Engerlinge bleiben großes Problem

Kinzigtäle rBauern rechnen mit geringen Futter-Erträgen /Teils schon neue Schäden

Die Landwirte es Kinzigtals haben den Herbst genutzt, um ihr Grünland so gut es geht wiederherzustellen. Die Engerling-Schäden des vergangenen Jahres sind damit teils ausgeglichen worden, teilweise gibt es aber auch schon wieder neue Schadstellen.

Im vergangenen Jahr hatten die Engerlinge durch Wurzelfraß große Schäden im Grünland angerichtet, teilweise waren bis zu 400 Larven des Junikäfers auf einem Quadratmeter gefunden worden. DieFolgen waren fatal, die Futter-Erträge der Landwirte gering wie selten zuvor.

Der Winterfrost, Schnee und Regen haben den Engerlingen wenig geschadet, wie BLHV-Bezirks-Geschäftsführer Stefan Schrempp erklärte. »Sobald es kühler wurde, haben sich die Larven tiefer eingegraben.

«Durch Nachsaaten wäre das Grünland im Herbst durch die Landwirte so gut wie möglich wiederhergestellt worden und der Oberboden sei durch den Winter gerade gut mit Wasser versorgt. Deshalb würden die Wiesen derzeit auch überall grün aussehen. Die mitunter hohen Kosten der Wiederherstellung sind teilweise seitens des Landes bezuschusst worden. Ob das ausreichen wird, muss sich zeigen.

Als Tierhaltungs-und Grünlandberater im Offenburger Landratsamt verdeutlicht Simon Christ: »Die Nachsaat ist in vielen  Bereichen wirksam und hat etwas gebracht. Aber in  Steillagen gibt es jetzt schon wieder Meldungen mehr als 200 Engerlingen pro Quadratmeter. «Im Sommer 2019 hätten die Junikäfer ihre Eier dort in den Boden abgelegt, wo die Grasnarbe aufgrund der Trockenheit sehr dünn gewesen sei. Wenn dagegen der Bewuchs dicht wäre, hätte es der Käfer deutlich schwerer.

Derzeit würden verschiedene Versuche laufen, demKäfer auf natürliche Weise zu begegnen und ihn an der Eiablage zu hindern. Wie BLHV-Kreisvorsitzender Ulrich Müller erklärte, greife man dafür auf Erfahrungen aus Österreich und Bayern zurück, wo die Engerlinge den Landwirten seit mehreren Jahren zu schaffen machen. »Wenn die Frostnächte vorbei sind, wird der Käfer fliegen. DieBefürchtung besteht, dass dann auch bisher nicht berührte Flächen betroffen werden könnten«, blickt Ulrich Müller voraus. In den nächsten Jahren werde unabhängig vom Klimawandel mit nur geringen Futter-Erträgen zu rechnen sein, blickt er voraus.

Sein persönliches Ziel und das seiner Berufskollegen wäre es, den Käfer mit natürlichen Mitteln in den Griff zu kriegen. »Aber das geht nur im Miteinander von Fachleuten, den Landwirten und der Politik«, ist Ulrich Müller sicher. Stefan Schrempp findet es schlimm, dass der Engerling zwei Jahre im Boden das Grünland schädigt–und wenn er dann als Käfer ausfliegt, das junge Grün an den Bäumenfrisst.

Info

Das steckt dahinter

Die Schädlinge sind Larven des Junikäfers. Diese brauchen mehrere Jahre, um sich zu entwickeln. Das Weibchen legt rund 35 Eier im Boden ab. Das erste Larvenstadium schlüpft im Juli/August und häutet sich zum zweiten Larvenstadium, welches sich zum Überwintern unterhalb der Frostgrenze aufhält. Im zweiten Jahr kommt ab Juni das  dritte Larvenstadium zum Wurzelfraß nach oben und wandert zum Überwintern wieder unter die Frostgrenze. Erst im Frühjahr des dritten Jahres verpuppt sich dieses Larvenstadium, im Juni schlüpfen dann die Käfer.

 

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