Die reden über meinen Garten?

Eine kleine Anekdote von Gottfried Zurbrügg aus dem Havelland

Bei seinen Einsätzen in Kirchengemeinden in Mitteldeutschland lernt Prädikant Gottfried Zurbrügg immer jede Menge interessanter Menschen kennen. So war es auch bei seinem letzen Vertretungsdienst, der ihn in die Nähe von Berlin führte. Er schreibt …

Wir saßen gestern unter einem Kirschbaum, der eben zu blühen beginnt. Bis 1990 feierte man im Werder Obstland die Baumblüte mit vielen Festen. Dann wurde den Bauern eine hohe Rodungsprämie angeboten, um den Obstmarkt zu entlasten. Viele Bauern fällten ihre Bäume und gaben auf. Erst langsam erholen sich die Bestände wieder und alle freuen sich auf die Baumblüte.

Aber die Bienen! 20 Prozent der Völker haben den Winter nicht überlebt und die Zahl kann noch wachsen. Natürlich sprachen wir auch darüber. Unsere Gastgeberin fragte dann plötzlich in die Runde: »Schaut mal, die Bienen sind komisch, die sammeln gar nicht richtig.« »Das sind Späher«, sagte ich. »Die schauen sich Ihren Garten an und melden dann in den Stock zurück, was zu holen ist.« Sie war rundweg entsetzt. »Die gucken sich alles an und reden darüber? Über meinen Garten?« Ich konnte es nicht lassen und ergänzte: »Wenn Sie einen guten Eindruck machen wollen, dann lassen Sie Beikräuter stehen. Die Bienen mögen so etwas und merken sich das. Es geht um Ihren Ruf!«
Natürlich lachte alles und ein anderer sagte in die Runde. »Nicht nur die Bienen, die Vögel auch. Wenn sie in Ihrem Garten ein Nest bauen, dann heißt das, dass sie Ihnen vertrauen. Sie haben Sie dann lange beobachtet.«

Nun staunten alle. »Über unsere Gärten wird geredet?« »Nicht nur die Nachbarschaft«, sagte eine Frau. »Um meinen Garten haben sich zwei Amseln gestritten, da bin ich aber dazwischen gegangen, denn es ist doch mein Garten.«

Ich dachte an Peter Wohlleben, den Oberförster aus der Pfalz, der weiß, dass sogar die Bäume und Pflanzen Informationen sammeln und weitergeben.

»Wem gehört denn mein Garten?«, fragte die Besitzerin empört.
»Heute uns allen sagte der Vorsitzende vom Ältestenrat und hob sein Glas zum An­stoßen.

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