Hannelore Manto ist stets beschäftigt

Franziskusweg, Hexenhäuschen, Weidengeflecht – die Frau mit der umtriebigen Ader hat viele Leidenschaften

»Bis an mein Lebensende werde ich den Franziskusweg hegen und pflegen«, hatte Hannelore Manto dem Vor-Vorgänger des jetzigen Bürgermeisters von Oberharmersbach versprochen. Doch auch sonst hält eine umtriebige Ader sie – zusätzlich zum Beruf – auf Trab. Besonders stolz ist sie auf das »Hexenhäusle« in ihrem Garten.

»Der Garten ist mein Wohnzimmer«, schwärmt Hannelore Manto und man sieht, was sie meint: Jeder Quadratzentimeter des Areals in der Brugasse ist nicht nur fein säuberlich gehegt und gepflegt, inklusive der großen Kräuterecke, sondern auch dekoriert.

Dass sie vor zwei oder drei Jahren ihren Sinn für das Flechten von Weidenzweigen entdeckt habe, erzählt sie. Beileibe nicht nur Körbe und Zäune lässt die handwerklich Begabte aus dem Material entstehen, sondern vor allem die unterschiedlichsten Deko-Elemente. Wie beispielsweise ein Gebilde, für das sie das Gestell eines alten Lampenschirms umflochten hat. »Ich könnte alles verwurschteln, mit Weidenzweigen«, lacht Hannelore Manto, die als junge Frau eigentlich KFZ-Mechanikerin hätte werden wollen, die auf Wunsch ihres geliebten Vaters aber eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolvierte.

Ganz besonders stolz ist sie auf ihr Hexenhäuschen, das nun im dritten Jahr ihren Garten ziert und der Hingucker schlechthin ist. Denn wer auf dem Oberharmersbacher Vesperweg wandert, »der läuft auf dem Rückweg automatisch bei mir durch, da wird dann geknipst und gemacht«, freut sich die Ortsgebürtige. Als sie die Tür öffnet, empfängt intensiver Holzgeruch den Besucher. Gemütliche Sitzgelegenheiten rund um einen Holztisch laden zu einer Auszeit ein: Auch hier, in dem hellen Zedernholzinterieur, ist alles liebevoll bis ins letzte Detail gestaltet.

Natürlich dürfen eine Hexe und der Zauberer Merlin nicht fehlen. »Wenn meine Enkelin hier reinkommt – die ist zweieinhalb – dann begrüßt sie die beiden immer ganz ehrfürchtig und gibt ihnen die Hand, es ist rührend«, schmunzelt Hannelore Manto und kredenzt einen Tee aus den frischen Blättern von Zitronenmelisse und Zitronenverbene. Stilgerecht hängt eine große Spinne in ihrem Netz unterm Dach, selbstverständlich selbst gemacht.

Ohne Bauplan

»So ein ähnliches Haus, nur kleiner, habe ich mal irgendwo bei einem Spaziergang in Zell gesehen«, erzählt die Umtriebige resolut, «da hab ich gesagt: Genau das will ich haben, aber größer.« Ein Wagner ganz in der Nähe – der letzte, der hier im Ort diesen Beruf noch ausübt – zimmerte ihr das Kleinod. Ohne Bauplan.

Mit selbstgezeichneten Schablonen entstand das Dach des bewusst »schiefen« Häuschens. Bis beim Zusammenbauen alles endlich passte, gelangten einige Flüche ins Universum. Und auch das Unterfangen, das fertig gestellte Hexendomizil per Kran aus der nahen Werkstatt des Wagners in Hannelore Mantos Garten zu verfrachten, stellte eine Aufgabe der besonderen Art dar. Mit der angeheuerten Hilfe ihrer Söhne sowie der Verwandtschaft ließ sich die Herausforderung meistern.

Mit der gleichen resoluten Akribie hatte die heute Einundsechzigjährige sich von 2001 bis 2003 der Erstellung des Franziskuswegs in Oberharmersbach verschrieben. Zu einer Zeit, in der sie ihre Tankstelle im Ort aufgrund eines ausgelaufenen Pachtvertrags schließen musste. »Ich hatte zu viel Power und hab begonnen, mich ein biss­chen kirchlich zu engagieren«, erzählt sie.

Botschafterin des Sonnengesangs

Der zur Jahrtausendwende in Oberharmersbach als letzter Ortspfarrer tätige Pater Marian Rybak gehörte dem Franziskaner-Orden an. Bei jenem Pater hatten ihre Kinder Religionsunterricht, so kam Hannelore Manto in Kontakt mit der Lehre des Franz von Assisi (1182 bis 1226) und dem von ihm verfassten »Sonnengesang«. Was sie an dem Heiliggesprochenen fasziniert? Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: »Wenn der heute leben würde – der hätte sich neben die Greta Thunberg gesetzt, um gemeinsam mit ihr gegen die Zerstörung von Umwelt und Klima zu protestieren.«

Zwei Jahre dauerte die Erstellung des Oberharmersbacher Besinnungsweges mit seinen zehn Stationen. Ohne finanzielle Unterstützung seitens der Kirche, wie Hannelore Manto betont, »ich hab gesagt: Ich mach das, und ich hab es auf meine Art gemacht.« Indem sie das Projekt mithilfe von Spenden stemmte. Sowohl finanzieller Art waren diese, aber auch in Form von Materialspenden (vor allem Sandstein und Holz) sowie unentgeltlicher handwerklicher Dienste wurden sie geleistet.

Die erste Station entstand während einer 72-Stunden-Aktion, »in der Ministranten, Weiße-Kommunionskinder oder katholisch angehauchte Vereine in drei Tagen etwas auf die Beine stellen.« Zwar sei sie aus verschiedenen Gründen kirchlich heutzutage nicht mehr so engagiert wie früher, erzählt die Umtriebige, aber auf dem Franziskusweg habe von Anfang an eine Art Segen gelegen: »Es lief immer. Hatte ich eine Station fertig, kam die nächste an
die Reihe. Und immer habe ich mich im Amtsblatt bei denen bedankt, die mir bei der jeweiligen Station geholfen hatten.«

Als »Franziskus« Modell gestanden

Eine der Stationen zeigt die Figur des Heiligen. Nur zu gerne hätte die Besinnungsweglerin den Asketen in Stein meißeln lassen – allein: das Budget fehlte. Also wurden Yton-Steine aufeinander geklebt, aus denen eine künstlerisch begabte junge Frau die Form meißelte. »Die habe ich dann verputzt und gestrichen«, freut sich Hannelore Manto noch immer über den gelungenen Coup, für den sie selbst – mit einem Betttuch verhangen – Modell gestanden hatte, »es waren köstliche Stunden.«

Weniger köstlich sind die vielen Stunden, in denen sie im Herbst das Laub mit dem Rechen vom Weg räumt. »Aber das ist Leidenschaft, und deshalb mach ich das«, betont sie, die auch sonst regelmäßig auf dem Franziskusweg zugange ist. Mit ihrem Hund und mit dem Handwerkskasten. Um die Stationen zu »putzen« und zu reparieren. Nicht ohne bei dieser Gelegenheit die Hinterlassenschaften der Hunde anderer zur Seite zu räumen. Noch schlimmer aber seien die Leute, die eben diese in dafür bereitgestellte Plastikbeutel packen »und die dann einfach in die Gegend werfen.«

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