Stadt kauft das Gasthaus »Linde«

Das Vorkaufsrecht im Sanierungsgebiet wird geltend gemacht – Hier könnte eine künftige Straßenanbindung bzw. Innenstadtumfahrung geschaffen werden

Der Gemeinderat der Stadt Zell traf sich am Montagabend zu einer außerordentlichen, öffentlichen Sitzung. Der Grund dafür war, dass die Aus­übung von Vorkaufsrechten beim Verkauf des Gast­hauses »Linde« in der Oberstadt sowie einer Teilfläche beim »Schwarzen Adler« in Unterharmersbach keinen zeitlichen Aufschub
erlaubte. Bei der »Linde« geht es um eine mögliche zukünftige Verkehrstrasse, beim »Schwarzen Adler« um den Hochwasserschutz. In beiden Fällen stimmte das Ratsgremium mehrheitlich für einen Kauf.

»Alle Diskussionen über die Verbesserung der Verkehrssituation in der Zeller Innenstadt bringen nichts, wenn wir uns nicht die Möglichkeit für mögliche Alternativen offen halten«, brachte Bürgermeister Günter Pfundstein auf den Punkt, was für den Kauf des Gasthauses »Linde« spricht. Die Gelegenheit zum Kauf ergab sich für die Stadt durch den privaten Verkauf der Immobilie am 8. Juli 2016. Einschließlich dem Wert für bewegliches Inventar in Höhe von rund 27.000 Euro betrug der Verkaufspreis 169.616 Euro. Die »Linde« liegt im Sanierungsgebiet der Stadt Zell. Hier kann die Stadt ein Vorkaufsrecht ausüben, »wenn das Wohl der Allgemeinheit dies rechtfertigt«.

Deshalb empfahl die Verwaltung dem Gemeinderat im Hinblick auf mögliche künftige Straßenanbindungen bzw. Umfahrungen den Kauf als Ganzes oder zumindest einer rund 100 Quadratmeter großen Teilfläche, auf der sich zurzeit die Parkplätze des Gasthauses an der Kapellenstraße 3 befinden. Für letzteres wäre nach dem Bodenrichtwert ein Kaufpreis von 10.000 Euro gerechtfertigt gewesen.

»Wir denken bei der Verkehrsplanung in Jahrzehnten«

Ein Schwerpunkt beim Projekt »Zell 2030« sei die Verkehrsentwicklung, stellte Bürgermeister Pfundstein bei der Beratung am Montagabend fest. Die Schwierigkeit in Zell sei, dass der Verkehr aus allen Wohngebieten in die Hauptstraße und dann zum Kreisverkehr abfließe und es hier zur Verstopfung komme. Ziel müsse es nun sein, alternative Fahrrouten zu schaffen. Um neue Möglichkeiten zu erarbeiten, habe die Stadt auch eine Verkehrsplanerin in das Projekt mit eingebunden.

Eine denkbare Variante führe entlang dem ehemaligen Krankenhaus und dem Harmersbach bis zur »Linde« und dann wieder zurück auf die Hauptstraße. Dass sich neben dem Gasthaus noch ein weiteres Wohnhaus befinde, sei klar und man wolle mit der Verkehrsplanung keine Ängste schüren. Vielmehr müsse man in Jahren, wenn nicht gar in Jahrzehnten denken, so Pfundstein, um eine Verbesserung der Situation herbeizuführen. Eine Lösung am Harmersbach entlang werde viel Zeit in Anspruch nehmen, bis dies praktisch möglich sei.

Eine Chance für die Zukunft

Gemeinderat Christian Bruder sprach von einer »Chance für die Zukunft«, die sich durch den Kauf des Gasthauses »Linde« ergebe. Dem schloss sich auch Gemeinderat Thomas Hoog an. Er sieht in einer Verkehrslenkung über die Kapellenbrücke die bessere Alternative als eine Trasse über die Hoog-Brücke und das Gelände beim ehemaligen »Hechten«. Im Zuge des Konzepts 2030 müsse man diese einmalige Chance wahrnehmen, sprach sich auch Gemeinderätin Andrea Kuhn für den Kauf des Gesamtareals aus. »Wenn, dann komplett«, gab es für Gemeinderat Lorenz Breig keine Alternative.

Gemeinderat Stefan Huber wollte wissen, was die Stadt in der Zwischenzeit mit dem Gebäude vorhabe? Denkbar wäre wieder eine Vermietung als Gaststätte, stellte Bürgermeister Pfundstein fest. Es würde der Stadt gut tun, eine Gaststätte zu haben, betonte Gemeinderat Hannes Grafmüller. Derweil sprachen sich die beiden Grünen-Gemeinderäte Sybille Nock und Martin Teufel dafür aus, nur das Vorkaufsrecht auf die Teilfläche auszuüben. Bei einer Enthaltung und drei Gegenstimmen gab es letztlich eine deutliche Mehrheit für den Kauf der gesamten Immobilie.

Auf Anfrage von Sybille Nock stellte Bürgermeister Pfundstein fest, dass der Kaufpreis nicht verhandelbar sei, wenn die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend mache. Sie müsse in den abgeschlossenen Kaufvertrag in voller Höhe von 169.616 Euro eintreten. Der Neubau des Gasthauses »Linde« ist im Jahr 1978 entstanden.

Die Hochwassersituation entschärfen

Auch das Gasthaus »Schwarzer Adler« in Unterharmersbach hat am 8. Juli 2016 seinen Besitzer gewechselt. Mit eingeschlossen ist eine 280 Quadratmeter große »Erholungsfläche« auf der gegenüber liegenden Straßenseite. Die Fläche ist nicht bebaubar und könnte als künftige Retentionsfläche in Betracht gezogen werden. Mit zehn Ja-Stimmen, bei zwei Enthaltungen und sechs Gegenstimmen sprach sich auch hier der Gemeinderat dafür aus, das Vorkaufsrecht auszuüben. Der Kaufpreis wurde auf höchstens 3,50 Euro je Quadratmeter begrenzt.

Nun wird die Stadt Zell mit den Vertragspartner in Verhandlung treten. Man wolle den Verkauf des Gasthauses »Schwarzer Adler« aber nicht in Frage stellen, betonte Bürgermeister Pfundstein. Gemeinderat und Ortsvorsteher Hans-Peter Wagner hatte sich gegen einen Kauf der Teilfläche ausgesprochen, da hier eventuell Längsparkplätze angelegt werden könnten.

»Dort werden Parkplätze vom Landratsamt abgelehnt, weil das Gelände erst aufgefüllt werden muss«, widersprach Stadtbaumeister Roland Keifel.

Gemeinderat Christian Bruder gab zu bedenken, dass sich das Grundstück in der Innenkurve der Hauptstraße befinde und sehr ungeeignet für Parkflächen sei. Da das Grundstück tiefer liege, sei es aber für Hochwasserschutzmaßnahmen geeignet. Gemeinderat Gottfried Lehmann forderte eine Öffnung, dass hier das Wasser des Hinterhambachs bei Hochwasser besser in den Harmersbach abfließen könne. »Wir kaufen an dieser Stelle nur Arbeit und Pflegemaßnahmen« zeigte sich Gemeinderat Ludwig Schütze skeptisch. Nach intensiver Diskussion gab es letztlich eine Mehrheit für die Übernahme der Fläche durch die Stadt Zell.

Abbruch der Lager­gebäude wird teurer

Ursprünglich hat die Stadt Zell 30.000 Euro für den Abbruch der alten Lagergebäude auf dem Bahnhofsareal entlang der Hindenburgstraße eingeplant. Das günstigste von insgesamt sechs Angeboten wurde von der Firma Schille aus Ortenberg mit 50.204 Euro abgeben. Da habe man seitens der Verwaltung zu niedrig kalkuliert, stellte Bürgermeister Pfundstein fest.

Alleine die Entsorgung der Asbestplatten schlage mit 12.000 Euro zu Buche. Auch die vorhandenen Betonplatten müssten entfernt werden, ehe das Gelände eingeschottert und vernünftige Parkplätze angelegt werden können, so Stadtbaumeister Keifel. Der Gemeinderat sprach sich trotz der höheren Kosten einstimmig für eine Vergabe der Arbeiten aus.

Konus ist ein Erfolgsmodell

»Die Konus-Idee hat sich zu einem Erfolgsmodell im Schwarzwald entwickelt«, stellte Bürgermeister Pfundstein fest und auch der Zeller Gemeinderat teilte diese Meinung einstimmig.

Man könne sich einen Ausstieg nicht erlauben (Bürgermeister Pfundstein) und müsse unbedingt dabei bleiben (Gemeinderätin Nock), so die Wortbeiträge bei der Beratung. Allerdings steigen die Kosten für das Konus-Entgelt von bisher 36 auf 42 Cent zuzügl. MWSt. je Übernachtung. Die Konus-Phase 4 dauert vom Jahr 2017 bis zum Jahr 2021.

Kurtaxe erhöht sich um 10 Cent

Im Zuge der Konus-Verlängerung wurde auch die Kurtaxe entsprechend angepasst. Diese steigt in Zell um 10 Cent. In der Hauptsaison von 1.40 auf 1,50 Euro, in der Nebensaison von 0,75 auf 0,85 Euro. Die Gebührenkalkulation würde in Zell eine Kurtaxe in Höhe von 1,86 Euro zulassen, informierte Rechnungsamtsleiter Kammerer. Befreit seien Kinder bis 12 Jahre. In der Kurtaxe ist jeweils ein Teilbetrag enthalten, den die Stadt Zell als pauschale Fahrgelderstattung an die Schwarzwaldtourismus GmbH für das Projekt Konus abzuführen hat. Auch in den Nachbargemeinden wird die Kurtaxe um je 10 Cent erhöht.

Friedhofsvertrag verlängert

Bürgermeister Pfundstein gab bekannt, dass der Pflegevertrag für den Zeller Friedhof mit der Firma Rudi Lang für die Jahre 2017 und 2018 verlängert wurde.

Spielplatz Ziegelfeld wird ausgeschrieben

Auf Anfrage von Gemeinderätin Sybille Nock informierte Stadtbaumeister Keifel, dass die Arbeiten  für den Spielplatz Ziegelfeld Ende September öffentlich ausgeschrieben werden. Die Vergabe sei für Oktober und der Baubeginn für November 2016 geplant. Ob die Arbeiten in diesem Jahr noch fertig werden, sei auch vom Wetter abhängig. Bürgermeister Pfundstein gab bekannt, dass die Stadt Zell im Bereich Ziegelfeld beim geplanten Spielplatz ein weiteres Grundstück erwerben konnte.

Es wurde weder gestrichen noch gespart

Zu einer kontroversen Diskussion kam es am Ende der Gemeinderatssitzung über die Pflege der städtischen Grünflächen. Gemeinderat Ludwig Schütze wollte von Bürgermeister Pfundstein wissen, ob es richtig sei, dass die Mitarbeiter des Betriebshofes aus Spargründen keine Überstunden leisten dürften, um die anstehenden Aufgaben zu bewältigen? »Dies ist ein Gerücht und so nicht richtig«, stellte Bürgermeister Pfundstein klar. Auch die Personalsituation sei unverändert: »Es wurde weder gestrichen noch werde gespart.« Pfundstein gab allerdings zu bedenken, dass die Stadtgärtnerei insgesamt 17 Hektar Fläche zu pflegen habe. Nicht zuletzt habe die feuchte Witterung dazu beigetragen, dass das Grün wächst und wuchert.

Kanzleiplatzgebäude beleuchten

Gemeinderat Paul Gutmann rege an, die Fassaden der Gebäude am Kanzleiplatz von oben herab zu beleuchten, wie dies beim Biwak der Bürgerwehr geschehen sei. Dies wäre mit relativ einfachen Mitteln möglich. Wie sich inzwischen gezeigt habe, sei eine Installation von Bodenleuchten wie beim Storchenturm wesentlich aufwändiger.

Terminüberschneidungen vermeiden

Wiederum Gemeinderat Paul Gutmann regte an, die Veranstaltungstermine in Zell besser zu koordinieren, um Überschneidungen wie am Biwak-Wochenende zu vermeiden. Unabhängig davon sei das Biwak der Zeller Bürgerwehr dennoch »ein super Fest« gewesen.

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