Unter fachkundiger Führung besichtigte die Gruppe die Baustelle des Bahnprojekts „Stuttgart 21“.
„Vom Sackbahnhof zum Durchgangsbahnhof“. So hieß es zu Beginn der Projektausschreibung für „Stuttgart 21“, als im Jahr 2010 unter nicht gerade leisen Tönen mit dem Bau begonnen wurde. Ein Projekt, das sich in all den Jahren zur größten Baustelle Europas mit höchster Ingenieurskunst etablierte. Ein Leuchtturmprojekt, auf das die Landeshauptstadt Stuttgart zurecht auch Stolz sein darf – wenn die Züge einmal den „neuen“ Hauptbahnhof durchgängig befahren dürfen.
Ein Mehrwert für Baden-Württemberg
Neugierig und in großer Erwartung auf das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ sowie bei guter Stimmung machten sich 19 Junker-Rentnerinnen und -Rentner auf den Weg ins Schwabenland. Mit der SWEG-Regionalbahn und dem BW-Ticket war am vergangenen Donnerstag um 9:02 Uhr Abfahrt ab Haslach in Richtung Freudenstadt. Schon ab Schiltach erlebte man den Wandel von einer grünen in eine herrlich weiße Winterlandschaft, welche die Gruppe bis hinter Freudenstadt begleitete.
Nach einem kurzen Aufenthalt am Hauptbahnhof Freudenstadt ging es mit der Gäubahn weiter, mit der die Rentnergruppe um 11:43 Uhr am Hauptbahnhof Stuttgart eintraf.
IST Infoturm am Hauptbahnhof neben dem Gleis 16
Schnell drängten sich die Junker-Rentner am Hauptbahnhof zwischen den Bahnreisenden durch und standen vor dem viergeschossigen IST Infoturm, den man neugierig gleich bis zur vierten Etage bestieg.
Es war beeindruckend: Nicht nur der blaue Himmel, die strahlende Sonne und die weiten Blicke rund um Stuttgart sondern auch die Blicke in die Tiefe, auf die „28 Lichtaugen“. Eine gekrümmte Glas-Stahl-Konstruktion, durch die hindurch künftig das Tageslicht die Bahnsteighalle erhellen soll. Eine einzigartige Architektur, die alle faszinierte.
Mittagstisch in Carls Brauhaus am Schlossplatz
Nach den ersten großen Erlebnissen meldete sich der Hunger. Die Junker-Rentner-Gruppe verließ den Hauptbahnhof und machte einen gemütlichen Spaziergang entlang der Einkaufsmeile „Königstrasse“ bis hoch zum Schlossplatz, wo für 13:00 Uhr in „Carls Brauhaus“ reserviert war. Typisch „schwäbische Gerichte“ kamen auf den Mittagstisch und dazu auch ein einheimisches Dinkelacker Bier. An guter Stimmung und bester Unterhaltung hat es dabei nicht gefehlt.
Kurz vor 15:00 Uhr war dann Aufbruch zurück zum IST Infoturm, wo die Gruppe eine dreistündige Besichtigung der Baustelle des Bahnprojekts „Stuttgart 21“ unter fachkundiger Führung erwartete.
Erklärung des European Train Control System (ETCS) Level2
Pünktlich um 15:30 Uhr wurden die Junker-Rentnerinnen und -Rentner vom „Baustellenführer“ im IST Infoturm herzlich begrüßt und willkommen geheißen. Gleich ging es hoch in die dritte Etage. Dort wurde anschaulich berichtet, dass das ETCS im Knoten Stuttgart komplett auf dem Level 2 eingeführt und erstmals in Deutschland auch für hoch belastete S-Bahn-Bereiche eingesetzt werden soll. Es soll das Modernste sein, was es derzeit gibt. Die Streckensignale sollen nur noch virtuell existieren und die nötigen Informationen sollen den Triebfahrzeugführer direkt auf einem Bildschirm im Führerstand unterstützen, wie es in der Luftfahrt seit Jahrzenten üblich ist.
Damit sollen ortsfeste, wartungsbedürftige Signalanlagen entlang der Strecke wegfallen, aber nicht nur das. Mit ETCS Level 2 sollen die Züge dichter hintereinander in die Haltestelle einfahren können und das auch mit höheren Geschwindigkeiten.
Der Baustellenführer (selbst Architekt) informierte die Junker-Rentner sehr anschaulich anhand eines Modells über das gesamte Bahnprojekt „Stuttgart 21“. Man konnte hierbei nur darüber stauen, was Mensch und Technik zusammen harmonierend leisten können.
Die Anmut der 28 Kelchstützen auf der Bahnsteigebene
Nun ging es drei Stockwerke tiefer auf die Bahnsteigebene, wo in Anmut die 28 Kelchstützen zu sehen sind, welche das gesamte Dach der neuen Bahnhofshalle tragen. Die Lichtaugen tragen zur natürlichen Belichtung und Belüftung bei. Alle 28 einzigartigen, dreidimensional gekrümmten Kelchstützen aus Beton sind ein Unikat. Tausende individuell gebogene Stahlstäbe (ca. 300 bis 350 Tonnen pro Kelch) bilden das Herzstück, mit über 1.500 Positionen pro Kelch. In einer Kelchstütze sollen bis zu 875 Kubikmeter Beton verbaut sein.
Eine Ingenieursleistung von Tragwerksplanern und Architekten, die europaweit einzigartig ist. Nach dem weiteren Rundgang durch die Bahnsteighalle und einer kurzen Besichtigung des Bonatsbaus wurde die Baustellenführung beendet, um den Zug für die Heimfahrt nicht zu verfehlen.
Die Baustellenkleidung wurde wieder abgelegt. Am Ende der Führung bedankte sich Organisator Reinhard Kornmeier beim Baustellenführer für die professionelle Führung, welche der Junker-Reisegruppe noch lange in Erinnerung bleiben wird. Aber auch in der Hoffnung, die Fertigstellung von „Stuttgart 21“ noch zu erleben. Auf der Rückfahrt in die Heimat bedankte man sich bei Reinhard Kornmeier für die insgesamt sehr gute Organisation der Fahrt in die Landeshauptstadt.





