Nicht nur zur Weihnachtszeit: Engel

Annemarie Schwab lässt »heilende Bilder« entstehen – Von der Liebe zu Farbharmonien und »guten Energien«

»Vor zwei Jahren habe ich gemerkt: Ich habe immer was für andere gemacht«, erzählt Annemarie Schwab von ihrem Entschluss, unter ihrem Künstlernamen Aydana S. mal selber drankommen zu wollen. Seither malt sie in ihrem Atelier »nur noch alleine.« Und zwar Engel.

Eine Wohlfühlatmosphäre umfängt den Besucher, sobald er das Atelier von Aydana S. betritt. Trotz zweier Waschmaschinen, die unter den Arbeitsplatten in Betrieb sind.

»Ich finde, das stört gar nicht, das ist Alltag, das ist so ein bisschen die andere Welt zu der Welt der Engel«, schmunzelt Aydana S., »und ich verbinde beides, das ist meine Aufgabe.« Die auf dem langen Arbeitstisch aufgereihten Schalen mit Farbpigmenten standen noch bis vor rund zwei Jahren Kursteilnehmern für das Ausdrucksmalen nach Arno Stern zur Verfügung.

Ursprünglich hat die heutige Rentnerin in Gengenbach den Beruf der Erzieherin gelernt, leitete anschließend einen offenen Hort in einem sozialen Brennpunkt. Als sie Mutter einer Tochter wurde, die sie alleine großziehen musste, suchte sie sich Arbeitsstellen, »die so waren, dass meine Tochter auch eine Mama hat.«

Daher arbeitete sie zunächst daheim, bildete sich dann zur Waldorf-Kindergärtnerin weiter, war in der Nachbarschaftshilfe der Diakonie und in der Familienpflege tätig, managte eine Weile ein Frauen- und Mütterzentrum und arbeitete schließlich sozialpädagogisch vier Jahre lang für ein Berufsförderungswerk, das »Berufsförderungslehrgänge für Jugendliche anbot, die keinen Hauptschulabschluss hatten oder irgendwie nicht untergekommen sind im Leben.« Die Arbeit mit den Jugendlichen, »das hat mir viel Spaß gemacht«, so Schwab.

Und dann kam der Tag, an dem sie einen Vortrag von Arno Stern gehört hatte, »da habe ich gewusst: Das will ich machen, das will ich den Menschen anbieten.« Denn sie selbst hatte schon immer gemalt und gemerkt, »wie gut mir das selber getan hat.«

Malort

Der in Frankreich lebende Pädagoge und Forscher Arno Stern wurde 1924 in Deutschland geboren. Im Zuge seiner Arbeit mit kriegsverwaisten Kindern schuf er vor 50 Jahren den »Malort«. Beim Malen im geschützten Rahmen werden Betrachtung, Wertung und Deutung ausgeschlossen, um den Menschen so »zu einem natürlichen Wiederfinden mit sich selbst zu führen.«

So also kam es, dass Aydana S. 1996/ 1997 in Unterharmersbach das Atelier »Farb-Milieu« eröffnete, um anderen das wertfreie Malen in einem geborgenen Raum zu ermöglichen. Auch hier also tat sie etwas für andere, leitete zudem Malkurse an der Volkshochschule, »und nebenher habe ich im Hospiz in Oberharmersbach Kunsttherapie gegeben«, berichtet die 1955 Geborene, die in ihrem bewegten Leben überdies an den Kunstschulen in Badenweiler und Lahr studiert und »schon viele Ausstellungen« gemacht hat.

Mit dem Entschluss, in ihrem Atelier fortan alleine zu malen, entsprach sie ihrem Bedürfnis, »nur noch mein Künstlersein zu leben, meine Sensibilität zum Ausdruck zu bringen.« Dass ihr bewusst wurde, wie wichtig dabei das Engelsthema für sie ist – daran sind nicht zuletzt die leuchtenden Engel Schuld, die zur Weihnachtszeit die Straßenlaternen im Dorfkern Nordrachs schmücken. Denn hierher zog Aydana S. mit ihrem dritten Mann im Jahr 2014.

Die Energie des St. Michael

Vor allem die Energie des Erzengels St. Michaels treibt sie um. »Der hat mich schon immer beschäftigt und geleitet. Egal, durch was ich durch bin: Ich hatte immer das Gefühl, er steht hinter mir«, erzählt die Künstlerin. Viel allein sei sie gewesen, »es hat nicht gut angefangen in meinem Leben.« Dennoch habe sie immer ihren Weg gefunden und dabei diese Energie gespürt: »Ich habe gewusst, da ist jemand, der auf mich aufpasst, der mir hilft.«

Daher also ihr »ganz starker Zug zu Engeln«. Gemeinsam mit ihrer Liebe für das Schöne, für Farbharmonien und gute Energien war es gefunden: das persönliche Malthema. Zwei Freunde aus Köln waren von ihrem ersten – großformatigen – Engelbild derart hin und weg, dass sie ihnen dieses schenkte. Mit dem Ergebnis, dass der eine ein kleinformatiges Bild haben wollte – als Geschenk für eine Tante, die zwei erwachsene Töchter verloren hatte. Was Aydana S. ihm schickte, gefiel ihm allerdings so gut, dass er es nicht hergeben mochte. »Du musst noch so einen malen«, bat er.

Handarbeit im wahrsten Sinne des Wortes

Und so ging es weiter, bis hin zur Nachbarin, die einen Himmelsboten für die Patin ihrer Tochter haben wollte. »Zu jedem meiner Engel gibt es eine kleine Geschichte«, lacht die Künstlerin und zeigt auf den gewölbten Bauch einer Lichtgestalt, »der da ist für eine Schwangere.« Dass sie heilende Bilder male, sei ihr schon mehrfach gesagt worden, »und ich empfinde das auch so: Während ich die Bilder male, fühle ich mich immer sehr glücklich und leicht und ich finde, das sieht man auch, wenn man die Bilder anguckt.«

Mit selbst hergestellter Eitempera malt sie, hingebungsvoll aus Ei, Wasser und Pigmenten zusammengerührt, »das ist was Natürliches und kein Plastik wie Acrylfarbe.« Wobei sie viel mit den Händen, den Fingern malt: »Pinsel verwende ich sehr wenig – nur dann, wenn’s um ganz feine Details geht, wie zum Beispiel das Gesicht.«

Und als Untergrund verwendet Aydana S. nicht nur Leinwand oder Holztafeln, sondern auch Baumrinde. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Baumsterbens, »das beschäftigt mich natürlich auch, zumal wir hier direkt am Wald wohnen.«

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