Immer mehr leere Schaufenster prägen das Zeller Städtle. Im Gemeinderat wächst die Sorge, dass der Leerstand das Bild der Innenstadt dauerhaft schädigt.
Bei der Gemeinderatssitzung am Montagabend kam ein Thema auf, das gar nicht auf der Tagesordnung stand: der Leerstand im Städtle. Am Ende der Sitzung sprach Gemeinderätin Sybille Nock das Problem unter „Verschiedenes“ an. Sie sagte: „Die vielen leeren Geschäfte und die tristen Schaufenster sind ein schlimmes Bild.“ Nock fragte Bürgermeister Günter Pfundstein direkt, ob die Stadt Geld einsetzen könne, um die Schaufenster ansprechend zu gestalten.
Bürgermeister Günter Pfundstein sagte, der Leerstand sei ein großes Problem. Helfen könne vor allem eins: in Zell einkaufen. Das Stadtmarketing stehe bereits in Kontakt mit dem Handels- und Gewerbeverein (HGV). Dieser brauche aber die Unterstützung aller Geschäfte. „Alle Einzelhändler sollten Anzeigen schalten, um gegenzusteuern“, betonte Pfundstein. Gemeinderat Thomas Hoog schlug vor, zuerst mit den Hauseigentümern zu sprechen. Hannes Grafmüller warnte: „Leerstand zieht weiteren Leerstand nach sich.“ Er sieht die Stadt in der Pflicht. Sybille Nock blickte in die Zukunft: Wenn auch das Schuhhaus Theobald geschlossen ist, werde die gesamte Häuserreihe noch trostloser wirken.
Bürgermeister Pfundstein erinnerte daran, dass die Stadt schon vor zehn Jahren mit der sogenannten Standortampel auf Probleme hingewiesen und ein Einzelhandelskonzept erarbeitet habe. Außerdem habe es das Landesprojekt „Sommer in der Stadt“ gegeben: Mit Sitzmöbeln auf dem Kanzleiplatz wollte man tagsüber mehr Leben in die Innenstadt bringen. Doch die Aktion sei an sehr heißem Wetter gescheitert und von manchen Bürgern falsch verstanden worden.
Pfundstein stellte klar: „Die Stadt entscheidet nicht, wie Geschäfte ausgestattet sind oder welche Läden einziehen.“ Auch hohe Mieten könnten das Risiko für Unternehmer erhöhen. Den Vorschlag von Sybille Nock, leere Schaufenster mit Transparenten zu bestimmten Themen zu gestalten, wolle er aber weiterverfolgen.
Vergabe Zimmererarbeiten für das Rathausdach
Der Gemeinderat hatte im Juli die Sanierung des Daches auf dem Rathaus in Unterharmersbach beschlossen. Die Ausschreibung hat mittlerweile stattgefunden. Bendler Holzbau aus Nordrach gab das wirtschaftlichste Angebot ab. Die Maßnahme soll bis Ende November fertig gestellt sein, damit Ende Dezember der Umzug der Kindergartenkinder in das Obergeschoss des Rathauses erfolgen kann. Der Gemeinderatsbeschluss, der Fa. Bendler den Zuschlag zu erteilen, erfolgte einstimmig.
Priorisierung der Förderanträge
Das Land Baden-Württemberg hat das Jahresprogramm 2026 zum Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) ausgeschrieben. Förderschwerpunkte sind die Bereiche Wohnen und Ortskernentwicklung. Zwei Förderanträge sind eingegangen: Martin Bihrer, Buchhöfe 32 in Oberentersbach beantragt die Förderung für Umbau und umfassende Modernisierung der bisher leerstehenden Wohnung in seinem Erdgeschoss des landwirtschaftlich Bestandsgebäudes zu einer selbstgenutzten Betriebsleiter-Wohnung für den Hofbesitzer und seine Familie. Ivonne von Kopp-Ostrowski, Oberentersbacher Straße 14a in Zell beantragt die Förderung für die Umnutzung des Dachgeschosses zu einer dritten Wohneinheit zwecks Vermietung sowie die Modernisierung eines Teilbereichs der eigengenutzten Wohnung im Erdgeschoss.
Die eingegangenen ELR-Anträge sind von den Kommunen gegenüber dem egierungspräsidium zu priorisieren. Der Gemeinderat fasste nach kurzer Diskussion den Entschluss, Antrag 1 die Priorität 1 einzuräumen, da wohnraumschaffende Maßnahmen zur Regelung der Hofnachfolge eine höhere Priorität eingeräumt wird gegenüber Maßnahmen zur Fremdvermietung.
Firmenfitness für die Verwaltung
Die Stadt Zell führt ab Oktober 2025 das Firmenfitnessprogramm E-GYM Wellpass für interessierte Mitarbeitende der Verwaltung als Pilotprojekt ein. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre und der Gemeinderat stellt dafür 13.000 Euro zur Verfügung. Das Angebot umfasst den Zugang zu öffentlichen Sport- und Wellnesseinrichtungen in der Nähe des Wohnorts, Live- und Online-Kurse (Ernährungsbe-ratung, Entspannungstechniken, Mentalcoaching etc.) sowie einfache App-Steuerung. Der E-GYM Wellpass wird vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer finanziert. Der Arbeitgeberanteil beträgt 27,60 Euro, der Arbeitnehmeranteil 34,90 Euro. 40 Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben sich angemeldet. Corinna Hug-Schneider ist dort für das Gesundheitsmanagement zuständig. Sie beantwortete die Fragen der Gemeinderäte zu diesem Thema. „Das Geld ist sinnvoll angelegt“, warb Bürgermeister Pfundstein für das Vorhaben. Der Gemeinderat beschloss anschließend mehrheitlich, das Projekt umzusetzen.
3,75 Prozent Zinsen
Der kalkulatorische Zinssatz dient dazu, die Kontinuität der Gebührenrechnung zu gewährleisten und ist wichtig für die Gebührenkalkulation. Bürgermeister Pfundstein erklärte ausführlich die Bedeutung des finanztechnischen Instruments.
Alle Gemeinderäte stimmten für den Zinssatz von 3,75 Prozent ab dem 1. Januar 2026.
Aufzug defekt
Gemeinderat Simon Esslinger berichtete von dem defekten Aufzug im Gebäude des alten Spitals. Der Aufzug zur Hausarztpraxis Dr. Stettin sei seit zwei Monaten defekt. „Dieser Teil des Gebäudes gehört dem Landratsamt“, erklärte Bürgermeister Pfundstein. „Der Eigentümer ist in der Pflicht, nicht die Stadt“, betonte Pfundstein. Er wisse aber um die Angelegenheit und habe hierzu am 7. Oktober einen Gesprächstermin mit dem Landratsamt, erklärte er.
Bürgerfrageviertelstunde
Bürger Stefan Hammermeister wandte sich mit zwei Anliegen an die Verwaltung. Der Wartesaal beim Biberacher Bahnhof ist wegen Vandalismus und Verschmutzung geschlossen. Zunächst sei die Schließung nur vorübergehend gewesen, jetzt aber von Dauer. „Kann die Bahn das bestimmen und einfach den Wartesaal schließen?“ fragte Hammermeister. Zu Beginn der
kalten Jahreszeit sei dies nicht in Ordnung, kritisierte er.
Bürgermeister Pfundstein entgegnete, dass der die Deutsche Bahn als Eigentümerin des Gebäudes vermute. Er werde das Thema bei der Gemeinde Biberach ansprechen.
Zudem sprach Bürger Hammermeister ein Feuerwehrauto an, dass seit längerer Zeit beim Streusilo des Bauhofs abgestellt sei. Bürgermeister Pfundstein hatte keine Kenntnis davon und erklärte, dass dies Sache der Feuerwehr sei.




