Bootsfahrt mit Hindernissen

Prädikant Gottfried Zurbrügg berichtet von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Sachsen-Anhalt

Für einige Wochen übernimmt Prädikant Gottfried Zurbrügg gerade wieder die Vertretung in Jerichow. Er berichtet für unsere Leser von seinen Erfahrungen und Erlebnissen in Sachsen-Anhalt:

Wir haben in Tangermünde ein Ausflugsschiff gesehen, das hin und wieder Kaffeefahrten macht. Das wäre doch etwas: einmal auf einem Schiff die Elbe abwärts nach Schloss Stockau zu fahren und zurück. Den Strom erleben, der so lange Grenze war, Schicksalsstrom für so viele Menschen, und an dem so viele wichtige Orte liegen: Dresden, Magdeburg und besonders Hamburg. Als Wasserstraße ist der Mittellauf nur wenig befahren. Die Elbe ist ein Mittelgebirgsfluss und hat deshalb einen wechselnden Wasserstand. Im Sommer sinkt der Wasserstand erheblich und schwere Schiffe können nicht mehr fahren. Der Fluss ist in weiten Bereichen weder kanalisiert noch gestaut. Für die Natur ist das gut. Die Elbauen sind Lebensräume für viele Tiere und schützenswert. Der Unterlauf bei Hamburg ist eine wichtige Wasserstraße. Dort wurde die Elbe vertieft, damit auch riesige Containerschiffe in den Hamburger Hafen einlaufen können. Dadurch fließt aber im Mittellauf das Wasser noch schneller ab. Der Oberlauf hat Staustufen und ist in Tschechien eine wichtige Wasserstraße.

So viele Gegensätze! Es muss sehr schön sein, den Fluss vom Schiff aus zu erleben. Aber vor dem Erlebnis sind hohe Hürden zu überwinden: Man darf nur mit negativem Test oder geimpft kommen! Aber wo gibt es einen Schnelltest? Die Schifffahrt ist am Samstag, aber einen Test bekommt man nur in Tangermünde bis 17.00 Uhr am Freitag. Man muss sich online anmelden.
Aber wir haben es geschafft und unser Testergebnis bekommen. Wir sind negativ.

Einen Tag später konnten wir auf’s Schiff. Ob der Test noch gilt? Kein Problem bei einer Inzidenz von 0 im Jerichower Land.

Unser Ausflugsschiff fuhr von Tangermünde ein wenig flussaufwärts, bis es drehen konnte, dann ging es flussabwärts bis Stockau. Das Schönste war einmal unter der großen Elbbrücke hindurchzufahren! Diese Brücke ist in all den Jahren für mich ein Tor zum Osten geworden.

Zunächst sahen die Ufer eintönig aus: Schilf in den Buchten, hin und wieder Ang ler. Es sollen schon die ersten Lachse gefangen worden sein. Unser Kapitän erzählte davon, aber er kannte die Elbe noch aus DDR-Zeiten und wusste, wie viel Schlamm sich abgelagert hat.

Beim genaueren Hinsehen konnte man Gänsekolonien entdecken und hin und wieder auch eine bewohnte Biberburg. Der Elbbiber ist zurück! Auch ein Fischadler kreiste über dem Schiff und stieß am Ufer ins Wasser, das hoch aufspritzte. Wir konnten nicht erkennen, ob er etwas gefangen hat.

Eine Seefahrt war es nicht, auch keine Flußkreuzfahrt, aber ein lohnender Ausflug auf der Elbe mit einem wunderschönen Blick in das weite Land.

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