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Zell am Harmersbach | 24.11.2017

Bilder mit kulturgesellschaftlichem Hintergrund

Erstes Zentrum für chinesische Kunst in Kooperation mit dem Museum Villa Haiss eröffnet

Foto:
Blick in die neuen Galerieräume mit Bildern des Künstlers He Jin Wie. Foto: Gerhard Vaternahm
von Susanne Vaternahm

Mit regem Interesse nahmen am vergangenen Samstag an die 100 Kunstinteressierte an der Eröffnung des Asia Scene Art Space (ASAS) und der Gründungsausstellung »Mixed ZONE« in der Hauptstraße teil. Stellvertretend für die zwölf Künstler war nur dem an der Ausstellung beteiligten Künstler He Jin Wei und der Kuratorin Hang Nie die Ausreise zu diesem richtungweisenden Ereignis genehmigt worden.

Als Galerist und Kunstsammler Walter Bischoff im Okto­ber 2015 aktiv an der ASAS-Ausstellungseröffnung in der Sichuan University im chinesischen Chengdu beteiligt war, stand schon die Kooperation mit seinem Zeller Museum für zeitgenössische Kunst fest. Daraufhin schuf der Galerist eine Möglichkeit, chinesische Kunst von Zell aus in Europa bekannt zu machen. Er baute die einstigen Singler Verkaufsräume, einschließlich Untergeschoss, zu einer respektablen Ausstellungsfläche um (Schwarzwälder Post vom 15. November »Neues Kapitel in der globalen Kunstwelt«).

Vor acht Jahren lernten sich Bischoff und der renommierte Künstler He Jin Wei auf der internationalen Kunstmesse in Seoul kennen (Kiaf). Seitdem ist Walter Bischoff bestrebt, das Interesse für zeitgenössische chinesische Kunst im europäischen Raum und weltweit zu wecken. Denn noch ist das Interesse verhalten bei deutschen und ausländischen Sammlern. Aber Walter Bischoff hat ein sicheres Gespür für die Zukunft. Bereits auf der Kunstmesse Art Karlsruhe stellte er schon mehrmals Malerei aus China aus – ebenso vor einigen Jahren eine viel beachtete Bilderschau in seinem Zeller Museum mit Arbeiten von He Jin Wei.

Gegenständliche Malerei

Anders als in Europa, setzen sich die zwölf Künstler mit kulturgesellschaftlichen Themen auseinander. In der 30 Arbeiten umfassenden Werkschau sind Motive oft geprägt von der Tragödie der zurück gelassenen, verarmten Kinder von Wanderarbeitern. Es sind Bilder von großer Stille, verhaltenen Farben und bedrückender Emotionalität. Als hätte den Künstler seine eigene Vergangenheit wieder eingeholt.

Auf wandfüllenden, mittel- und kleinformatigen Arbeiten erzählen die international renommierten Künstler von den existenziellen Nöten und Ängsten der Menschen auf der Flucht vor Krieg und Armut. Szenen am Grenzverlauf von Vietnam zu China und um Burma sind zum Greifen lebensnah dargestellt. Menschen am Straßenrand, vor ihren Jurten, an Flussläufen, im Krisen- und Kriegsgebiet. Am Rande der Existenz und in ständiger Lebensgefahr. »Eine Region, in die ich nie reisen würde«, sagt Kuratorin und Kunsthistorikerin Hang Nie. Eine Reihe lebensgroßer Kindergesichter, mit Acryl auf Reispapier festgehalten, dokumentieren eine heranwachsende Jugend, die nur den Ausnahmezustand kennt.

Wenig Romantik

Unterstützend verdeutlichen Farbfotografien neben den künstlerischen Arbeiten die harte Realität. Kein Platz für Romantik bei der Reihung von alten Schul- und Kindergartenstühlen, die den Künstler an die eigene Vergangenheit erinnern – eintönig braun, von Gebrauchsspuren abgenutzt und zersplittert.

Kein Platz für Romantik, wenn allein stehende alte Menschen in andachtsvoller Körperhaltung auf dem Weg zur buddhistischen Gebetsstätte sind. Hier ist die Szene in leuchtende Orange- und Rottöne getaucht.

Von hervorragendem zeichnerischem Können zeugt die Bleistiftzeichnung eines Soldaten, im Arm ein Gewehr, im Hintergrund ein paar verstreute Patronenhülsen. Ebenso der alte Bauer, der auf einem Ochsen reitet. Nationalstolz und Vitalität geht von der Marinesoldatin aus, die den Bildvordergrund beherrscht.

Wohl an eine Auseinandersetzung mit dem Westen ist bei dem kleinformatigen Soldatenporträt, betitelt »Prussia«, gedacht. Auf einem anderen Kleinformat wird eine Szene aus der chinesischen Oper zitiert. Drei ganz unkonventionell auf dem Boden angeordnete Modelle von Schiffs- und Flugzeugwracks lassen die wechselvolle Geschichte dieser Weltmacht anklingen. Am Rande der Realität bewegt sich die malerische Szene mit dem großen Drachen, dem traditionellen Symboltier Chinas. Hier steigert sich der Künstler in die Wunschwelt und lässt ein unbekleidetes Paar auf dem Drachenrücken in ungeahnte Sphären reisen. Unerfüllte Phantasien, überlagert von den Realitäten, die dieses Großreich ausmachen. Und im Schaufenster des ASAS Zentrums prangt das überdimensionierte Gesicht einer pure Lebensfreude ausstrahlenden jungen Frau mit einem unwiderstehlich ansteckenden Lachen – wie von einer Zahnpastareklame aus unseren fünfziger Jahren – und rundet die facettenreiche chinesische »Mixed ZONE« ab.

Mit dem Zentrum für asiatische Kunst hat Walter Bischoff ein viel versprechendes Projekt ins Leben gerufen, dem man für die Zukunft viel Dynamik und ein breites Interesse und ein entsprechendes Käuferpublikum wünscht.

Die Sonderausstellung »Mixed ZONE« ist bis zum 18. Februar 2018
zu sehen.

Die Galerieräume in der Hauptstraße 40, einschließlich der Depoträume im Untergeschoss, sind vorläufig nur nach Vereinbarung geöffnet. Für einen Besuch des ASAS wenden Sie sich bitte an das Museum Villa Haiss (Telefon 07835/549987) oder über die Website www.artbischoff.com

Foto: Gerhard Vaternahm
Zhang Bin: »teacher«, Öl auf Leinwand, 2006.
Foto: Gerhard Vaternahm
Zhang Jie: »Absent Children Nr. 13«, Öl auf Leinwand, 2017.
Foto: Gerhard Vaternahm
Bao Xiaowei: »Ältere Flüchtlinge aus Kokang (Birma)«, Bleistiftskizze 2015.
Foto: Gerhard Vaternahm
Blick in die neuen Galerieräume mit Bildern des Künstlers He Jin Wie.
Foto: Gerhard Vaternahm
Galerist Walter Bischoff und der aus China angereiste Künstler He Jin Wei und Kuratorin Hang Nei. :

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Schlagworte:
Asian Scene Art Space, Mixed ZONE

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