Schnitzen für den Hausgebrauch

Gustl Schwarz kann meisterhaft die Kettensäge führen

In jedem Haus mit Holzofen gab es vor fünfzig Jahren Axt und Beil. »Beide waren fester Bestandteil des Hausrats«, erinnert sich Gustl Schwarz, Enkel des legendären »Wittezimpfer«. Derweil hat die Kettensäge längst die Axt abgelöst. Wer damit umgehen kann, erliegt irgendwann dem Versuch, sein Werkzeug gestalterisch einzusetzen.

Es mag nun vierzehn Jahre her sein, da entdeckte Gustl in einer Musestunde sein schöpferisches Talent. Er schuf Sterne und Herzen aus Holz. Gustl ist Autodidakt. Mit wachsender Begeisterung hat er sein Können weiterentwickelt. Heute hat diese Kreativität einen festen Platz in seinem Alltag. Die geräumige Scheune ist seine Werkstatt. Der heimische Wald vor dem Atelier als Sauerstoff- und Rohstoffquelle wird ihm, so hofft er, noch lange erhalten bleiben. Die geschaffenen Objekte sind größer geworden. Das Umfeld seines Hauses wurde mit Tierfiguren und Mobiliar aus eigener Fertigung aufgewertet. Jedes Jahr zur Weihnachtszeit ist zur Freude der Passanten die Heilige Familie auf dem Balkon aufgestellt. Die Krippe unterm Walmdach, in der Gesamtheit ist das Gustls Wintermärchen im Schwarzwald. Ebenerdig ist ein riesiger Grizzly zu sehen. Im Zufahrtsbereich weist eine Holzsäule mit dreidimensionaler Schrift »Knopfholz 2« den Weg zur Familie Schwarz. Massive Bänke mit Pferde-, Löwen- und Krokodilköpfen laden erschöpfte Wanderer zur Rast ein.

Buntes Publikum

Beim Öffnen der Ateliertüren erschließt sich ein ausladender Blick in Richtung Knopfbauer. Die Wiese ist von Wald gesäumt. Vor Arbeitsbeginn atmet Gustl ein paarmal tief durch. Diese Kulisse und die frische Luft, das ist der Stoff aus dem der Kunstschaffende die Kraft für neue Ideen und Projekte bezieht. Schäferhund Enie kommt um die Ecke. Er hat den Ball in der Schnauze und will spielen. Nicht lange, dann kommen die ersten Wanderer vorbei. Gustl konzentriert sich auf seine Arbeit und muss trotzdem Fragen beantworten. Im Advent bekam er Besuch aus den Vereinigten Staaten. In seine Arbeit vertieft bemerkte er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter. Hinter ihm stand ein Mann wie ein Bär mit einem Händedruck, der ihm das Wasser in die Augen trieb. Jim Lewis, der jüngste Spross einer Holzhändler­dynastie in Oregon. »Was machst Du hier? Das ist großartig!« Jim war in einem nahe gelegenen Hotel untergebracht. Seine Frau wollte sich ein Dirndl kaufen. »Dazu braucht sie mich nicht. Sie hat meine Kreditkarte und ich meine Ruhe.« Jim wollte sich derweil im Wald umsehen. Er war vernarrt in Gustls langbärtige Großvaterfigur und machte ein Handyfoto. Gerne wollte er den hölzernen Kerl als »Doorman« am Zufahrts­portal seiner Firma aufstellen. Bei der Frage, ob Gustl einen Überseeverschlag für den Schiffstransport des hölzernen Kerls anfertigen kann. winkt dieser ab. Er weiß wohl um das wirtschaftliche Potenzial seiner Arbeit Bescheid. Die Schnitzerei soll Hobby bleiben und nicht in Stress ausarten. Was er sich hier erarbeitet ist für den Eigenbedarf. So wie andere Leute ihre Tapeten und Klamotten wechseln, hält er es mit dem Außenmobiliar. Jedes Frühjahr kommt eine neue Kollektion.

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