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Zell am Harmersbach | 20.08.2025

Bisweilen eine furiose Hatz durch die Musikgeschichte

Foto:
Pianistin Annette Hölzl und Singer/Songwriter YanniNoah gestalteten die Sommermusik am vergangenen Mittwoch. Foto: Archivfoto: Verantstalter
von Hansjörg Wörner

Duo mit ungewöhnlichem Stil- und Genremix überzeugte bei der 7. „Sommermusik“ in der evangelischen Kirche.

Wenige Takte eines rasanten Klavierintros mit deutlichen Anklängen an Ravels „Bolero“ im Boogie-Woogie-Stil, befeuert von einem pulsierenden Drum & Bass -Sample von der Bandmaschine machte sofort klar, wie Pianistin Annette Hölzl und Singer/Songwriter YanniNoah ihren Parforceritt durch die Musikgeschichte anlegten, nämlich als eine Jagd nach musikalischen Höhepunkten von der Antike bis in die Moderne.

Dazwischen gab es auch Ruhepausen, in denen das Duo als „Mrs. Holmes“ und „Dr. Watson“ musikhistorischen Kuriositäten nachspürte und diese humorvoll unter die „Detektivlupe“ nahm. Für weitere Abwechslung am Mittwochabend sorgte YanniNoahs Rap-Performance.

Virtuoses Pianospiel und pralle Beats

Folgt man Annette Hölzls Darstellung, so hatten schon die alten Griechen vor zweieinhalbtausend Jahren unter anderem ein bis heute gültiges harmonisches Gerüst geschaffen, das man unter der Bezeichnung „Ostinato“ kennt. In Bachs Geigenpartititen genauso zu finden wie in Carl Orffs „Carmina Burana“.

Annette Hölzl demonstrierte das an den Tasten hochvirtuos mit einem eigenwilligen Potpourri, in dem so unterschiedliche wie eingängige Melodiefragmente erklangen: „Greensleeves“, „Nights in white Satin“, „Cold as Ice“, um nur einige zu nennen.

Mit prallen Beats der Drum-Machine und auch vierhändig am Klavier legte das Duo noch eine Schippe drauf und machte aus Ray Charles‘ „Hit the Road Jack“ eine mit jazzigen Ornamenten verzierte Soul-Nummer. Enthusiastischer Beifall erfüllte den Kirchensaal, der an diesem heißen Sommerabend nicht ganz gefüllt war.

Nachdenklicher gestimmt, aber musikalisch nicht weniger dynamisch und ausdrucksstark präsentierte sich YanniNoah mit dem gerappten „Ich hab‘ so viele Gesichter“. Anstatt wie im Pop und Rock durchgehend zu singen, wird beim Rap der Text sprechend und singend und betont rhythmisch vorgetragen. YanniNoah überzeugte mit einem swingenden Flow und teils gereimten, wortspielreichen Wendungen.

Der Papst, der Choral und die Rock-Musik

Hat Papst Johannes XXII. Anno 1324 mit einer päpstlichen Bulle wirklich die Musik verboten? Was ist dran an der oft verkürzt und zugespitzt kolportierten Erzählung über das damalige Kirchenoberhaupt? Der Vatikan missbilligte zu jener Zeit die „Ars nova“ – neue harmonisch komplexe und mehrstimmige Klänge, die eher der Erbauung und Unterhaltung dienten als der Liturgie. Der schlichte gregorianische Choral sollte deshalb Vorrang haben.

Folglich wandte sich das Volk den Vaganten und Spielleuten zu, die frei und munter musizierten und auch in ihren Gesängen kein Blatt vor den Mund nahmen: „Nicht gerade Sex an Drugs and Rock’n’Roll“, scherzte Annette Hölzl, aber die Vorträge seien deftig und deutlich genug gewesen. Als wollte sie das unterstreichen, setzte sich Hölzl ans Klavier und hämmerte ein rockiges „Get your kicks on Route 66“ in die Tasten, nahtlos übergehend in das unsterbliche Intro von „I can’t get no Satisfaction“, das auch nach 60 Jahren noch fasziniert.

Plagiat in der Kunst und ein musikalisches Rätsel

„Gute Künstler kopieren, großartige Künstler klauen“, soll der große spanische Maler Pablo Picasso gesagt haben. Etwas prosaischer klingt es bei dem österreichischen Autor und Kritiker Alfred Polgar: „Das Plagiat ist vielleicht die aufrichtigste Form der Verehrung“. So erweisen sich auch die Komponisten des Science-Fiction-Spektakels „Star Trek“ fast als Epigonen der Spätromantiker, indem sie Teile des Soundtracks aus Gustav Mahlers berühmter „1. Sinfonie D-Dur“ aus dem Jahr 1888 übernahmen. Wenige Takte am Klavier vermittelten etwas von der Wucht und Strahlkraft dieser „titanischen“ Musik.

Wandern, reisen, die Weite einer Landschaft oder eines Raumes erkunden, das ist bei Mahlers Musik ebenso vorhanden wie es der Film-Soundtrack der Weltraumabenteuer auf der „Enterprise“ suggeriert. Damit verbunden ist auch die Suche nach dem Sinn des Lebens. YanniNoah greift diese Thematik in seinem Rap „Wohin“ auf, wobei das Euphorische zugunsten von Nachdenklichkeit und Nachdrücklichkeit weicht. Der eindringliche Vortrag erhielt viel Beifall.

Ein Höhepunkt des kirchenmusikalischen Abends war ein Rätselspiel, bei dem es galt, Melodien aus TV- und Kino- Krimis zu erkennen, welche Annette Hölzl einmal mehr als furioses Klavier-Medley darbot: Nicht jeder der neun Titel wurde erraten, wohl aber die Evergreens, die hin und wieder im Radio gespielt werden, etwa die Titelmelodie aus den Miss Marple- Filmen, das markante Intro von „Der rosarote Panther“, die anrührend schlichte „Dritte Mann“- Melodie oder das rhythmisch eigenwillige „Mission Impossible“- Motiv.

Die KI und Beethovens „Neunte“

„Ist Künstliche Intelligenz eine Chance oder ein Problem für die Musikwelt?“ fragte Annette Hölzl in die Runde der Konzertbesucher. Dabei schien sie ihre Skepsis nicht zu verbergen. Nur wenn menschliche und digitale Fertigkeiten gleichwertig zueinander kämen, könne Kreatives entstehen, betonte die Pianistin. Wie solle denn ein Algorithmus angemessen spezifisch persönliche Gefühle oder unmittelbare Eindrücke wahrnehmen und musikalisch verarbeiten können, fuhr Hölzl fort. YanniNoah unterstrich das leidenschaftliche Statement der Pianistin seinerseits mit einem bilderreichen und emotional gefärbten Rap über seine Reise an den Amazonas.

Und noch einmal klang das Thema ‚KI‘ an, als das Duo mit dem Klavier zu vier Händen „Für Elise“ intonierte und sich – das prägnante Melodie variierend – dem Klassiker Beethoven näherte. „Hätte die KI ein solches Meisterwerk wie die 9. Sinfonie“ erschaffen können?“, lautete Annette Hölzls rhetorische Frage und man erinnerte sich an Beethovens Intention der völkerverbindenden Musik und seine Inspiration für die 9. Sinfonie durch Schillers „Ode an die Freude“, in der es heißt „Seid umschlungen Millionen …“. Das Publikum applaudierte geradezu euphorisch.

Die Zugabe aus Edward Griegs „Peer Gynt“-Suite erklang entspannt und fließend im Call- und Response-Duktus von Piano und Drum & Bass. Christina Fleischer dankte den beiden Künstlern und überreichte die weiße „Sommermusik“-Rose.

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Schlagworte:
Evangelische Kirche, Sommermusik Zell am Harmersbach

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