Wenn im Dorfgemeinschaftshaus die Reihen gefüllt sind, wenn erwartungsvolle Stimmen durch den Saal ziehen und sich der rote Vorhang des Abends langsam hebt – dann weiß man in Unterentersbach: Es ist wieder Zeit für ein Nikolauskonzert, das weit über die Grenzen des Ortes hinausstrahlt. In diesem Jahr steht der Abend ganz im Zeichen der Filmmusik – episch, emotional und oscarverdächtig.
Filmmusik ist pure Erzählkunst
Dirigent Daniel Faist strahlt Vorfreude aus, als er vom diesjährigen Konzept berichtet: „Wir wollten einmal tief in die Welt der Filmmusik eintauchen – mit all ihren Farben, Spannungen und Gänsehautmomenten. Filmmusik ist pure Erzählkunst: Sie malt Bilder, noch bevor der erste Ton verklungen ist.“
Gemeinsam mit dem Orchester, Musikvorstand Moritz Volk und dem Moderations-Trio Natalie Müller, Michael Dupke und Angelina Schätzle hat
Faist einen Konzertabend vorbereitet, der dramaturgisch fast wie ein Kinobesuch aufgebaut ist.
Ein Programm wie eine Leinwandreise
Der Abend öffnet sich mit dramatischer Wucht: „Into the Storm“ von Robert W. Smith entfesselt gleich zu Beginn eine Atmosphäre, als würde sich ein Filmepos verdichten.
„Das ist ein energiegeladener Start, der alle sofort abholt“, beschreibt Daniel Faist.
Mit „The Torch of Liberty“ (Jan de Haan) folgt ein hymnisches Werk, das Mut, Freiheit und Pathos in den Raum stellt – ein musikalisches Kapitel, das an große Momente der Filmgeschichte erinnert.
Danach entführt „Fate of the Gods“ von Steven Reineke das Publikum in mythologische Klanglandschaften: episch, schicksalhaft und mit großem Orchesterklang.
Ein erster emotionaler Ruhepunkt entsteht mit „Hymn to the Fallen“ von John Williams – ein Werk, das durch seine Schlichtheit tief berührt. „Das Stück zwingt uns, ganz ehrlich zu musizieren“, erklärt Daniel Faist. „Es ist eine stille Verbeugung vor allen, die sich für andere einsetzen.“
Hollywood pur
Im zweiten Teil des Abends taucht die Kapelle dann vollends in die schillernde Hollywood-Welt ein.
Den Auftakt macht die „Avengers Suite“, ein mächtiges Klanggebilde voller markanter Leitmotive, das den Saal augenblicklich in eine Welt der Superhelden katapultiert.
Nahtlos geht es weiter mit „Pirates of the Caribbean“, dessen rhythmisch-treibende Motive eine fast tänzerische Wildheit entfalten. Hier zeigt das Orchester, wie präzise und zugleich verspielt Filmmusik klingen kann.
Mit der „Indiana Jones Selection“ folgt ein weiterer Klassiker der Filmmusik. Die ikonischen Fanfaren, die untrennbar mit Hut, Peitsche und Federkiel verbunden sind, bringen jenes typische „Auf ins Abenteuer!“-Gefühl in den Raum, das John Williams zur Legende gemacht hat.
Den emotionalen Schlusspunkt setzt schließlich „The Lion King“. Die warmen, weit ausladenden Melodien von Hans Zimmer und Elton John entfalten ein Finale im goldenen Soundgewand – ein Schlussbild, das Herz, Ohr und Fantasie in gleichem Maße berührt und den Konzertabend mit einem Gefühl von Größe und Weite beschließt.
Für Dirigent Daniel Faist ist klar, wohin der Abend führen soll: „Wir wollten einen Abschluss, der mitreißt und glücklich macht. Ein Klangfeuerwerk, das zeigt: Unterentersbach kann Hollywood.“
Über 60 MusikerInnen – und zwei Gold-Absolventinnen
Seit September probt das Orchester intensiv. Dass über 60 Musikerinnen und Musiker auf der Bühne stehen, ist nicht nur optisch ein Erlebnis: „Wir wachsen als Ensemble an solchen Projekten. Jede Stimme zählt – jede Emotion auch“, lässt Daniel Faist hinter die Kulissen blicken.
Besonders strahlen in diesem Jahr zwei junge Musikerinnen: Marie-Luise Bruder und Larissa Baumann, beide frisch mit Gold-Abzeichen ausgezeichnet. Sie bringen hörbar zusätzliche Leuchtkraft in den Gesamtklang.
Ein Abend, der bewegt – und nachklingt
Wer am Samstag, 6. Dezember 2025, den Saal betritt, erlebt nicht nur ein Konzert, sondern einen musikalischen Filmabend, der ohne Leinwand auskommt – und dennoch alles zeigt.
„Wenn die Besucherinnen und Besucher am Ende nach Hause gehen und sagen: Ich hab den Film vor mir gesehen, dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Dirigent Daniel Faist mit einem zufriedenen Lächeln.





