt, dessen Existenz er jedoch nach wie vor für notwendig erachte.
Im kommenden Frühjahr wird die JUKU-Generalversammlung für das Jahr 2025 abgehalten. Angesichts der dann anstehenden Vorstandswahlen wird es auch darum gehen, wie es mit dem 72-Mitglieder-Verein weitergeht, was man mit dem Geld in der Kasse mache, ob der Verein sich unter Umständen auflöst. Zum einen liege das an den personellen Ressourcen, so der Vorsitzende, „die meisten von uns haben inzwischen Kinder“. Zum anderen brauche man mehr das Gefühl, tatsächlich gebraucht zu werden, lauteten Wortmeldungen der Vorstandskollegen, offenbar könne man aufgrund des inzwischen erreichten eigenen Alters die Zielgruppe nicht mehr erreichen.
Weitere Verjüngung nötig
Kurzum: Der Vorstand möchte die Geschicke des Vereins der nächsten Generation übergeben. „Im Vergleich zu dem Vorstand vor uns, der den Verein auch gegründet hatte, haben wir uns durchschnittlich um 20 Jahre verjüngt“, erläutert Sebastian Mayer. „Aber wir merken nun: Es wäre viel besser, wenn die Kernzielgruppe selbst den Verein macht.“ In erster Linie werde der JUKU als Verein wahrgenommen, der Kulturveranstaltungen durchführe, „aber dazu muss man bei der Zielgruppe, den jungen Leuten, direkt dran sein.“
Angesichts einer erforderlichen Neustrukturierung möchte JUKU neue Mitglieder anwerben, die Interesse daran haben sich aktiv einzubringen. Ab einem Alter von 18 Jahren kann man sich in den Vorstand wählen lassen, Jüngere (ab 16 Jahre) benötigen die Zustimmung der Eltern. „Uns geht es eigentlich darum, dass die Jugendlichen selber ins Tun kommen“, fasste Sebastian Mayer zusammen, „aber wir unterstützen gerne mit unserem Know-How.“
„Kulturladen!“
Breiten Raum nahm die Diskussion um das Konzept eines möglichen „Kulturladens“ ein – als Eventlocation für verschiedene Alters- und Zielgruppen, in Form einer gemeinnützigen Einrichtung.
Vor zwei Jahren bereits äußerte Sebastian Mayer die Idee, einen solchen Kulturladen mit Theke und kleiner Bühne auf dem Areal der früheren Keramikfabrik aufzuziehen. 2021 hatte die Stadt das Gelände gekauft, seit 2023 ist sie Eigentümerin. Kleinkunst und Konzerte, aber auch Veranstaltungen wie Beer Tastings und Quizabende könnten dort stattfinden, um nur einige wenige Beispiele zu nennen. Desgleichen würde sich die Location für Integrationsthemen und Seniorenthemen anbieten, für all das gebe es viel Bedarf.
Er könne sich auch vorstellen, so der Vorsitzende, „dass wir uns als Verein komplett umwandeln und rein auf so einen Kulturladen konzentrieren.“ Er selbst wäre hoch motiviert bei der Sache, sofern er ebenso motivierte Mitstreiter fände und die Stadt grünes Licht gäbe.
Letzteres ist laut Bürgermeister Günter Pfundstein derzeit nicht möglich, da noch nicht klar sei, was genau auf diesem Areal passiert. „Es ist noch alles offen, aber als Zwischenlösung kann man sich was denken.“ Der JUKU-Vorsitzende plädierte vehement dafür, die nächsten Jahre, in denen das Areal sicherlich noch nicht umgebaut werde, als Testphase für einen Kulturladen zu nutzen – auch im Hinblick auf die Auswirkungen möglicher Lärm-Emissionen. „Dann sehen wir, ob es gut läuft oder nicht.“ Große Investitionen dafür seien nicht nötig.
Evangelisches Pfarrheim als Jugendraum
Bürgermeister Pfundstein (die Stadt ist Mitglied im JUKU) wies darauf hin, dass das evangelische Pfarrheim dem Jugendforum zur Verfügung stehe, dafür sei im nächsten Haushalt das ein oder andere eingeplant. „Hier kann sich JUKU zusätzlich einbringen“, regte er an.
Lisa Dold, die ab Dezember das Amt der städtischen Jugendsozialarbeiterin ausüben wird, meinte dazu: „Ich glaube, wenn junge Menschen einen Raum haben, um sich auszutauschen, dann entstehen auch die Bedarfe und das Interesse daran – auch wieder ein Bedürfnis – sich zu beteiligen. Seit Corona ist da überhaupt auch gar kein Bild mehr davon, was es eigentlich heißt, so etwas tun.





