Wie das Harmersbachtal im Sommer 2018 die Siesta für sich entdeckt

Mit mediterraner Lebensweise der Hitze ein Schnippchen schlagen

Können Sie sich noch daran erinnern, wie sich der Duft von Regen auf heißem Asphalt anfühlt? Am Mittwoch gab es für ein paar Minuten die Gelegenheit. Dann war der Regen in Zell auch schon wieder vorbei. Zum Wochenende legt die Hitzewelle eine kleine Pause ein. Doch bereits für nächste Woche sind wieder Tem­peraturen um 30 Grad Celsius drin.

Dr. Ralf Greiner, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes des DRK Wolfach, berichtet über kein wesentlich erhöhtes Einsatzaufkommen in den letzten Wochen. Lediglich vereinzelt seien Einsätze vorgekommen, die auf die Hitzewelle zurückzuführen sind. Insbesondere die älteren Menschen scheinen sich seinen Beobachtungen nach auf die Hitzewelle eingestellt zu haben und bleiben in den wärmsten Stunden des Tages zu Hause. Dem Rat, ausreichende Mengen Flüssigkeit zu sich zu nehmen, scheinen ebenfalls sehr viele zu folgen. »Wenn man nicht genug trinkt«, erläutert der erfahrene Notfall-Mediziner, »bricht der Kreislauf weg.« Ist man bei hohen Temperaturen draußen aktiv, können schnell drei bis fünf Liter Flüssigkeit zusätzlich zur normalen Ration nötig sein. Bier oder andere alkoholische Getränke sind ungeeignet, um den Wasservorrat im Körper aufzufüllen. Durch Alkohol weiten sich die Gefäße und der Blutdruck sinkt. „Auch da sind die meisten Menschen vernünftig“, lobt Greiner die Harmersbachtaler. Zu einem vermehrten Einsatzaufkommen aufgrund von Kreislaufkollapsen unter Alkoholeinfluss ist ihm nichts bekannt.

Neben der Dehydrierung ist auch ein Hitzestau gefährlich. Er entsteht meistens bei hoher körperlicher Aktivität, fühlt sich an wie hohes Fieber und kann zu ähnlichen Komplikationen führen.

Drinnen bleiben, die Haut, insbesondere die von Kindern, vor der Hitze und Sonnenstrahlung schützen und ausreichend trinken – das empfiehlt der Mediziner. Hinweise auf einen Flüssigkeitsmangel sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel. Weil es nicht für jeden immer einfach ist so viel zu trinken wie gefordert, kann es helfen, neben Mineralwasser auch Tee zu sich zu nehmen und das Essen um wasserhaltige Lebensmittel, wie etwa Suppen oder Wassermelone, anzureichern. Wahre Wunder kann ein Eiskaffee bewirken. Die Mischung aus Zucker und Koffein kickt den Kreislauf nach oben, wenn einem die Hitze mal richtig zu schaffen macht. Isotonische Getränke sind aus medizinischer Sicht indes nur in Ausnahmefällen von Nöten. Normalerweise habe der Körper so viele Reserven, dass er den Haushalt ausgleichen kann, weiß Greiner. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: Starke körperliche Aktivität kann zu einem erheblichen Mineralstoffverlust führen, der gesondert aufgefüllt werden sollte. »Eigentlich sagt uns der Körper, was er braucht«, so der Arzt. Man müsse nur auf die Warnsignale hören. Pause machen, wenn man nicht mehr kann, trinken, wenn man durstig ist, den Schatten suchen, wenn man schwitzt. Wie sieht es aus mit empfehlenswerten Plätzchen an der frischen Luft? An Wassertretstellen und im Schatten unter Bäumen lässt es sich gut aushalten. Überall dort, wo ein laues Lüftchen weht, ist ebenfalls Erholung vom Hitzestress möglich. Und: Bergbäche und Bergseen sind immer noch kühl. Eine Dusche unter einem Wasserfall erfrischt. Wenn also nichts mehr hilft, hilft eine Fahrt auf die Höhe und dort ein Ausflug ins immer noch kühle Nass.

Akute Waldbrandgefahr

Die Feuerwehr Zell a. H. schätzt die aktuelle Lage sehr kritisch ein. Täglich seien die Feuerwehren im Ortenaukreis derzeit zur Flächenbrandbekämpfung im Einsatz, berichtet Kommandant Florian Lehmann. Schon ein Funke reiche häufig aus, um ein Schadensfeuer entstehen zu lassen. Die Waldbrandgefahr ist extrem hoch, Bäume und Sträucher sind ausgedörrt, was im Fall eines Falles dazu führen kann, dass sich ein Feuer sehr schnell ausbreitet.

Die Lage an den Bächen würde die Brandbekämpfung nicht unbedingt erleichtern. Sie führen wenig Wasser, was die Entnahme für die Feuerwehr erschwert. Ein neuer Schwimmsaugkorb soll das Problem der Wasserentnahme aus flachen Gewässern bei Einsätzen der Zeller Feuerwehr bald beseitigen. Neben dem Wasser aus dem Bach steht noch das öffentliche Wassernetz zur Verfügung. Bereits beim Brand nach dem Blitzschlag im Badwald im letzten Jahr hatte sich gezeigt, dass Tanklöschfahrzeuge im Pendelverkehr das erste Mittel der Wahl bei Wald- und Flächenbränden sind. Bei einem gemeldeten Waldbrand werden deshalb, so ist von der Feuerwehrführung zu erfahren, stets zwei weitere Tanklöschfahrzeuge zusätzlich zu den Zeller Feuerwehreinheiten alarmiert.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, gilt es einige wenige, dafür jedoch umso wichtigere Verhaltensregeln zu befolgen.

Zigarettenkippen haben im Gras, in Hecken oder in Sträuchern nichts verloren. Grillen mit offenem Feuer, insbesondere in der Nähe von Grünflächen, muss zwingend vermieden werden. Auch Glasflaschen können durch den Lupeneffekt Brände auslösen und sollten daher niemals einfach so im Freien weggeworfen oder liegen gelassen werden. Einen besonderen Appell richtet die Feuerwehr an alle Gartenbesitzer: »Bitte bekämpfen Sie kein Unkraut mit einem Unkrautbrenner.« Hier musste die Feuerwehr schon mehrfach ausrücken, weil die Brenner Hecken in Brand setzten und Feuer sogar auf Wohnhäuser übergegriffen hatte.

Gießen für die Blütenpracht

Auch die Bauhof-Mitarbeiter und Gemeindegärtner im Harmersbachtal haben in den letzten Wochen mit und gegen die Hitze gekämpft. Der Nordracher Bauhofsleiter beziffert die Kosten, die durch die Trockenheit und Hitze entstanden sind, allein im Bereich der Grünflächenpflege auf mindestens 300 Euro pro Tag – hauptsächlich sind das Personalkosten. Mindestens fünf Stunden täglich sind die Mitarbeiter nämlich von Montag bis Samstag unterwegs, um die Pflanzungen mit Wasser zu versorgen. Hitzebedingte Straßenschäden gibt es (noch) keine. Sorgen in Hinblick auf die Wasserversorgung muss sich in Nordrach ebenfalls (noch) keiner machen. Das Wasser fließt, aber das Bächle führt nur Niedrigwasser. Deshalb sollten Wisch- und Spülwasser ausschließlich über die Kanalisation entsorgt werden. (Noch) nicht dramatisch, aber ernst ist die Lage der Landwirte. Die Nordracher Bauern berichten über Ernteausfälle nach dem ersten Schnitt der Wiesen. Das Vieh auf den Weiden muss regelmäßig umgesetzt und zugefüttert werden. Die Gemeinde Nordrach weist zudem dringend darauf hin, dass auf der gesamten Gemarkung das Grillen im Wald absolut verboten ist.

In Biberach ist die Pflege der öffentlichen Grünflächen durch die hohen Temperaturen stark reduziert, weil alles nicht mehr so wächst, wie in anderen Jahren. Die technischen Betriebe versuchen die Arbeiten an das Wetter anzupassen: Die Mitarbeiter fangen früher an, körperlich anstrengende Arbeiten werden auf die Morgenstunden gelegt und die Gemeinde stellt ihren guten Geistern, die immer im Hintergrund dafür sorgen, dass im Ort alles in Schuss ist, Mineralwasser zur Verfügung. Auswirkungen auf die Qualität der Straße oder auf die Wasserversorgung hat die anhaltende Trockenheit und Hitze Betriebshofangaben zufolge keine. Der gestiegene Wasserverbrauch ist durch die Tiefbrunnen und die Wasserversorgung der Kleinen Kinzig abgedeckt.