So wird der Garten zur Bienenweide

Mit diesen Pflanzen bereiten Sie nützlichen Insekten den Tisch

So manche Pflanze fristet im Garten eher ein Schattendasein. Dabei lohnt sich nicht selten ein zweiter Blick. Viele Gewächse besitzen innere Werte. Susanne Vollrath hat im Garten einmal ganz genau hingeschaut und unterschätzte Bienenweiden gefunden.

Der Bärlauch ist eines dieser Gewächse, die meistens das bereits angesprochene Schattendasein fristen. Allium ursinum heißt er botanisch, was wörtlich übersetzt der Lauch des Bären bedeutet und somit der deutschen Bezeichnung ziemlich nahe kommt. Wie seine Küchenverwandten Zwiebel und Knoblauch treibt auch er aus unterirdischen Speicherorganen die grünen Blätter. Sie sind in diesem Falle für Feinschmecker der Pflanzenteil des Begehrens. Im April erscheinen die reinweißen, duftigen Blütenkugeln über den Blättern. Jede einzelne besitzt zahlreiche Einzelblüten, deren Aufbau ein wahres Fest für Geo­metriefreunde ist. Drei Symmetrie­ebenen laufen strahlenförmig durch die Blüten. Wer Bärlauch im Garten hat und ihn blühen lässt, tut auch Wild- und Honigbienen etwas Gutes. Die Blüten werden gerne von den Insekten angeflogen.

Die Zwergmispel (Cotoneaster) hat zu unrecht einen schlechten Ruf. In der kriechenden Form ein zwar anspruchsloser, aber auch uninspirierter Unkrautunterdrücker im öffentlichen Grün, als Hecke sparrig wachsend. Eine Einschätzung, die sich seit jeher auch im Namen widerspiegelt. Bedeutet doch Cotoneaster »unnütze Quitte«. Doch ist das so? Botanisch gesehen zählt die Zwergmispel zu den Rosengewächsen und steht damit in einer Reihe mit Apfel, Pflaume und Kirsche. Entsprechend gerne werden die Blüten von Wild- und Honigbienen sowie Hummeln angeflogen. Im Winter wird die Zwergmispel dann für die Vögel so etwas wie die »Einmachkammer« des Gartens, ein Vogelnährgehölz. Wenn es kalt wird und andere Früchte bereits aufgefuttert sind, sind die roten Beeren oft die letzte Rettung. Ein unterschätzter Tausendsassa.

Der Felsen-Storchschnabel (Geranium macrorrhizum) könnte zu einem Gewinner des Klimawandels werden. Trockenheit und volle Sonne haben ihm nichts an. Er ist so robust, dass man ihn sogar zum Unterpflanzen von Straßenbäumen benutzt, wächst so dicht, dass Unkraut keine Chance hat. Aber auch im tiefen Schatten, wo die Auswahl der geeigneten Blütenpflanzen nicht groß ist, wächst er zuverlässig. Genauso im Kübel und sogar im Balkonkasten. Wer ihn vermehren will, reißt ein Stück des Rhizoms ab und steckt es anderswo in den Boden – und tut so etwas Gutes für die Natur. Bienen fliegen die nickenden Blüten gerne an. Mit den »Geranien«, die man als Sommerschmuck in Kästen pflanzt, hat der Storchschnabel nicht mehr als die Familie gemein. Die storchschnabelartige Form der Fruchstände lässt sich bei der einen wie bei der anderen Gattung beobachten.

Schwarzwälder Post – Ihre Druckerei im Mittleren Schwarzwald