Der Begriff »Encaustic« stammt aus dem Griechischen und steht für eine antike Maltechnik, die schon vor 3.000 Jahren angewendet wurde. Die Farbpigmente werden in heißem Wachs gelöst und im besonderen Verfahren auf den Malgrund aufgetragen. Encaustic-Bilder bestechen durch ihre einzigartige Leuchtkraft der Farben.
»Ich habe schon immer gerne gemalt«, berichtet Martina Homes. Sie hat in jungen Jahren ihr großes Talent sogar zu ihrem Beruf gemacht. Bei der Zeller Keramik hat sie eine dreieinhalbjährige Ausbildung zur Keramikmalerin absolviert. Da es zu dieser Zeit allerdings schlecht um die Zeller Fabrik stand, hat sie die Firma kurz nach Ausbildungsende wieder verlassen.
Martina Homes widmete sich der Familie und ihren drei Kindern. Beruflich begann sie nochmals neu und wechselte zur Sozialstation, wo sie nun schon seit 24 Jahren arbeitet. Zehn Jahre war sie als Altenpflegehelferin im ambulanten Dienst tätig. Heute arbeitet sie in der Tagespflege und geht voll in ihrer Aufgabe auf.
Von den Farben fasziniert
Das Malen hat sie aber dennoch nie losgelassen. Einige Jahre arbeitet sie an den Wochenenden im Museum der Zeller Keramik und zeigte den Besuchern die schöne Handwerkskunst. Im November 2009 hat Martina Homes erstmals Encaustic kennengelernt und für sich als neues Betätigungsfeld entdeckt.
»Mich faszinieren die Farben«, zeigt sich die Künstlerin auch nach 13 Jahren beeindruckt von den Effekten, die man mit Encaustic erzielen kann. Die Wandbilder, die ihr Künstlerzimmer im privaten Wohnhaus in der Theodor-Heuss-Straße zieren, manchen dies deutlich. Intensivrote Farbabstufungen in Kombination mit leuchtend goldenen Metallpigmenten oder schwungvolle Blauverläufe auf weißer Leinwand. Ausdrucksstarke und sehr detailreiche Landschaften lässt sie aus Wachs und Farbe entstehen.
Daneben sind es noch unzählig viele andere kunsthandwerkliche Arbeiten, die das Auge des Betrachters auf sich ziehen. Weiße Wachsschalen, in deren dünne Schale buntes Herbstlaub eingearbeitet ist. Birkenholz-Kerzen mit leuchtend roter Wachsflamme. Eine Gruppe von Weihnachtsengeln, kunstvoll geformt. Ausgewaschenes Treibholz mit Sinnsprüchen und Farbelementen aus Wachs.
Mehr als ein Hobby
Encaustic ist für Martina Homes inzwischen weit mehr als ein Hobby. Sie hat ein Gewerbe angemeldet und arbeitet fast täglich mit dem Maleisen, stellt Karten für vielerlei Anlässe her und verkauft ihr Kunsthandwerk auf Märkten und über ihren eigenen Online-Shop.
»Die Arbeit bei der Sozialstation und das Kunsthandwerk, beides steht für mich gleichberechtigt nebeneinander«, stellt Martina Homes fest. Ihre Faszination für Encaustic gibt sie gerne weiter und bietet Anfänger- und Aufbaukurse für Kinder und Erwachsene an. Beim Zelli-Ferienprogramm ist das Encaustic-Malen mit Martina Homes seit vielen Jahren fester Bestandteil.
»Schon nach kurzer Anlernzeit kann man schöne Effekte erzielen«, nennt Martina Homes einen großen Vorteil dieser Maltechnik. Sie selbst besucht regelmäßig die Encaustic Academie in Weilheim/Teck, erweitert bei den Kursen ihr persönliches Können, begegnet Gleichgesinnten und hat sich zur Kursleiterin weitergebildet. Einmal wöchentlich arbeitet sie inzwischen als Freizeittherapeutin in einer psychosomatischen Klinik. Auch Senioren beschäftigt sie gerne mit Encaustic.
Corona hat vieles verändert
Die Freude an Encaustic und gleichzeitig die Begegnung mit Menschen – beides ist für Martina Homes sehr wichtig. Mit Wehmut blickt sie deshalb auf die zwei Corona-Jahre zurück, in denen vieles nicht mehr möglich war. Ihre Kurse konnten, wenn überhaupt, nur in ganz kleinem Kreis stattfinden. Viele Märkte, an denen sie regelmäßig teilnimmt, fanden gar nicht statt.
Über Zoom hat Martina Homes erste Online-Kurse gegeben und dabei nach anfänglicher Skepsis gute Erfahrungen gesammelt. Selbst Teilnehmerinnen aus Prag oder Sao Miguel sowie frühere Patienten haben sich angeschlossen. Nach der Jahreswende will sie wieder Malkurse via Zoom anbieten.
Zunächst ist der Fokus von Martina Homes aber auf die bevorstehenden Märkte und Ausstellungen gerichtet. Erstmals stellt sie in diesem Jahr 14 Tage lang beim Gengenbacher Adventskalender aus und auch beim Nordracher Weihnachtsmarkt ist sie vertreten.
Schwieriger Neustart
Dank ihrer großen Initiative kann am Samstag und Sonntag nach zweijähriger Pause wieder eine Hobbykünstler-Ausstellung in Zell a. H. stattfinden. Aber es war ein schwieriger Neustart. Rund zehn und damit fast die Hälfte der bisherigen 24 Teilnehmer haben aufgehört oder sich in der Corona-Zeit anders orientiert.
Dank ihrer Teilnahme bei verschiedensten Kunsthandwerker-Märkten in der Region und den dadurch entstanden persönliche Kontakten zu anderen Kunstschaffenden, ist es Martina Homes gelungen, die Lücken zu schließen. Auch Rosy Marques aus Haslach, die an ihrer Seite Mitorganisatorin der Ausstellung ist, konnte neue Aussteller nach Zell bringen.
Martina Homes selbst gehört wie seit vielen Jahren mit ihrer Encaustic-Kunst zu den Teilnehmern im Kulturzentrum. Dabei ist es ihr immer wichtig, nicht nur fertige Arbeiten zum Verkauf anzubieten, sondern vor Ort die Maltechnik mit heißem Wachs, Maleisen, Spachteln und Pinsel zu präsentieren. Martina Homes ist voller Vorfreude: »Ich freue mich riesig auf das Wochenende!«





