Sprachverwirrung: Doppelt verneint und doch Ja gemeint

Wenn ein Berliner etwas gut findet, so sagt er »knorke«, aber Berlin ist weit weg von uns, sprachlich ohnehin. Mit dem Wörtchen »super« können heutzutage die meisten etwas anfangen, es ist etwas, was begeistert und einfach klasse ist.

Doch im Schwäbischen ist alles anders. Da wird nicht gern was positiv ausgedrückt oder gar gelobt. Das war früher so und heute mitunter auch noch. Man lobt eben nicht gern. Fast jeder kennt den Spruch: »Net geschimpft, isch genug gelobt.«

Warum dies so ist, weiß niemand genau. Vermutlich hat es etwas mit dem Pietismus zu tun, der nicht gerade Lebensfreude vermittelt, sondern sich eher pessimistisch äußert.

Trotzdem will man sich auch mal positiv ausdrücken und dies kommt dann ganz »hinterscheführ« daher; nämlich durch eine doppelte Verneinung.

Und das geht dann so: Wenn man jemanden nett findet heißt es dann: Der, oder dui isch net grad oagnehm.

Will man zustimmen, kommt etwas zögerlich: Da hat er net grad ganz unrecht.

Auch wird ungern gesagt, dass man etwas gern macht, oder gern mitmacht. Man sagt vielmehr: des isch mer eigentlich net zuwider.

Ist ein Mädchen, oder eine Frau hübsch, so wird dies keinesfalls frei heraus gesagt: Ich find sie schön. Nein man sagt: Ich find sie net grad wüst.

Auch wenn »Sie« beim Liebesspiel etwas zögert und »Er« dann überhaupt nicht weiß, ob »Sie« will und schon fast aufgibt, kommt ein verschämtes oder verdruckstes: I hab eigentlich net gsagt, dass I net will.

Auch die Redewendung: Ich hab nix dagegen, heißt im Klartext: Ich bin dafür.

Und: Des war net grad billig, meint, dass es recht teuer war.

Auf die Frage: Kommst jetzt mit, oder net? Folgt schließlich vielleicht als Antwort: I hab net gsagt, dass I net mitkomm, I weiss es einfach noch net.

Ist es draußen frisch, kann die Antwort auf die Frage: Isch dir’s auch so kalt? häufig mit einem patzigen: Warm isch mers jedenfalls net, beantwortet werden.

Oft folgt auf die Frage: Willst no etwas bleibe, etwas spitz die Gegenfrage: Warum fragsch, willsch me etwa loswerde?

Dann wird auch gesagt: In dem Fall hab ich nix dagegen! Dies lässt vermuten, dass man sonst meist etwas dagegen hat.

Und auch ein: Ich kann’s leider net verhindere, lässt vermuten, dass man dies am liebsten tun würde.

Gern sucht man die Schuld beim anderen, wenn etwas schief läuft, doch manchmal muss man auch zugeben: Da hat sie net amol was dafür könne! – was einem natürlich lieber wäre.

Soweit, so gut mit einigen Beispielen der teilweise doppelten Verneinung. Zugegeben, die meisten klingen abwertend und auch ein bisschen fies. Doch wen Sprache interessiert, wird noch weitere finden.

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