Gesangverein »Frohsinn« steckt in Führungskrise:

Alle wollen, aber keiner will

Langjähriger Vorsitzender stellt sich nicht mehr zu Wahl – Kandidatensuche bleibt erfolglos – Vorstandswahlen vorerst vertagt

Seit mehr als 180 Jahren erklingen die Stimmen im Gesangverein »Frohsinn«. Im Jahr 1838 wurde er gegründet und hat seitdem wohl so manche Klippe umschifft. Doch wenn sich nicht schnell eine neue Führungsriege findet, könnte bald Schluss sein mit der altehrwürdigen Sangesinstitution. Dabei wollen eigentlich alle nur eins: einfach weitersingen.

Angekündigt hatte er es schon mehrfach, nun ist es Realität: Falk Polap will sich nach fast 30 Jahren aus dem Vorstand zurückziehen und stellte sich bei der Generalversammlung am gestrigen Donnerstagabend nicht mehr zur Wahl. Ein neuer Kandidat konnte nicht gefunden werden. Nach langer, fruchtloser Diskussion wurde deshalb der Tagesordnungspunkt 11 »Neuwahlen« vertagt. In vier Wochen wollen sich die Mitglieder erneut treffen, um einen zweiten Wahlversuch zu unternehmen. Sollte sich auch dann niemand finden, ist guter Rat teuer. Im Extremfall würde dem Verein über kurz oder lang die Liquidation bevorstehen.

So wenig sich jeder Einzelne gestern vorstellen konnte, das Amt zu übernehmen, so einig waren sich jedoch alle, dass es mit dem Chor weitergehen soll. Wenn dieser Wunsch ernst gemeint ist, wird sich wohl ein Arrangement finden lassen müssen, dass den Verein nicht nur sängerisch sondern auch verwaltungstechnisch am Leben hält.

In der Diskussion entstand der Eindruck, dass vor allem das große Aufgabenpensum, das der 1. Vorsitzende in all den Jahren absolviert hat, abschreckend auf mögliche Kandidaturen wirkte. Das Plenum machte sich deshalb Gedanken, wie man diese Hürde abbauen kann und beschloss neue Wege zu gehen: Der Vorsitz soll nun am liebsten an ein Gremium vergeben werden, das aus drei Personen besteht. Zwei Frauen und ein Mann sollen es sein, damit die »Kräfteverhältnisse« im Verein gut abgebildet werden. Jeder der drei, die sich den Posten »1. Vorsitzender« teilen, könnte so die Verantwortung für einen bestimmten, noch zu ermittelnden Aufgabenbereich übertragen bekommen. Außerdem müssen auch der 2. Vorsitzende, der Protokollführer, der Schriftführer, der Kassenwart, der Pressewart, der Notenwart, die vier Beisitzer und die Kassenprüfer noch neu gewählt beziehungsweise in ihren Ämtern bestätigt werden. Eine Menge Posten für gut 30 aktive Mitglieder. Es bleibt zu hoffen, dass in den nächsten vier Wochen zahlreiche Gespräche geführt, Aufgabenbereiche abgesteckt und Kandidaten gefunden werden, so dass der Valen­tinstag 2019 für den Gesangverein »Frohsinn« kein pechschwarzer sondern ein rosaroter Tag wird.

Harmonie

Damit geht es dem Gesangverein »Frohsinn« nicht besser als vielen anderen eingetragenen Vereinen. Mitglieder, die Verantwortung im Vorstand neu übernehmen wollen, finden sich immer schwerer. Dabei konnte Falk Polap in seinem Tätigkeitsbericht durchaus über ein harmonisches und aktives Vereinsleben berichten.

41 Mal traf man sich im Probelokal, um zusammen Lieder einzustudieren. Mit dem Probenbesuch konnte man zufrieden sein. Probenwochenende wurde keines durchgeführt. Weil es in der Vorbereitung auf das Jahreskonzert jedoch sehr vermisst wurde, könnte es wieder ins Leben gerufen werden. Außerdem wurden von den Sängerinnen und Sängern insgesamt vier Bewirtungen bewältigt. Der Verwaltungsrat hatte sich nur zu einer einzigen Sitzung getroffen. In der wurden das Jahreskonzert und besondere Aktivitäten geplant. Die Stimmen erklangen öffentlich im März letzten Jahres in der Schwarzwaldhalle und am Volkstrauertag, bei der Etagen-Weihnachtsfeier im Seniorenzentrum St. Gallus und natürlich bei dem »Konzertabend« genannten Jahreskonzert. Unter der Leitung von Chorleiterin Tanja Krause, mit charmanter Moderation von Hilde Ruff und mit der musikalischen Begleitung von Adrian Sieferle und Achim Bührer konnten sich die Besucher des Konzertabends einen guten Eindruck über die Leistungsfähigkeit des Chors verschaffen. »Mit der Stubenmusik ist uns ein sehr guter Griff gelungen«, blickte Polap zudem auf den Gastauftritt der Oberharmersbacher Formation zurück. Er bedankte sich bei allen Helfern sowie insbesondere bei Jürgen Maier, Gudrun Lang und Sabine Schätzle sowie bei der Zeller Geschäftswelt und den Zeller Banken für die Spenden für die Tombola. An Chorleiterin Tanja Krause gewandt bedankte er sich für ihre schier unendliche Geduld, die sie ihren Schützlingen entgegenbringt und hob hervor, dass man dem Chor die Handschrift der Dirigentin durchaus anmerkt.

Aktuell gehören dem Chor 13 Sopran-Sängerinnen, neun Alt-Sängerinnen, drei Tenöre und sechs Sänger im Bass an. Besonders im Tenor würde sich der Chor über Zuwachs freuen.
Auch passive Mitglieder, so Polap weiter, wären immer ein Gewinn für den Verein. Der Jahresbeitrag für passive Mitglieder beträgt nur acht Euro.

Kassenbericht

Kassiererin Josefa Metzler musste in ihrem Kassenbericht von einem Defizit berichten. Das war zwar etwas kleiner ausgefallen, als das Jahr zuvor, stellte aber dennoch keinen Grund zur Freude dar. Die Einnahmen des Vereins setzen sich aus Mitgliederbeiträgen, Einnahmen aus den Bewirtungen und Eintrittsgeldern, Spenden, der Chorförderung und der städtischen Vereinsförderung zusammen. Ausgabenseitig sind es die Beiträge, Versicherungen und die Aufwendungen für Chorleitung und Noten, die das Budget und das zum Glück angesparte Polster schmelzen lassen. Auch hier müssen wohl neue Ideen her, wie sich das Defizit künftig beheben lässt. Vor allem die Bewirtungen waren im letzten Jahr mit Unsicherheiten belegt – eine wurde kurzfristig wegen Regen abgesagt und weil die Fußballer bei der WM früh ausgeschieden waren, waren auch die Einnahmen aus der Bewirtung des Public Viewing nicht wie erhofft. Metzler bedankte sich zudem herzlich bei allen bekannten und unbekannten Spendern.

Die Kassenprüferinnen hatten keine Beanstandungen und berichteten von einer einwandfreien Kassenführung. Etwas später wurde die Gesamtverwaltung einstimmig entlastet.

»Es ist das gleiche, wie in jedem Jahr«, begann Chor­leiterin Tanja Krause ihren Bericht. Sie leitet seit 2005 die Sängerinnen und Sänger an und konstatierte ihnen ein gutes Niveau. Sie lobte die freundliche Atmosphäre und die große Energie, die im Chor spürbar ist. Das Jahreskonzert sei mit viel Liebe verlaufen, nur in den Proben hapere es manchmal mit der Aufmerksamkeit und Textsicherheit. Für 2019 hat sie geplant, neue Lieder von »Abba« einzustudieren und freut sich auf gute Zusammenarbeit und weiterhin viel Spaß.

Terminvorschau

Obwohl (noch) der neue Vorstand fehlt, wurden zum Ende der Versammlung die Termine des Jahres bekannt gegeben. Am nächsten Donnerstag treffen sich alle zum Reh-Essen im Bräukeller, ab 19. Mai singt der »Frohsinn« Marienlieder in der Wallfahrtskirche, am 19. Oktober lädt er ein zu seinem Konzertabend. Außerdem wird er wieder den Volkstrauertag musikalisch untermalen und im Seniorenzentrum im Advent singen.

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