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Zell am Harmersbach | 27.09.2017

Aufhören kommt nicht in Frage

Vor 20 Jahren eröffnete Walter Bischoff (83) das Villa Haiss-Museum für Zeitgenössische Kunst

Foto:
Walter Bischoff in den Räumen der Villa Haiss, mit Skulpturen von Lluis Cera. Foto: Inka Kleinke-Bialy
von Inka Kleinke-Bialy

„Kunst ist ein Lebensgefühl“, erklärt Museumsbetreiber und Galerist Walter Bischoff das, was ihn antreibt. So kommt es, dass es keinen Tag gibt, an dem er »nicht an irgendetwas arbeiten würde.«

Foto: Inka Kleinke-Bialy
Walter Bischoff in den Räumen der Villa Haiss, mit Skulpturen von Lluis Cera.
Foto: Inka Kleinke-Bialy
Seit zwei Jahrzehnten nun schon beherbergt die Villa Haiss ein Museum für zeitgenössische Kunst sowie eine Galerie.

»Das ist eigentlich übel, aber es ist so«, lässt sich Walter Bischoff mit verschmitztem und doch auch ernstem Schmunzeln über seinen Tatendrang aus. Was seine größte Stärke ist? »Dass ich selten müde werde«, sagt der Mann, der oft genug mit fünf Stunden Schlaf pro Nacht auskommt.
Eigentlich ist der gebürtige Stuttgarter Architekt. Aus einer durch den Krieg mittellos gewordenen Familie mit fünf Kindern stammend musste er sein Studium selbst finanzieren, verkaufte dazu beispielsweise »für andere Grafiken – Radierungen, die ich von einem Verlag übernommen hatte und vertrieb, das hatte aber nichts mit Kunst zu tun.«

Mit tatsächlicher Kunst dann konnte er sich ab- und umgeben, sobald er sein Diplom in der Tasche hatte und als 25-Jähriger ein von Anfang an bestens laufendes Architekturbüro im Großraum seiner Heimatstadt eröffnete. »Schon während meiner ge­samten Architekturzeit habe ich alles freie Geld immer in Kunst angelegt«, so Walter Bischoff.

Schließlich aber wickelte er sein Architekturbüro ab, um 1981 nach Zell übersiedeln zu können, wo seine zweite Frau – Dr. Uta Klein-Bischoff – in den Pharma-Betrieb ihres Vaters eingebunden war. Nun allerdings lautete die Frage, »was tut man hier?«, schmunzelt der Mann, für den Nichtstun nicht in Frage kommt.

So stieß er nach einiger Zeit auf eine Anzeige, in der ein Deutscher einen Partner für eine Galerie in Chicago suchte. Walter Bischoff stieg ein. Zwar musste der damals in dieser Branche noch völlig Unerfahrene viel Lehrgeld zahlen, weil sich der Partner als Betrüger herausstellte, ihn im wahrsten Sinne des Wortes sitzen ließ. Doch Walter Bischoff biss sich durch und erwarb sich als Galerist sowohl in Übersee als auch in Deutschland hohes Ansehen – indem er konsequent europäische Kunst zeigte, »das hatte damals niemand gemacht.« Gleichzeitig unterhielt er in Grünewald bei München eine kleine Galerie, in der er hauptsächlich amerikanische Kunst zeigte.
1988 war Schluss in Chicago und München, stattdessen eröffnete der dreifache Familienvater in Stuttgart und bald darauf in Berlin jeweils eine Kunstgalerie. Die eine betrieb er 20 Jahre, die andere 18 Jahre lang. Heutzutage konzentriert er sich auf die am 29. November 1997 eröffnete Villa Haiss – jenes denkmalgeschützte Gebäude aus dem einstigen Komplex der Zeller Keramikfabrik, das Uta Klein-Bischoff erworben hatte und das unter seiner fachkundigen Leitung aufwändig saniert worden war.

Nur ein Teil seiner Sammlung

Hier nun endlich konnte und kann er zumindest einen Teil seiner umfangreichen Sammlung zeitgenössischer Werke ausstellen. »Diese Sammlung wird von Experten hoch geschätzt«, zeigt der versierte Kunstkenner nicht ohne Stolz, was sich in den beiden oberen Stockwerken des weitläufigen Gebäudes entdecken lässt. Die Arbeiten großer Namen wie beispielsweise Andy Warhol, Heinz Mack, Yves Klein, Thomas Ruff, Cindy Sherman und Jim Dine findet man hier.
Monatliche Kosten in Höhe von 10.000 Euro fallen für das Museum an, betont Walter Bischoff. Mangels Förderung müsse er diesen Betrag von seiner Tätigkeit als Betreiber jener Galerie finanzieren, die sich im Erdgeschoss befindet. »Unheimlich viel Arbeit« sei da zu bewältigen. Auch wenn die gängige Meinung der Bevölkerung sei: »Die Künstler bringen die Bilder, hängen sie auf, der Galerist verkauft sie und verdient einen Haufen Geld.« So aber verhalte es sich keinesfalls.

Zum einen sucht er grundsätzlich alle Ausstellungsstücke selber aus. Egal, aus welchem Land die Arbeiten kommen. »Dann geht es weiter mit dem Verhandeln der Konditionen, mit Verträgen, Versicherung, Transport, Werbungs- und Medienarbeit.« Hinzu kommen die alle drei Monate wechselnden Sonderausstellungen sowie die Bestückung internationaler Kunstmessen, auf denen er selbstverständlich persönlich anwesend ist, so wie derzeit in Seoul. Aufhören jedoch kommt für den 83-Jährigen nicht in Frage. »Wenn ich das tu’, dann bin ich alt«, lacht er.

Förderer und Forderer

Hinzu kommt der für ihn wichtige persönliche Kontakt zu den Künstlern. Menschlich verpflichtet fühlt er sich ihnen. Mit der Aufgabe, sie zu unterstützen und zu fördern – auch durch Arbeitsstipendien auf einer Farm, die er in Kalifornien besitzt. Auf diese Weise habe sich im Laufe der Jahre ein sehr intensives Beziehungsgeflecht mit tiefen Freundschaften entwickelt, erzählt er, »das ist alles wie eine große Familie.«

Einen Wermutstropfen jedoch gibt es für Walter Bischoff: die Zeller Kunstwege in ihrer aktuellen Form. Gemeinsam mit Armin Göhringer und Ulli Nagel wurden sie dereinst ins Leben gerufen, ein Förderverein gründete sich. Aus dem ist Walter Bischoff zwei Tage nach der Eröffnung der vierten Zeller Kunstwege im vergangenen Mai jedoch ausgetreten. Der Grund: Seit einem Vorstandswechsel im Verein sei »alles sehr unprofessionell geworden«. Insbesondere widerstreben ihm einige »nicht gute Arbeiten«, die in die aktuellen Kunstwege integriert wurden. »Wenn man so etwas macht, dann sollte es das Bes­te vom Besten sein«, fordert er, aus dessen Privateigentum acht der Kunstwege-Objekte stammen, mit Nachdruck.

Und noch etwas ist ihm ein Dorn im Auge: dass Kinder, von den Kunstwege-Verantwortlichen unter dem Motto »Kunst zum Anfassen« dazu ermutigt, auf den Skulpturen herumklettern. »Der Werner Pokorny zum Beispiel, von dem die Skulptur vor dem Rathaus stammt – der wäre entsetzt, wenn er davon wüss­te«, zeigt sich auch Bischoff entsetzt. Nicht aus Sorge, dass an dem Objekt etwas passieren könne, denn das besteht aus Stahl. Doch es geht ihm um den fehlenden Respekt vor der Kunst, den man Kindern seiner Meinung nach auf diese Weise anerzieht.

 

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