Lösung: Unser Bild entstand Ende der 1940-er Jahre. Es zeigt ein Taglöhnerhäuschen (»‘s Krummholze«) im Obertal, in dem eine der letzten Oberharmersbacher Granatschleifen untergebracht war. Es stand dort, wo jetzt das Anwesen August Lehmann steht (vor dem ehemaligen Rundholzpatz des Sägewerks Helmut Lehmann).
Die Granatschleiferei im ehemaligen Reichstal Harmersbach ist bereits für die 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts belegt und erreichte ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert. Bis zu 500 Menschen verdienten mit dieser »Heimarbeit« ihren Lebensunterhalt, mehr schlecht als recht, aber es war oftmals die einzige Möglichkeit für die vielen Taglöhnerfamilien, überhaupt ein einigermaßen verlässliches Einkommen zu erzielen. Die Rohlinge wurden aus Böhmen importiert. Das schwierige Bohren war meist Männersache, das Schleifen überließ man den Frauen und älteren Kindern. Manche Schleifen wurden mit Wasserkraft betrieben, dann wurde im Liegen geschliffen. Häufiger jedoch kamen mit Füßen angetriebene »Trabanten« zum Einsatz, die meist in der Wohnstube standen. Jede »Schliffe« erhielt eine bestimmte Menge an Rohlingen geliefert, Bruch war einkalkuliert. Wer Glück hatte oder sorgfältig arbeitete, durfte die zu viel hergestellten Steine behalten oder auf eigene Rechnung verkaufen, der Rest wurde über Händler vermarktet. So haben sich die Frauen ihre zur Tracht gehörenden Halsketten (»Halsnister«) zusammen gespart.
Als 1879 der neu gegründete italienische Staat, bisheriger Hauptabnehmer (Granathalsketten waren in Norditalien ein beliebter Hochzeitsschmuck), einen Schutzzoll erhob, kam innerhalb von zwei Jahren fast die gesamte Granatschleiferei zum Erliegen. Auswanderungswellen waren die Folge.
ereinzelt wurde noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschliffen, aber nach dem Ersten Weltkrieg war das Gewerbe völlig erloschen. Nur noch der Name »Schliffe« im Riersbachtal erinnert an das einstmals blühende Gewerbe.




