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Oberharmersbach | 20.03.2020

»… mit dem Schein in der Tasche hatte ich mich eher getraut«

»Landfrau« Barbara Schmieder erlebt »live« den Strukturwandel in der Landwirtschaft – Verein unterstützt mit Schulungen

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Der landesweite Strukturwandel direkt vor der Haustür: Barbara Schmieder bei ihren Rindern, von denen sie sich in diesem Jahr verabschieden wird. Foto: Inka Kleinke-Bialy
von Inka Kleinke-Bialy

Vor 25 Jahren gründete sich der Landfrauen-Ortsverein in Oberharmersbach. Zum jetzt anstehenden Jubiläum stellen wir in einer Serie einige der heutigen Mitglieder vor – mit ihren unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen und Anliegen, die sie im Landfrauenverein vertreten sehen.

Wer weiß, ob Barbara Schmieder heutzutage als hoch geschätzte Kraft bei der Zeller Sozialstation in der Tagespflege tätig wäre, wenn es die Landfrauen nicht gäbe.

Ursprünglich war die heute 57-Jährige als Bankkaufrau berufstätig, 1985 dann heiratete sie auf den Hertigshof am Billersberg. 1770 erbaut, muss­te der Hof 1947 wieder aufgebaut werden. Wegen eines Brandes, »da war der Schwiegervater im Krieg.«

Barbara Schmieder lebte das Leben einer dreifachen Mutter zwischen Milchviehhaltung, Rindermast, Waldwirtschaft und Ackerbau. Hinzu kam der Obstanbau für den Eigenbedarf: Mostäpfel sowie beispielsweise Kirschen, Zwetschgen und Pflaumen, »was man halt so für´s Brennen hat.«

»Damals halfen die Schwiegereltern noch mit und mit den Preisen war es viel besser, da war alles noch ganz anders«, erinnert sich die gebürtige Oberharmersbacherin an ihre Zeit als Jungbäuerin. Überdies logierten Feriengäste im Haus: »Als die Schwiegermutter in den 60er-Jahren damit anfing, war das der Renner: »Zimmer mit Frühstück auf dem Bauernhof«, erzählt sie.

Vor rund zwanzig Jahren bereits verstarb die Schwiegermutter, im Alter von 38 Jahren hatte Barbara Schmieder nun die alleinige Verantwortung als Hofbäuerin inne. Das jüngste ihrer Kinder war damals neun, das älteste 13 Jahre alt. »Im Sommer ist man von früh morgens bis spät abends auf so einem Hof unterwegs«, erzählt sie, das sei noch heute so.

Anno 2005 legte sie über die Landfrauen eine Ausbildung zur Agrarbürofachfrau ab – in dem Jahr, in dem der Hertigshof das Ferienzimmerangebot einstellte. Denn inzwischen waren Ferienwohnungen gefragt, »den Platz dafür hatten wir aber nicht« – stattdessen wurde der Wunsch der Kinder nach jeweils einem eigenen Zimmer erfüllt.

2011 dann verabschiedete sich der Hof von der Milchviehhaltung, der niedri­gen Preise und der damit fehlenden Wirtschaftlichkeit wegen. Im Laufe des derzeitigen Jahres wird nun die Mastviehhaltung aufgegeben. Denn: Die Tiere stehen in einem alten Stall mit Anbindehaltung, »das ist ja etwas, was man nicht mehr möchte«, erklärt die Hofbäuerin. Doch einen Laufstall zu bauen würde sich bei den für sie geltenden Konstellationen ebenso wenig lohnen wie die zusätzlich erforderliche Weidefläche, die es zu pachten gälte. Umso mehr, als der mit Frau und Kind auf dem Hof lebende Sohn auch in Zukunft seinem Hauptberuf als Baumaschinen-Mechaniker nachgehen wird, den Hof bei einer Übergabe im Nebenerwerb weiterführen will.

Kurzum: Schon in diesem Jahr geht der bisherige landwirtschaftliche Haupterwerbsbetrieb in den Nebenerwerb über. »Mein Mann und ich haben den Hof immer gerne bewirtschaftet, mit allen Höhen und Tiefen«, betont Barbara Schmieder. Doch auch, wenn ein wenig Wehmut dabei ist: Entspannt und mit aller Zuversicht blickt sie den zukünftigen Änderungen entgegen: »Mit jeder Generation verändert sich etwas, da darf man nicht dem nachhängen, was einmal war.«

Der Wald- und Ackerbau wird nach der Umwandlung weiterhin betrieben, »aber einfach nur, dass das Gelände bewirtschaftet wird«, so Barbara Schmieder, nicht zuletzt auch der Verantwortung für das landschaftliche Erscheinungsbild zuliebe.

Ihr Mann wird dann endgültig einer Teilzeitbeschäftigung in fester Anstellung nachgehen. Sie selbst praktiziert dies bereits seit 2011, in der eingangs erwähnten Sozialstation. Nachdem sie – ebenfalls über die Landfrauen – eine Ausbildung zur hauswirtschaftlichen Familienbetreuerin absolviert hatte.

Vieles wusste ich vom Grundsätzlichen her zwar durch die Betreuung meiner Kinder und der Schwiegereltern«, betont die dreifache Mutter, »aber nun hatte ich eine offizielle Bescheinigung dafür.« Mit dem Mut machenden Zertifikat in der Tasche entschied sie sich für den Schritt: Auf den Hinweis einer Bekannten hin bewarb sie sich bei der nach Mitarbeitern suchenden Zeller Sozialstation – mit Erfolg.

Bei den Landfrauen in Oberharmersbach ist Barbara Schmieder von Anfang an dabei, war gemeinsam mit einer Nachbarin zur Gründungsversammlung vor 25 Jahren erschienen und ist noch heutzutage mit Überzeugung Mitglied: »Mit den Menschen ist es immer lustig und nett, und es gibt viele interessante, auch überregionale Angebote.«

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Landfrauen Oberharmersbach

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