»Da bewegt sich richtig was«

Klimawandel: Kompaktbuch in Riesenauflage macht Furore/ Seit Anfang Dezember bereits 50.000 Stück verkauft

Christian Serrer aus Oberharmersbach hat mit »Kleine Gase – große Wirkung« ein Buch über den Klimawandel mitverfasst, das auch Prominente wie Dr. Claus Kleber überzeugt, den Moderator des ZDF »heute-journal«. Weil es eine Fülle von komplexen wissenschaftlichen Erkenntnissen für jedermann verständlich auf den Punkt bringt. Anfang Dezember erschien das selbstverlegte Buch, inzwischen ist die Hälfte der Auflage von 100.000 bereits verkauft.

»Wenn ich in dem Glauben lebe, dass Klimawandel nur schmelzende Gletscher und Meeresanstieg bedeutet, dann ist mir das im Schwarzwald ziemlich egal«, sagt Christian Serrer, »dann ändere ich auch mein Verhalten nicht, um dagegen zu steuern.«

Anders jedoch würde dies mit dem Bewusstsein werden, »dass der Klimawandel schon heute jeden von uns – auch in Deutschland – betrifft und dass das in Zukunft noch viel schlimmer wird.« Beispielsweise in Bezug auf die Auswirkungen höherer Temperaturen auf unsere Gesundheit: »In Fachkreisen wird der Klimawandel als die größte globale Gesundheitskatastrophe des 21. Jahrhunderts angesehen.«

Wobei der Klimawandel nicht nur einen Mechanismus habe, der die Gesundheit beeinflusse, vielmehr gebe es viele verschiedene Punkte. »Einer der größten ist, dass sich zum Beispiel Herzkreislauf- und Atemwegserkrankungen verschlimmern«, erklärt Christian Serrer.

Dengue-Virus, giftige Bakterien und Co.

»Zum anderen haben wir durch die veränderten klimatischen Bedingungen auch in Deutschland die Etablierung beispielsweise neuer Zeckenarten oder der Tigermücke als Krankheitsüberträger unter anderem des gefährlichen Dengue-Virus.«

Ein weiterer Zusammenhang: Durch wärmeres Meerwasser breiten sich Bakterien wie die für die Cholera verantwortlichen aus. »Als mir das das erste Mal ein Professor erzählt hat«, so Serrer, »da hab’ ich gedacht, das klingt jetzt ein klein wenig abgedreht, das hat sich irgendjemand ausgedacht.«

Viele weitere solcher Aspekte gebe es – wie die umgangssprachlich so genannte Algenblüte, bei der es sich um die massenhafte Vermehrung giftiger Cyano-Bakterien handelt, die in diesem Sommer unter anderem die Mosel grün färbten und zu Magen-Darm-Erkrankungen führen. Ironie des Schicksals: Der Onkel von Serrers Co-Autor hat in diesem Sommer selbst zu spüren bekommen, »was im schlimmsten Fall ziemlich böse enden kann.«

In der enormen Auflage von 100.000 und für gerade einmal fünf Euro das Stück hat der 22-jährige Oberharmersbacher gemeinsam mit David Nelles – beide Studenten der Wirtschaftswissenschaften – ein Buch über den Klimawandel geschrieben.

»Wir wollten möglichst viele Menschen erreichen«, erklärt das Duo. Denn es hatte festgestellt, wie wenig Konkretes sie selbst und andere über das Thema wussten. Wer sich schlau machen wollte, der stieß auf eine Überfülle an Informationen und verwirrenden Details – mit überdies der Frage nach der Verlässlichkeit.

Was die beiden jungen Leute jedoch suchten – ein Buch, das die Ursachen und Folgen des Klimawandels erklärt: auf rein wissenschaftlichen Fakten basierend und doch leicht verständlich – das fanden sie nicht. Also beschlossen sie kurzerhand, ein solches Werk selbst zu schreiben, eine Art »großes Pixie-Buch für Erwachsene«. Und zwar in den Semesterferien. Vor gut eineinhalb Jahren war das.

»Das hat dann doch nicht so ganz geklappt, wie wir uns das vorgestellt hatten«, lacht Christian Serrer im Nachhinein. Denn viele tausend Stunden haben die beiden seither in das Projekt gesteckt, dafür gar ein Pausensemester eingelegt. »Danach haben wir quasi von morgens bis abends weiter am Buch gearbeitet und im Studium gleichzeitig »Bulimie-Lernen« betrieben«, lacht der Student erneut sein ansteckendes Lachen. »Bulimie-Lernen« heißt, dass sie vor der Prüfung alles Versäumte in kürzester Zeit nachzuholen versuchten.

Verständliches statt Fake News

Ein Einsatz, der »sehr viel Disziplin« erforderte. Herausgekommen ist »Kleine Gase – große Wirkung«. Ein Buch, das Basiswissen – Ursachen und Folgen – »kurz, knackig und grafisch« zusammenfasst. Und für das die beiden Studierenden mit mehr als 100 Wissenschaftlern und drei Grafikern zusammengearbeitet haben.

Mehr noch: Das Duo brachte den 128-Seiten Band im Eigenverlag heraus. Weil er – trotz umweltschonender und nachhaltiger Produktion als Hardcover – nicht mehr kosten sollte als eine Pizza. Um die Schwelle zum Einstieg in das Thema »Klimawandel« bewusst niedrig zu halten. Da die beiden jungen Verleger jedoch kein Risiko eingehen konnten, suchten und fanden sie im Vorfeld Firmen, die durch 30.000 vorbestellte Exemplare die Finanzierung sicherten.

Seit dem 4. Dezember erhältlich, ist inzwischen bereits die Hälfte des Bestands verkauft. Nicht zuletzt dank intensiver PR-Arbeit trotz im Studium anstehender Prüfungen. Umso größer fällt die Freude aus: »Wir haben natürlich gehofft, dass es gut anläuft – aber gleich so stark, damit hätten wir nicht gerechnet«,

Zu gefragten Fachleuten geworden

So kompakt die Außenmaße sind, »ein klein wenig größer als eine CD-Hülle«, so kompakt ist auch der Inhalt, trotz all seiner Vielschichtigkeit. Die Verfasser, im Erarbeiten desselben zu Fachmännern geworden, halten mittlerweile in Unternehmen Vorträge. Auch Anfragen von Schulen liegen vor, »aber im Moment haben wir null Zeit dafür«, bedauert Christian Serrer zutiefst und hofft, dass sich in Zukunft die Gelegenheit findet, »an Schulen zu gehen, ist mir persönlich ein großes Anliegen.«

Er weiß: »In der Wissenschaft gibt es keinerlei Diskussion darüber, dass hauptsächlich der Mensch Schuld am Klimawandel ist«, und er betont, in seiner Generation sei der Klimawandel das Thema Nummer eins. Als Beispiel nennt der junge Mann Beobachtungen im Freundeskreis: »Früher hat man sich über Veganer lustig gemacht. Aber inzwischen sind es die Fleischesser, die sich rechtfertigen müssen.« Dieses Umdenken, das er in »ganz, ganz vielen Situationen und unzähligen Gesprächen« festgestellt habe, gebe Motivation: »Man merkt, da bewegt sich richtig was.«

Doch auch auf anderer Ebene hat sich für Christian Serrer der Einsatz gelohnt. Zum einen sind da die vielen geknüpften Kontakte. Vor allem aber: Zuvor habe er nicht genau gewusst, wo es hingehe. Eine »extrem schwierige« Frage, vor der aufgrund des großen Angebots heutzutage viele Schüler und Studenten stünden. »Aber jetzt habe ich ein Thema, für das ich brenne. Alleine dafür würde ich das Ganze sofort nochmal machen«, ist der Oberharmersbacher dankbar. Und weiß, dass er sich beruflich für das Thema Klimawandel einsetzen wird.

Das Buch

»Kleine Gase – Große Wirkung« ist zum Preis von 5 Euro im KlimaWandel-Verlag erschienen (ISBN-13:978-3981 9650 01) und im Buchhandel erhältlich. Am Ende beinhaltet es einen Ausblick, auf das, was »jeder selbst tun kann«, erklärt Serrer. Weitere Infos siehe www.klimawandel-buch.de.