»Wir waren alle wie vom Igelfieber gepackt«:

Zwei Führungen mit Michaela Neuberger auf dem Oberharmersbacher Märchenweg

»Der kleine Igel und das große Geschenk« lautet der Titel der diesjährigen Geschichte, die auf dem Oberharmersbacher Rundweg »Märchen durch die Weihnachtszeit« kreativ-liebevoll umgesetzt worden ist. Und die mit Michaela Neuberger an den letzten beiden Advents-Sonntagen erlebt werden kann.

Der arme, arme Igel. Wohl gut einen Meter groß liegt er auf dem Rücken – alle Viere verzweifelt von sich gestreckt und völlig ungeschützt. Denn ein eisiger Wintersturm hat sein aus Blättern und Zweigen gebautes Häuschen zerstört, das ihn doch eben noch so schön wohlig gewärmt hat. Nur gut, dass der Vierfüßler kurz zuvor einen Geschenkkarton erhalten hat – gefüllt mit Schal, Mütze und Handschuhen, jeweils aus kuschelwarmer Wolle gestrickt. In die packt der Igel sich nun ein und macht sich auf seinen kurzen Beinchen auf den Weg. Allerlei Tieren, die jämmerlich frieren, begegnet er unterwegs. Ohne großes Nachdenken und in bester Samaritermanier gibt der stachelige Geselle all seine wärmenden Kleidungsstücke her. Bis er selber ohne eine Faser am Leib ist, in bitterer Kälte. Ob er es nun noch bis zu seinem Freund schafft – bis zur rettenden Wärme des Dachsbaus?

Mit dieser Frage schloss ein kurzes Theaterstück, das den diesjährigen Rundweg »Märchen durch die Weihnachtszeit« im Zuges des Weih­nachtsmarktes eröffnete. Das Groß und Klein auf den kreativ-liebevoll hergerichteten Weg sowohl einstimmte als auch neugierig machte. Und das während der beiden Aufführungen auf dem Weih­nachtsmarkt bestens besucht war. Aufgeführt wurde es unter der Regie des Wichtels Micha. Der bot seinem Publikum leckere Butterplätzchen in Igelform an, während er aufgeregt trippel-watschelnd zwischen den Tannen umherwuselte, die über Nacht im Sitzungssaal des Oberharmersbacher Rathauses gewachsen waren.

Am Ende des Stückes verwandelte der Wichtel sich in Michaela Neuberger, die ein Hörspiel zu besagtem Theaterstück »umfunktioniert« hatte. Eines, das auf einem vom Brunnenverlag herausgegebenen Bilderbuch von M Christina Butler und Tina Mcnaughton basiert. Und das aus der bekannten Bilderbuch-Serie »Der kleine Igel« stammt.

»Es ist also eigentlich kein Märchen, sondern eine Kindergeschichte«, stellt die Spiel- und Lese-Begeisterte klar. Doch es geht ums Einander-Helfen sowie um die Botschaft, dass ein Freund für den anderen da ist. Und deshalb passt die Geschichte vom Inhalt her wunderbar für den Rundweg »Märchen durch die Weihnachtszeit«, der letztes Jahr im Nachgang zu dem ebenfalls von Michaela Neuberger initiierten Sommer-Märchenfest ins Leben gerufen worden war und großen Anklang gefunden hatte. Das zeigte die enorme Besucher-Resonanz.

Von Bilderbuch-Schätzen inspiriert

Wie die vor Ideen stets nur so Sprudelnde auf die Geschichte gestoßen ist? Genau so, wie auf die Geschichte vom kleinen Tannenbaum im letzten Jahr: »Ich stöbere doch so gerne in Buchhandlungen, da könnte ich mich tage- und nächtelang aufhalten«, gesteht die 47-Jährige«. Und verrät, dass sie die Bilderbücher kauft, »obwohl wir selbst und in der Verwandtschaft keine kleinen Kinder haben – einfach nur für mich, weil ich die Bilder so schön finde. Und weil ich weiß: Das lässt sich umsetzen. Anders kann ich’s nicht erklären.«

Der Märchen-durch-die-Weihnachtszeit-Rundweg im letzten Jahr war gerade erst eröffnet, da hatte Oberharmersbachs fantasiegeladene »Märchenfee« bereits die Idee für das Jahr 2016. Zur Freude von Ratsschreiberin Dominika Hättig, die alljährlich das Organisationsteam für den Weihnachtsmarkt um sich schart. Gleich im Dezember letzten Jahres noch fragte Michaela Neuberger den Brunnenverlag, ob sie das Bilderbuch verwenden und die Texte kopieren dürfe – für die Sichtfenster der aus Schwartenbrettern gefertigten Säulen. »Der Mann in der Rechtsabteilung – das ist ein ganz lieber Mensch gewesen – der war restlos begeistert«, erzählt sie nicht weniger erfreut.

»Und dann haben wir das Glück gehabt, dass der Benedikt Meßmer mit ins Boot gekommen ist«, ergänzt sie. Denn der auf Tierfiguren spezialisierte Hobbykünstler aus Welschensteinach, der in Oberharmersbach seinem Beruf nachgeht, wurde für den weihnachtlichen Rundweg mit seiner Motorsäge aktiv. Im Frühjahr bereits besprachen die beiden, welche Situationen aus dem Bilderbuch es in welcher Form darzustellen und welche Figuren es mit der Säge zu gestalten galt. »Das kommt bei mir alles aus dem Bauch«, erklärt die Kreative. »Ich seh’ mir die Bilder an und weiß, was wir nehmen und wie wir’s umsetzen müssen.«

Weitere Hilfe erhielt sie von Martha Kornmaier, die »rein aus Spaß an der Freud’« sämtliche Handschuhe, Schals und Mützen gestrickt hatte. »Ich glaub’, die war vom Igelfieber genauso gepackt wie wir alle«, lacht Michaela Neuberger. Und erzählt, dass sie die Mütze für eine vom Igel gerettete Mäusefamilie inzwischen ausgetauscht hat. Denn die erste Version war zu klein, »da wussten wir noch nicht, wie groß der Benedikt die Figuren machen wird. Beim zweiten Versuch hat die Martha deshalb an einem Putzeimer Maß für die Mütze genommen.«

Idee für nächstes Jahr schon da

Ob all der ehrenamtlichen Arbeit um so bedauerlicher findet sie daher, dass schon am ersten Tag nach der Eröffnung des Rundweges einer der Tierfiguren ein Handschuh fehlte. »Der muss mit Gewalt weggemacht worden sein«, ist sie sich ob der Umstände sicher und hofft, dass sich solcherlei nicht wiederholen wird. Gleich darauf erzählt sie voller Vorfreude von der Geschichte, die sie bereits als Vorlage für den Märchenweg 2017 gefunden hat. Die allerdings sei an dieser Stelle – natürlich – noch nicht verraten.

Wer sich von der Erzähl- und Theaterversierten auf dem diesjährigen Rundweg persönlich durch die Geschichte von dem kleinen Igel und dem großen Geschenk führen lassen möchte, der kann dies am 11. und am 17. Dezember ab 14 Uhr tun. Eine Anmeldung ist erforderlich: unter tourist-info@oberharmersbach.net, Tel. 07837/ 277. Ansonsten ist der zwei Kilometer lange Rundweg an der Katzenhalde (Start an der Brücke beim Schrofen) jederzeit und kostenfrei bis zum achten Januar begehbar.

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