Wegkreuz erstrahlt in neuem Glanz

Glimpflich ausgegangener Brückeneinsturz gab 1854 Anlass zum Bau

Wegkreuze und Bildstöckle begegnen im Harmersbachtal den Menschen immer wieder auf vielen Wegen. Jedes erzählt eine Geschichte. Meist wurden sie aus Dankbarkeit für die Errettung und Heilung nach einem schweren Unglück von nahen Angehörigen oder von dem Verunglückten, der wieder gesund wurde, errichtet.

Wer in Unterharmersbach auf den neu gepflasterten Gehwegen die Hauptstraße hochläuft, dem fällt unwillkürlich das Wegkreuz ins Auge, das bei der Kaffeebrücke die Besucher grüßt und zugleich erinnert und zum Gebet einlädt.
Im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrt Unterharmersbach wurde das von Wind und Wetter stark in Mitleidenschaft gezogene Kreuz von dem Steinmetzbetrieb Werner Göhrig, Lahr-Reichenbach, aufwendig restauriert. Auftraggeber war die Stadt Zell am Harmersbach, auf deren Grundstück als Rechtsnachfolgerin der damaligen Gemeinde Unterharmersbach das Kreuz steht, weil die Stifter wollten, dass die Pflege und die Obhut durch die Gemeinde für alle Zeiten gesichert ist.

Heute ist das Sandstein-Kreuz und das dahinter stehende, im Zuge der Sanierung der Ortsdurchfahrt renovierte und erneuerte Fachwerkhaus mit der einzigen freitragenden Hauseingang-Steintreppe einer der schöns-ten Winkel in Unterharmersbach. Früher wurden die Eigentümer dieses Hauses von alten Hambachern „S’Krüzbure“ genannt, weil sich hier einmal eine Wirtschaft „Zum Kreuz“ befand. Heute sehen es die Nachfahren und heutigen Eigentümer Anne und Michael Müller mit ihren Söhnen Christian und Oliver als Selbstverständlichkeit an, das Sandsteinkreuz in einer kleinen Anlage mit Blumenschmuck zu pflegen und zu verschönern.

Alte Hambacher erzählen, dass sie von den Eltern ermahnt wurden, immer an diesem Kreuz stehen zu bleiben und ein Vaterunser zu beten. Auch heute bleiben viele Menschen stehen, um inne zu halten. Viele fragen, was es mit der Geschichte dieses Kreuzes auf sich hat, warum es 1854 erbaut wurde. Die Inschrift auf dem Sockel mit dem Bibelwort: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch mich. Joh.(Evangelium) Gestiftet durch Joh. Amann und Maria-Anna Muser von Unterharmersbach 1854“ gibt zum Anlass, warum das Kreuz gebaut wurde, keine Auskunft.

Doch die 92-jährige Hilda Roth, die in der Nähe wohnt und täglich auf das Kreuz schaut, erinnert sich, was ihr die Eltern und Großeltern einst erzählt haben. Vor 200 Jahren war die Kaffeebrücke aus Holz gebaut. Als der Vater der beiden Stifter im Winter 1853 mit einem mit Langholz beladenen Wagen über die Brücke fuhr, stürzte sie ein. Der Vater August Amann wurde unter den sich lösenden Stämmen begraben und schwer verletzt. Zum Dank, dass er am Leben blieb und wieder ganz gesund wurde, erbauten seine erwachsenen Kinder Johannes und Maria-Anna zur Ehre Gottes dieses Kreuz.

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