Für acht Wochen wurde Eduardo ein Zeller

Eduardo Bernedo Riveros ist 16 Jahre alt, kommt aus Peru und hat von Anfang Oktober bis Anfang Dezember bei Rita und Andreas Lehmann in Neuhausen gelebt – In dieser Zeit lernte er Land, Leute und Sprache kennen

Von Mitte September bis Anfang Dezember nahm Austauschschüler Eduardo Bernedo Riveros aus Arequipa – im Süden des Andenstaates – drei Monate lang an einem Programm seiner peruanisch-deutschen Schule Max Uhle teil. Während der vergangenen acht Wochen lebte der Schüler bei Rita und Andreas Lehmann in Neuhausen und besuchte das Marta-Schanzenbach-Gymnasium in Gengenbach. Er lernte Land, Leute und die Sprache kennen.

Rita und Andreas Lehmann aus Zell-Neuhausen hatten sich bei der Organisation DJO Schwaben in Stuttgart gemeldet und ihre Bereitschaft mitgeteilt, dass sie einen Schüler für ein paar Wochen bei sich aufnehmen würden. Das war im April. Im »Gemeinsamen Amtsblatt« hatten sie beim Verein Deutsche Jugend Europa gelesen, dass Gastfamilien gesucht werden.
Ihre Tochter Tanja Lehmann war für einige Monate in Peru und Chile gewesen, erzählen sie. Lehmanns hatten sie dort besucht. Von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft war die Familie sehr beeindruckt. Daraus entstand ihre Motivation in gespiegelter Weise.

Nun liegen acht gemeinsame Wochen mit dem peruanischen Schüler hinter ihnen und das Reisetagebuch von Eduardo ist gefüllt mit beachtlichen Eindrücken, sein Wortschatz wurde um viele Ausdrücke erweitert. Am Samstag hat er all das mit in seine Heimat genommen. Im Gespräch vor seiner Abreise berichtete er über seine Zeit in Deutschland – in Zell.
Seine Austausch-Mutter auf Zeit, Rita Lehmann, hat den Kontakt zur Lokalzeitung »Schwarzwälder Post« hergestellt.

Austausch ist Pflicht

An einem Nachmittag Ende November treffen wir uns. Dass das Interview in deutscher Sprache stattfinden muss, ist für Eduardo kein Problem. Er besucht die peruanisch-deutsche Schule, die einen Kindergarten, eine Grundschule, eine Mittel- sowie Oberstufe hat, seit seinem dritten Lebensjahr.
Die Erziehung in der Max-Uhle-Schule basiert wie in Deutschland auf einem interkulturellen Konzept. So stehen die eigene Identität wie auch die Förderung von Wissen über andere Kulturen gleichermaßen im Lehrplan. Letzteres wird durch das Erlernen der deutschen Sprache ab dem Kindergarten und der englischen Sprache ab der fünften Klasse zugänglich gemacht.

Zum Jahresprogramm der Zehntklässler der peruanischen Schule gehört es, drei Monate lang in Deutschland zu leben. Am 15. September startete für Eduardo und seine Schulkameraden die Reise ins Austauschprogramm. Eduardo kann die deutsche Sprache verstehen, schreiben und sprechen. Dazu haben die vergangenen acht Wochen im Marta-Schanzenbach-Gymnasium und bei der Familie Lehmann und ihren Freunden einiges beigetragen. Der Schüler, der sehr am Erlernen der Sprache interessiert ist, sagt: »Deutsch ist eine wichtige Sprache.« Und Rita Lehmann stellte ihm danach ein besonderes Zeugnis aus: »Mittlerweile versteht Eduardo sogar Badisch.« Also steigen wir ein ins Interview und Eduardo erzählt zwei Stunden auf Deutsch von seiner Heimat und seiner Sprachreise in Deutschland.

Eduardo lebt in Arequipa mit seinen Eltern Salomón und Julia Bernedo Riveros und seinem Bruder Ricardo. Die Familie Bernedo Riveros wohnt im zweitgrößten Stadtteil Cerro Colorado. Insgesamt leben in Arequipa fast eine Million Menschen. Die Stadt liegt im Süden Perus am Fluss Chili auf 2.235 Metern über dem Meeresspiegel. Trotzdem sinken die Temperaturen nie unter 10 Grad Celsius.

Seine Eltern sind Agraringenieure. Salomón und Julia Bernedo Riveros haben ein Unternehmen mit 20 Mitarbeitern, das Landwirtschaft betreibt. Wie seine Eltern will Eduardo Agraringenieur werden. Nach dem Schulabschluss wird er in Lima, der Hauptstadt Perus, an der Universität Nacional Agraria La Molion studieren.

Mit dem Rad durch die Wälder

Die Zeit in Deutschland gestalteten Rita und Andreas Lehmann für ihren Gast sehr abwechslungsreich. Sie nutzten ihre zahlreichen Kontakte, um Eduardo unterschiedlichste Eindrücke zu ermöglichen. Nach acht Wochen liebt Eduardo Käsespätzle, weiß wie sich Schnee anfühlt und wie ein Klappfahrrad auseinander- und wieder zusammengesetzt wird. Doch der Reihe nach.

Nachdem die 70 Schüler am 15. September in Deutschland ankamen, verbrachte die Gruppe knapp zwei Wochen gemeinsam im Schullandheim bei Bad Herrenalb. An diese Wochen reihten sich ein Ausflug in den Europa Park und eine Reise durch Deutschland mit Aufenthalten in Heidelberg und Berlin. Der Fernsehturm mit seinem Ausblick aus 368 Metern Höhe hat Eduardo dort besonders gut gefallen. Am 3. Oktober wurden die Schüler in den Gastfamilien aufgenommen.
Eduardos Eindruck von der Stadt Zell: Es ist eine sehr alte, ruhige Stadt mit viel Natur.

Die Leute seien sehr freundlich und die Gegend eigne sich sehr gut zum Fahrrad fahren. Fahrradfahren wurde in den vergangenen Wochen eine seiner Lieblingsbeschäftigungen.
Ob auf der Ebene oder durch den Wald in die oberen Lagen – immer wieder war er mit dem Rad unterwegs. Die Freude motivierte ihn sogar dazu ein Klappfahrrad zu kaufen. Von Gastvater Andreas Lehmann lernte er, wie er es auseinander nimmt und wieder zusammenbaut. Bei der Abreise lag es kompakt verpackt im Reisekoffer.

Hier in Deutschland besuchte Eduardo das Marta-Schanzenbach-Gymnasium in Gengenbach. Der Unterricht für die zehnte Klasse in Deutschland füllte seine Vormittage und frühen Nachmittage. Mit seinem ebenfalls aus Zell kommenden neuen Schulkamerad Tim Lehmann fuhr er mit Bus und Zug nach Gengenbach und verbrachte Zeit nach der Schule.

Gemeinsam mit seiner Gastfamilie hat er viel gesehen. Feldberg, Storchenturm-Museum, Bugatti-Museum in Mulhouse … immer war etwas geboten. Der Radius umfasste den gesamten Mittleren Schwarzwald. Auch von Kultur, Religion und Traditionen und deren Wandlung nahm Eduardo etwas auf. Die Trachtenträgerin Rita Lehmann nahm ihn mit zur Feier anlässlich des 500. Jahrestages der Reformation.
Und dann war da ja noch das Essen: Eduardo mag die Speisen. Es sei anders. Hier würden die Leute mehr Salat essen, beschreibt Eduardo einen Unterschied zwischen den Essgewohnheiten. Es schmecke aber gut. Zu einem seiner Lieblingsessen wurden Käsespätzle. Von »Frau Rita«, so nannte Eduardo seine Gastmama höflich, lernte er Spätzle selbst zu machen. Auch wie Dummis und Pizza gemacht werden und Weih­nachtsgebäck. Er selbst hat für seine Gastfamilie Kartoffelkuchen Pastel de papa gekocht. Nicht weit war auch die Werkstatt von Berthold Eble in Neuhausen. Diese besucht Eduardo hin und wieder. Bemalt Tassen. Kauft ein.
Seine Koffer waren proppenvoll. Viele Geschenke und Einkäufe hat Eduardo während seiner Zeit in Zell besorgt. Den Klassiker der Souvenirs, die Kuckucksuhr, aber auch kleine Holzkrippen werden zuhause bei Familie und Verwandten demnächst unter dem Weihnachtsbaum liegen.

Neben dem Klappfahrrad ging weitere Technik mit nach Peru: eine akkubetriebene Heckenschere. Der angehende Agraringenieur hatte gerne bei der Gartenarbeit in Neuhausen mitgeholfen. Einmal stand das Schneiden der Hecken an. Dazu nutzt man hierzulande eben die elektrische Heckenschere ohne Kabel. An Technik ist Eduardo sehr interessiert, berichtet Andreas Lehmann. An einem Samstag durfte der peruanische Schüler die Maschinenfabrik Erwin Junker besuchen.
Und zuletzt gingen im Koffer noch Ski Bo, Ligretto und Biberbande mit. Das sind Kartenspiele, die Eduardo bei Lehmanns lernte und mit denen sie gemeinsam so manches Abendprogramm gestalteten.

Rita und Andreas Lehmann sind dankbar für die schönen Tage. Natürlich waren die Wochen auch intensiv und ausgefüllt. Doch wollen sie diese Erfahrung einfach jedem empfehlen. Sie freuen sich jetzt schon, wenn Eduardo sie mal wieder besuchen kommt. Er hat es sich fest vorgenommen.