Ein Haus rein aus Tanne

Familie Schwarz lebt zwischen Wänden aus eigenen Bäumen – Dämmung mit Schafswolle

»Das Wohnklima ist unvergleichlich«, schwärmt Stefanie Schwarz. Mit ihrem Mann Christian und den beiden Söhnen lebt sie in einem Naturstammhaus, das 2011 neben dem über 500 Jahre alten Herrenholz-Hof entstand und einen wahren Blickfang darstellt.

Der Schwager von Stefanie Schwarz war es, der das trutzige Gebäude im Schwarzwaldstil erbaut hat. Der gelernte Schreiner heißt Martin, lebt seit fünf Jahren in Ohlsbach und ist – wie sein Bruder Christian – hier oben auf dem idyllisch abgelegenen Herrenholz aufgewachsen.

Viel Platz gibt es hier. Und viel Holz. Von den 38 Hektar, die das Anwesen umfasst, mit Wiesen und Weideland, bestehen 24 Hektar aus Hochwald. In dem wurden die Stämme geschlagen, aus denen das imposante Blockhaus besteht. Entsprechend kurz die Transportwege, »ökologischer geht’s fast nicht mehr«, betont Martin Schwarz.

Im zwanzigsten Jahr nun schon betreibt der 51-Jährige den Blockhausbau als Einmann-Betrieb, nachdem er zuvor entsprechende Kurse in der Schweiz besucht hatte. Zwei Häuser baut er im Schnitt pro Jahr, größtenteils in einem Umkreis von 50 Kilometern. Durchgängig ökologisch und nachhaltig, grundsätzlich aus der Gegend stammt das benötigte Holz daher. Und zwar: Tanne.

»Hier im Mittleren Schwarzwald haben wir ja extrem viel davon«, so Martin Schwarz. Was sich bestens trifft. Denn Tanne hat eine extrem hohe Rohdichte. Und sie ist harzfrei, was gerade beim Blockhausbau wichtig ist, »bei der Fichte dagegen tropft Ihnen das Harz vom Stamm runter« – ein absolutes No-Go vor allem im Innenraumbereich.

Kein Wunder also, dass die alten Schwarzwaldhäuser traditionell aus Tannenholz errichtet wurden – wie auch der Herrenholzhof, der nach einem Brand im Jahre 1784 neu aufgebaut worden war oder wie das Freiburger Münster.

Überdies sind die hiesigen Tannenbestände laut Martin Schwarz »extrem schön.« Will heißen: Schön gerade müssen die Stämme für den Hausbau sein, ohne Drehwuchs also. Je astiger, desto rustikaler das Erscheinungsbild.

Zunächst erstellt er einen Bauplan, anschließend eine sogenannte Holzliste. Mit der geht es dann ab in den Wald, im vorliegenden Fall mit Bruder Christian als damaligen Bauherrn: »Zu so einem Haus hat man natürlich nachher nochmal einen ganz anderen Bezug – wenn man weiß, die Bäume sind im eigenen Wald da oben gestanden.«

Traditionelle Handwerkskunst plus moderne Technik

Beim Abarbeiten der Holzliste sind die Länge und der Durchmesser der Stämme ausschlaggebend. 16-Meter-Stämme mit einem Durchmesser von 45 Zentimetern kamen für das brüderliche Blockhaus auf dem Herrenholz zum Einsatz. Martin Schwarz demonstriert den Umfang mit seinen Armen, »das sind richtige Bäume«. Doch trotz der beeindruckenden Maße wurde das gesamte – naturgegebener Maßen CO2-neutral gebaute – Haus ohne den Einsatz von Nägeln oder sonstigen Metallverbindungen erstellt, sondern mit Holzverbindungen in Form von Holzzapfen. Eine Kunst ist das. Traditionelle Handwerkskunst, die sich gleichzeitig die Errungenschaften moderner Techniken zunutze macht, in Form von Feuchtigkeitssperren beispielsweise.

Warum aber baut der gebürtige Unterharmersbacher ausgerechnet Naturstammhäuser? »Ich war einfach fasziniert von dem Baustoff Holz in seiner ursprünglichen Form«, erzählt er »an der Form ist überhaupt nichts verändert worden, also nichts gesägt oder gehobelt oder sonst was«.

Lediglich wasserentrindet werden die Stämme. Und zwar per Hochdruck-Wasserstrahl, »350 bar, da ist richtig Power dahinter.« Die dann völlig glatten und entsprechend pflegeleichten Stämme werden anschließend aufeinander aufgebaut: »Jeder Stamm hat eine andere Form, und jeder Stamm muss individuell an den anderen angepasst werden.«

Unvergleichlicher Duft

In Ohlsbach setzt er ein solches Haus jeweils zusammen. Dann werden die einzelnen Teile durchnummeriert, auf einen LKW verladen und zu ihrem Bestimmungsort transportiert, wo die bereits isolierten Stämme wieder aufeinander gesetzt werden. »Das ist wie ein großes Legospiel«, sagt Martin Schwarz. In nur vier bis fünf Tagen stehen die Außenwände wieder – dann kommt der Dachstuhl. Der hat auf dem Herrenholz-Blockhaus die schwarzwaldtypische Form eines Walmdachs.

»Wir dämmen mit Schafswolle und arbeiten mit Holzflex-Isolierung«, erklärt der Blockhausbauer. Schafswolle ist bestens geeignet, weil sie relativ viel Feuchtigkeit aufnehmen und nachher wieder abgeben kann, ohne dass sie ihren Isolierwert verliert. Und sie bindet Gift- und Schadstoffe. Genauso wie Lehm, den Schwarz oftmals im Innenausbau einsetzt.

»Dieses Haus ist einfach etwas Besonderes«, schwärmt seine Schwägerin Stefanie von ihrem Zuhause auf dem Herrenholzhof, dessen besonderes Wohnklima auch die Gäste der beiden in dem Haus untergebrachten Ferienwohnungen zu schätzen wissen. Wozu der unvergleichliche Duft nach Tanne sein Übriges tut. »Wenn Urlauber in die Wohnungen kommen, dann schnuppern sie und staunen: Boh, riecht’s hier toll nach Schwarzwald«, erzählt die Gastgeberin und lacht.

Info

Herrenholzhof

1873 ging das Anwesen mit damals 19 Hektar Ackerland und Wiese in Hang- und Steillagen in die Hände des Urgroßvaters der Schwarz-Geschwister über. Zum Gelände gehörte auch Niederwald, der aufgrund seiner Unrentabilität ab anno 1890 mühsam in Hochwald umgewandelt wurde.

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